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Nordwestmecklenburg Insolvente Garnelenfarm: Land will Fördergeld zurück
Lokales Nordwestmecklenburg Insolvente Garnelenfarm: Land will Fördergeld zurück
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20:10 24.03.2017
Grevesmühlen

Neues Jahr, das alte Lied: Das Insolvenzverfahren gegen die Fluxx2 GmbH in Grevesmühlen ist noch immer nicht eröffnet worden. Die Garnelenfarm von Investor und Betreiber Andreas Kleinselbeck im Nordwesten der Stadt hatte bereits im September des vergangenen Jahres die Zahlungsunfähigkeit beim Amtsgericht in Neubrandenburg angemeldet. Ende Januar sollte dort ein notwendiges Gutachten eingehen. Doch passiert ist seitdem nichts. Der Insolvenzverwalter Christian Graf von Brockdorff vertröstet bei Nachfragen immer wieder – ohne konkrete Angaben zu machen.

Neuigkeiten gibt es allerdings aus Schwerin: Das Landwirtschaftsministerium will sich nun die Fördergelder zurückholen, die für den Bau der erst im Februar 2015 eröffneten Cristalle Garnelenfarm geflossen sind. „Wir haben auf unsere Anhörung zu den Fördermitteln keine Antwort erhalten und werden daher die Fördermittel zurückfordern“, bestätigt Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth.

Die Rückzahlungsansprüche werden gegen Investor Andreas Kleinselbeck geltend gemacht. Damals waren nach Angaben aus Schwerin insgesamt 779478 Euro an Subventionen in die Fluxx2 GmbH gesteckt worden.

„Es ist definitiv nicht davon auszugehen, dass das Land die volle Fördersumme zurückerhält. Das ist so in den Förderbedingungen auch nicht vorgesehen“, teilt Klaußner-Ziebarth mit. Die Zuschüsse unterliegen bestimmten Zweckbindungsfristen. Das heißt, das Geld muss für einen Zeitraum für den vereinbarten Förderzweck verwendet werden. Erst wenn die Zweckbindungsfrist abgelaufen ist, ist eine Rückforderung nicht mehr möglich. Im Fall der Fluxx2 GmbH ist dieser Zeitraum noch nicht verstrichen. „Das heißt, wir können und werden anteilig zurückfordern“, betont die Ministeriumssprecherin.

Investor Andreas Kleinselbeck war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch die Stadt sowie ehemalige Geschäftspartner haben Probleme, Kontakt zum Betreiber der Pleite-Farm herzustellen. Bei den Stadtwerken Grevesmühlen hat Kleinselbeck noch offene Rechnungen in fünfstelliger Höhe ausstehen, die sich aus Strom- und Fernwärmelieferungen ergeben. Geschäftsführer Heiner Wilms hofft, über das Insolvenzverfahren einen Teil der Summe zurückzubekommen. Doch er fürchtet: „Wenn das Land oder auch Herr Dyckerhoff Geld zurückfordern, wird nicht viel übrig bleiben. Wir werden auf unseren Kosten womöglich sitzen bleiben.“

Seit dem 15. März ist das Licht in der Halle der Cristalle Garnelenfarm komplett aus. Zuvor hatte York Dyckerhoff von der benachbarten Zucht „Cara Royal“ dafür gesorgt, dass die Tiere im Becken ordnungsgemäß abgefischt werden. „Eine externe Firma hat eine Komplettreinigung durchgeführt“, erzählt Dyckerhoff, der Mehrkosten für die Unterhaltung auf sich genommen hat.

Wie es mit der leeren Halle nun weitergeht, steht in den Sternen. Dyckerhoff galt zuletzt als einer der Interessenten, die die insolvente Farm kaufen wollen. „Doch ich habe seit Wochen nichts gehört.

So wie sich das alles entwickelt, ist es mir mittlerweile egal, was mit der Halle passiert. Von mir aus kann dort auch der Blitz einschlagen“, sagte er. Da die Anlagen nun für eine längere Zeit still stehen, würde ein großer Wertverlust stattfinden, meint Dyckerhoff. Darum hätte er sein Interesse abgewendet. Doch ganz aus dem Rennen will er sich nicht nehmen. „Wenn die Halle zu haben ist, ist das gut. Wenn es nicht klappt, ist es auch nicht schlimm.“

Daniel Heidmann

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