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Nordwestmecklenburg „Wasser marsch“ für lebendigen Landbau
Lokales Nordwestmecklenburg „Wasser marsch“ für lebendigen Landbau
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22:19 11.11.2018
Junge Landwirte haben in Boienhagen einen verlassenen Hof samt Ackerflächen von der Kirche gemietet und setzen auf solidarischen und lebendigen Landbau. Um das Geld für einen Brunnen zusammenzubekommen, haben sie jetzt ein Crowdfunding-Projekt im Internet gestartet, das noch bis Anfang Dezember läuft. Quelle: Laura Koch
Boienhagen

Johannes Walzer (27), Laura Koch (28) und Lennard Berger (28) bewirtschaften seit etwas mehr als über einem Jahr einen verlassenen Hof mit dazu gehörenden sieben Hektar Land, den sie von der Kirche gepachtet haben. Das, was sie dort machen, folgt einem alternativen Landbau-Konzept, das sich Solidarische Landwirtschaft nennt – oder, wie sie selbst es auch nennen „Lebendiger Landbau“. Nach einem, trotz langer Trocken- und Hitzeperiode in diesem Sommer, erfolgreichen Testjahr, haben die Nachwuchs-Landwirte jetzt ein spannendes Crowdfunding-Projekt gestartet, das noch bis Anfang Dezember auf der Internetplattform startnext läuft.

In 45 Tagen insgesamt müssen 17 000 Euro zusammenkommen, die die drei Jung-Bauern für den Bau eines Brunnens verwenden wollen. „Denn das ist ein Problem“, so Johannes Walzer, „das wir für die Zukunft unbedingt lösen müssen, um unser Gemüse zu bewässern. Und auch für die Tierhaltung brauchen wir ausreichend Wasser. Was bisher, in der Testphase, mit der vorhandenen Wasserleitung gerade noch funktionierte, ist dann nicht mehr ausreichend.“

Geld für einen Brunnen

Doch nur dann, wenn bis spätestens Anfang Dezember die 17 000 Euro auch wirklich zusammenkommen, können die Walzer, Koch und Berger das im Internet zusammengesammelte Geld behalten – und den Brunnenbauer, mit dem sie schon in Kontakt stehen, beauftragen. Der Antrag für den Bau eines Brunnens bei der Unteren Wasserbehörde des Landkreises Nordwestmecklenburg haben sie schon einmal hoffnungsvoll gestellt.

Crowdfunding (lose könnte man es mit Schwarmfinanzierung übersetzen) ist eine Möglichkeit, über das Internet von vielen verschiedenen Menschen, die ein Projekt unterstützen möchten, Geld einzusammeln. Dafür wird das Projekt auf der Plattform beschrieben und auch genau, wofür das Geld verwendet werden soll. Wie viel Geld jeder gibt, der sich entscheidet, sich registrieren zu lassen, um eine Aktion zu unterstützen, entscheidet er selbst.

„Das reicht von ein paar Euro bis zu deutlich mehr“, erzählt Johannes Walzer auf einem Rundgang durch Schwerin, wo er derzeit unter anderem Flyer, die über das Landbau-Projekt in Boienhagen, aber auch das derzeit laufende Crowdfunding-Projekt berichten. Zwischenstand nach einer Laufzeit von 11 Tagen war: 7000 Euro. „Das macht Mut“, freute sich Walzer, „vielleicht schaffen wir es wirklich, in den noch verbleibenden Tagen, das Geld zusammenzubekommen.“

Johannes Walzer, Junglandwirt aus Boienhagen, ist auch in Schwerin unterwegs, um auf das Crowdfunding im Internet auf der Internetplattform startnext aufmerksam zu machen. Quelle: Annett Meinke

Eine Dame aus der Schweiz, die irgendwie von dem Projekt der jungen Bauern aus Nordwestmecklenburg gehört hatte, meldete sich sogar persönlich am Telefon und fragte, wie genau sie denn das mit der Internetplattform machen soll, sie würde gerne 1000 Euro spenden. „Da haben wir uns natürlich ganz besonders gefreut.“, so Walzer.

Gut für die regionale Vielfalt und die Umwelt

Den drei Nachwuchsbauern, die an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde studiert haben, geht es einerseits darum, dem Trend, der auch in Mecklenburg-Vorpommern zu beobachten ist – dass Großkonzerne immer mehr Ackerflächen aufkaufen und weite Teile des Landes dominieren –, entgegenzusteuern: „weil es schlecht für die Umwelt und die Vielfalt ist“, wie sie sagen. Zum anderen nehmen sie das Wort „solidarisch“ ganz ernst.

Drei Freunde in Boienhagen, die auf ihrem Kichen-Pachthof im Sommer 2018 das Pilotprojekt Solidarische Landwirtschaft zum ersten Mal ausprobiert haben - erfolgreich - trotz der Hitze - weil - Gemüsevielfalt. Hier bei den Möhren, Anfang September 2018. Lennard Berger (v.l.) Johannes Walzer, Laura Koch. Quelle: Annett Meinke

Die Abnehmer ihrer Produkte aus der Region zahlen pro Monat eine bestimmte Summe – in diesem Jahr zwischen 50 und 75 Euro – und erhalten wöchentlich einen Anteil der Ernte. „Wir sind alle als Gemeinschaft zwar abhängig von den Erträgen“, erklärt Johannes Walzer, „also von der Natur, aber nicht von den Weltmarktpreisen. Wir sind, anders als die ’big player’ in der Landwirtschaft, in der Lage bei auftretenden Wetterphänomenen flexibel zu reagieren, uns zum Beispiel kurzfristig für den Anbau anderer Gemüsesorten zu entscheiden. Wir bauen in der Region für die Region an.“

Mitmachen ist einfach

Die Crowdfunding-Kampagne der Jungbauern aus Boienhagen ist am 29. Oktober gestartet – und läuft insgesamt 45 Tage. 17 000 Euro müssen zusammenkommen, sonst fließt das Geld nicht von den Spendern in das Projekt.

Wer mitmachen will, kann sich Informationen auf Facebook holen: www.facebook.de/lebendigerlandbau oder auf der Webseite der Jungbauern: www.lebendiger-landbau.de oder geht direkt auf die startnext-Plattform: www.startnext.de/lebendigerlandbau

Kontakt für Rückfragen zum Crowdfunding-Projekt unter:

Lebender Landbau, Johannes Walzer, Testorfer Straße 17, 23936 Upahl (Ortsteil Boienhagen) oder per E-Mail an: info@lebendiger-landbau.de

Es besteht zudem die Möglichkeit, sich als Abonnement für zur Abnahme der Erzeugnisse des Hofes in Boienhagen für das kommende Jahr zu melden. Für einen Beitrag bis zu 75 Euro pro Monat wird wöchentlich Obst und Gemüse der Saison auch zu verschiedenen Anlaufstellen, unter anderem auch in Schwerin, geliefert. Oder man fährt selbst zum Hof der Nachwuchslandwirte in Boienhagen und holt es sich ab.

Nach der Testphase mit 15 Abonnenten in 2018, sind für 2019 insgesamt 50 Abonnenten angepeilt.

Annett Meinke

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