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Nordwestmecklenburg Kirche informiert über Schicksale nach dem Krieg
Lokales Nordwestmecklenburg Kirche informiert über Schicksale nach dem Krieg
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14:46 04.07.2019
Gemeindemitglied Manfred Absalon und Pastorin Pirina Kittel haben in Klütz die Ausstellung "Geflüchtet, vertrieben, entwurzelt" aufgebaut. Quelle: Malte Behnk
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Klütz

 Wie war es für die Menschen, die zwischen 1937 und 1947 aus Ostpreußen, Pommern oder Schlesien vertrieben wurden und in Richtung Westen flohen? Die Klützer Pastorin Pirina Kittel hat sich schon in ihrer ersten Pastorenstelle mit dem Thema befasst und einige Interviews mit Zeitzeugen in einem Manuskript zusammengetragen. Es ist zwar nicht veröffentlicht, wurde aber als eine Quelle für die Ausstellung „Geflüchtet, vertrieben, entwurzelt“ der Stiftung Mecklenburg genutzt.

Die Ausstellung in der Klützer Kirche wird heute, 5. Juli, um 18 Uhr eröffnet und ist dann bis 13. September zu sehen. „Das ist das Sommerprogramm unserer Kirche, die täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet ist, um Besuchern etwas mehr zum Anschauen zu bieten“, sagt Pirina Kittel. „Ich bin aber auch gespannt, wie viele Einheimische sich interessieren. Schließlich war das Thema auch hier aktuell.“

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Ausstellung zu Flucht und Vertreibung

Die Ausstellung „Geflüchtet, vertrieben, entwurzelt“ von der Stiftung Mecklenburg ist in der Klützer Marienkirche vom 4. Juli bis zum 13. September zu sehen.

Die Kirche ist täglich in der Kernzeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung kann kostenlos besichtigt werden.

Die Stiftung Mecklenburg hat die Ausstellung in diesem Jahr bereits im Schleswig-Holstein-Haus in Schwerin gezeigt.

„Ich habe meine erste Pastorenstelle in Ost-Mecklenburg angetreten und dort lebten viele Ostpreußen“, sagt Kittel. „Da bin ich das erste Mal mit dem Thema Flucht und Vertreibung in dieser Form konfrontiert worden.“ So unterhielt sich die Pastorin mit den Menschen über ihre Erlebnisse während der Flucht oder bei ihrer Ankunft. „Da gab es die Frau aus Ostpreußen, die mit vier oder fünf Kindern im Zug ankam. Sie hatten einen höheren Bildungsstand als viele der Mecklenburger und wurden dann aber teilweise negativ empfangen und als Polacken bezeichnet“, berichtet Pirina Kittel aus ihren Gesprächen.

Die Ausstellung der Stiftung Mecklenburg beschäftigt sich hauptsächlich mit den Kindern, die die Flucht miterlebten. „Mein Vater zum Beispiel war sieben Jahre alt und hat selber die Tiefflieger miterlebt. Das hat er nie vergessen“, sagt Kittel. So gibt die Ausstellung Einblicke in Zeiten voller Hunger und Angst, aber auch in die Nachkriegszeit, in der sich die Kinder nach ihrer Flucht in fremder Umgebung zurechtfinden mussten.

Auch in Nordwestmecklenburg kamen in den letzten Kriegsjahren und danach viele Vertriebene und Flüchtlinge an. In vielen Dörfern verdoppelte sich die Einwohnerzahl. Bei Grevesmühlen gab es ein großes Vertriebenenlager in Questin und viele Gutshäuser in der Region wurden als Unterkünfte für die vielen Menschen genutzt. Daher hofft Pirina Kittel auf weitere Gespräche mit Menschen, die diese Zeit erlebt haben.

„Wir werden auf jeden Fall ein Gästebuch zur Ausstellung auslegen, falls Besucher etwas hinterlassen wollen“, sagt die Pastorin. „Vielleicht lässt sich hier auch ein Projektor aufstellen und wir können ein paar der Geschichten veröffentlichen.“ Schon während sie die 16 Tafeln der Ausstellung aufbaute, kam Pirina Kittel mit Kirchenbesuchern ins Gespräch. „Sie fanden es sehr wichtig, dass das Thema angesprochen und öffentlich gemacht wird“, sagt sie. „Das Unterthema, was aus den Kindern der Vertriebenen und Geflüchteten geworden ist, interessiert viele“, sagt die Pastorin.

Brit Bellmann, die die Ausstellung konzeptioniert hat, hat gegenüber Pirina Kittel erklärt: „Wenn Flüchtlinge irgendwo ankommen, geht es nicht um Religion oder Sprache. Den Menschen, bei denen sie ankommen, geht es darum, ob ihre eigene Wohnung, ihr Lebensalltag oder ihr eigener Wohlstand betroffen wären.“ Das treffe auch auf Flüchtlingsbewegungen heutzutage zu. „Mit diesem Blick erklärt sich auch, warum viele Menschen auch heute Sorgen und Ängste haben“, sagt Pirina Kittel.

Sie wird am 4. Juli um 18 Uhr die Ausstellung offiziell in der Klützer Marienkirche eröffnen. Besucher, die sie in der weiteren Ausstellungszeit in der Kirche antreffen, können die Pastorin gerne auf die Ausstellung ansprechen. „Ich kann viel davon erzählen, was mir Zeitzeugen bisher berichtet haben“, sagt sie.

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Malte Behnk

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