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Nordwestmecklenburg Die spannende Geschichte des Klützer Heimat- und Schützenvereins
Lokales Nordwestmecklenburg Die spannende Geschichte des Klützer Heimat- und Schützenvereins
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10:20 09.03.2019
Carsten Schmoldt und Hannes Palm (Foto) haben die Geschichte des Klützer Heimat- und Schützenvereins zusammengetragen. Quelle: Michael Prochnow
Klütz

So spannend und unterhaltsam kann Geschichte sein. Carsten Schmoldt und Hannes Palm haben im restlos besetzten Literaturhaus einen wichtigen Teil der Klützer Vergangenheit wieder lebendig werden lassen. Nämlich die Geschichte des 1854 erstmals erwähnten Heimat- und Schützenvereins der Stadt. Der Klützer Schützenverein blickt zwar auf eine deutlich längere Geschichte zurück, aber in Verbindung mit dem Heimatgedanken beginnen die Aufzeichnungen Mitte des 19. Jahrhunderts. „Insofern sind wir als Heimatverein auch schon deutlich älter“, erklärte Carsten Schmoldt, Mitglied r des Heimatvereins Klützer Winkel, der Mitte der 1990-er Jahre seine Arbeit aufnahm.

Einige der Fundstücke, die der Heimatverein im Rahmen der Vorträge zeigt. Quelle: Michael Prochnow

Zusammen mit Hannes Palm und weiteren Vereinsmitgliedern hatte er sich vor geraumer Zeit auf die Spuren des ehemals größten Vereins der Schlossstadt gemacht. Und dabei unglaubliche Ergebnisse zutage gefördert, die sie jetzt auf dem ersten Vortrag im Literaturhaus präsentierten. Die Resonanz auf die Vortragsankündigung war so groß, dass der Verein sogar eine Warteliste anlegen musste. Die 70 Männer und Frauen, die schließlich zum Auftakt der Vortragsreihe dabei waren, kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus angesichts der vielen Geschichten und Anekdoten aus der Zeit des Vereins, der 1939 aus bis heute nicht geklärten Gründen aus der Öffentlichkeit verschwand. Denn offiziell verboten wurden die Schützenvereine erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945.

Ein Foto zeigt die Schützen vor dem Gebäude im Tiergarten. Quelle: Michael Prochnow

Verschwunden ist ebenso das Schützenhaus, das sich im Tiergarten befand, einem kleinen Waldstück südöstlich von Hofzumfelde in Richtung Nedderhagen. Dort errichte der Heimat- und Schützenverein 1904 ein beachtliches Bauwerk. Das Schützenhaus war, so haben es Schmoldt und Palm errechnet, knapp 24 Meter lang, 8,45 Meter hoch und fast zwölf Meter tief. Auf historischen Fotos ist das beeindruckende Fachwerkhaus gut zu erkennen. Zu Beginn des 20. Jahrhundertes verkaufte der Verein Aktien zu jeweils zehn Mark um die Baukosten, die zwischen 5000 und 9000 Mark gelegen haben sollen, zu finanzieren. „1921 wurde das Haus verkauft, bis 1924 haben die Schützen es noch genutzt, dann zogen sie um auf den Schützenplatz an der Boltenhagener Straße, das ist das Gelände hinter dem heutigen Lidl“, so Carsten Schmoldt.

Warum sie das Gebäude veräußerten, weshalb das dreitägige Schützen- und Heimatfest plötzlich nicht mehr im Tiergarten stattfand, und was mit dem Haus am Ende dort passierte, diese und viele andere Fragen sind derzeit noch offen.

Warum heißt der Tiergarten eigentlich Tiergarten?

Das Klütz Schützen- und Heimatfest im Tiergarten war ein dreitgägiges Volksfest, das am Donnerstagabend begann und am Sonntag endete. Der Tiergarten mit dem Schützenhaus war Anfang der 20. Jahrhunderts der Austragungsort. Bei dem Waldstück handelt es sich nach Aussage von Carsten Schmoldt um ein Wildgehege, das ehemals von den Grafen von Bohtmer angelegt worden war, um Damwild für die Jagd zu halten. Daher der Name Tiergarten.

Carsten Schmoldt und Hannes Palm haben die Geschichte des Klützer Heimat- und Schützenvereins zusammengetragen. Quelle: Michael Prochnow

„Was wir definitiv wissen“, so Schmoldt, „ist, dass das Haus nicht abgebrannt ist. Es wurde abgetragen.“ Davon zeugen die vielen Funde, die Mitglieder des Heimatvereins entdeckt, markiert und ausgewertet haben. Carsten Schmoldt, seit vielen Jahren leidenschaftlicher Hobbyarchäologe, besitzt nicht nur einen Metalldetektor, sondern auch die nötige Erfahrung. „Für uns war das immer nur ein Piepen, Carsten wusste sofort, auch das ist nur ein Stück Eisen, hier kann man buddeln, hier nicht“, so Hannes Palm. Was die Mitglieder am Ende zutage förderten, zeigten sie jetzt im Literaturhaus erstmals der Öffentlichkeit. Zwei Gewehre sind darunter, Kugeln, Unmengen an Münzen (Schmoldt: „Wir Klützer hatten schon immer soviel Geld, dass es uns schon damals aus den Taschen gefallen ist“), Geschirr und sogar eine vergoldete Brosche. „Die haben wir in einem Schneebeerenstrauch gefunden. Man kann sich mit etwas Fantasie ausrechnen, warum die Dame ausgerechnet in einem Strauch ihre Brosche verloren hat“, so Carsten Schmoldt, der in Kooperation mit Hannes Palm auf äußerst unterhaltsame Weise nicht nur jede Menge Daten und Fakten erläuterte, sondern vor allem Geschichte und Geschichten „von unseren Klützer Vorfahren“ dokumentierte.

Die Königskette im Vordergrund und der 1924 gestiftete Orden für den Vizekönig. Quelle: Michael Prochnow

Wie groß inzwischen die Wertschätzung der Klützer für die Arbeit der Heimatforscher ist, zeigen die Ausstellungsstücke, die sie im Literaturhaus neben ihren Fundstücken präsentieren konnten. So wurde nach 80 Jahren nicht nur der Orden für den Vizekönig der Öffentlichkeit gezeigt, auch die verschollen geglaubte Königskette wurde vom Besitzer des wertvollen Zeugnisses für die Vorträge zur Verfügung gestellt. „Auch wenn wir die Namen der Spender nicht nennen dürfen, aber für uns bedeutet es sehr viel, dass wir diese Stücke wenigstens zeitweise zeigen können“, so Hannes Palm. Auch ein Paar Silberlöffel, die sich noch im Besitz einer Klützer Familie befinden, sind bei den Vorträgen zu sehen. Sie wurden im Rahmen des Schützen- und Heimatfestes an die Teilnehmer verliehen beziehungsweise vergeben. „Wir fragen uns allerdings, wie diese Löffel, die aus Silber bestehen, vergeben wurden. Dazu fehlen es noch die Informationen.“ Auch deshalb suchen die Mitglieder des Heimatvereins weiter nach Informationen über den Verein. Vieles ist verschollen, darunter auch die Protokolle und Unterlagen, die Schützenfahne ist ebenfalls nicht mehr auffindbar. Unterstützung erhielten die Klützer bei ihren Recherchen von vielen Klützer Familie und dem Grevesmühlener Ortschronisten Eckart Redersborg, der im Rahmen seiner jahrzehntelangen Arbeit auch Teile der Klützer Geschichte zusammengetragen hat.

Carsten Schmoldt mit einem Foto des ehemaligen Schützenhauses im Tiergarten. Quelle: Michael Prochnow

Dass der Heimatverein Klützer Winkel auch selbst über den Tellerrand schaut, das wird deutlich angesichts des Zieles, das sich Carsten Schmoldt und seine Mitstreiter gestellt haben. Die Spenden der Vortragsbesucher sollen für das Archäologische Landesmuseum – das es seit Anfang der 1990-er Jahre in MV praktisch nicht mehr gibt – gehen. „Zusammen mit dem Heimatverein Grevesmühlen machen wir uns stark, dass unser Land wieder ein Museum bekommt, in dem die vielen wertvollen Fundstücke der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden“, so Carsten Schmoldt.

Michael Prochnow

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