Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Nordwestmecklenburg Künstlerhaus Schloss Plüschow: Das sind die Stipendiatinnen 2021
Lokales Nordwestmecklenburg

Künstlerhaus Schloss Plüschow: die Kunststipendiatinnen 2021

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:59 01.11.2021
Die diesjährigen Kunststipendiatinnen auf Schloss Plüschow (v.l.): Karina Kueffner (Deutschland), Sasha Koura (Großbritannien/Irland), Javkhlan Ariunbold (Mongolei), Lucrezia Zanardi (Italien) und Taeeun Kim (Südkorea).
Die diesjährigen Kunststipendiatinnen auf Schloss Plüschow (v.l.): Karina Kueffner (Deutschland), Sasha Koura (Großbritannien/Irland), Javkhlan Ariunbold (Mongolei), Lucrezia Zanardi (Italien) und Taeeun Kim (Südkorea). Quelle: UDO RATHKE
Anzeige
Plüschow

Ortstermin mit den jungen Künstlerinnen, die Anfang Oktober die Ateliers im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow bezogen haben. Genau wie ihre Vorgänger und Vorgängerinnen, die in den vergangenen Jahren um dieselbe Zeit mit einem Arbeitsstipendium auf dem Schloss weilten, werden sie bis Ende Dezember bleiben, um an ihren eigenen Kunstprojekten zu arbeiten.

Sie sind fünf, ausgewählt unter 144 Bewerbungen. Sie kommen aus fünf verschiedenen Ländern, leben jedoch zurzeit alle in Deutschland und sprechen auch Deutsch untereinander in Plüschow. Gemeinschaft, sagt Sasha Koura, die aus Großbritannien stammt, sei schnell unter ihnen gewachsen. Manchmal treffen sie sich im Schloss, außerhalb der Ateliers, in denen sie leben und arbeiten, manchmal kochen sie gemeinsam, tauschen sich zu ihren Projekten aus.

Untereinander wird Deutsch gesprochen

Koura erzählt, dass sie das Glück hat, zwei Pässe zu besitzen. Der Brexit hat sie also nicht aus Deutschland vertrieben. Ihre Mutter stammt aus Irland. Seit ein paar Jahren lebt die Künstlerin in Mainz. Karina Kueffner, eine ihrer Mitstipendiatinnen, mit der sie sich gern austauscht, ist in Nürnberg geboren. Sie lebt noch heute überwiegend dort. Javkhlan Ariunbold kommt ursprünglich aus der Mongolei. Lucrezia Zanardi stammt aus Bologna in Italien und Taeeun Kim wurde in Südkorea geboren.

Bildergalerie von den Arbeiten der Stipendiatinnen auf Schloss Plüschow

Arbeiten Kunststipendiatinnen 2021

Es ist der Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeit und Vergänglichkeit erzählt Koura in ihrem Atelier, dessen Fenster nach vorn auf den Schlossplatz zeigen, der sie unter anderem beschäftigt. Manchmal legt sie im Gespräch eine Pause ein, sucht nach dem passenden deutschen Wort, um zu sagen, was sie ausdrücken möchte. Sie lehnt das wiederholte Angebot, ins Englische zu wechseln konsequent ab. „Nein. Das geht nicht. Wenn ich mich auf Deutsch unterhalte, kann ich nicht in Englisch denken.“

Licht auf Erden

Nachhaltigkeit empfindet Koura innerhalb ihrer Kunst vordergründig nicht als gesellschaftspolitische Kategorie, auch wenn das, was in der Gesellschaft vorgeht, wie sie sagt, jeden Künstler und jede Künstlerin unweigerlich betrifft. Doch sich davon den Ausdruck, die Kunst oder das Empfinden diktieren lassen, sich sozusagen per Verordnung zu einer politischen Akteurin machen zu lassen, sei nicht ihr Ding.

Sie bewegt eher, was das Altpapier, mit dem sie arbeitet, das sie aus dem Kreislauf entnommen hat, wie sie sagt, wie zum Beispiel alte Bücher, letztlich bedeutet. „Eigentlich stelle ich damit keine fertigen Kunstprodukte her. Die man einfach kaufen und sich an die Wand hängen kann. Insofern ist die Frage, wie nachhaltig meine Kunst tatsächlich ist.“

Dabei wären die drei Leisten aus Holz, die sie an der Wand befestigt hat, auf denen Buchseiten stehen, durchaus etwas, das sich als dauerhafte und sich dennoch ständig verändernde Installation vorstellen lässt. Es gibt viele Menschen, die Bilder und Fotografien an bestimmten Stellen innerhalb ihrer Wohnräume immer wieder unterschiedlich anordnen.

Ein alter Buchrücken liegt auf Kouras Schreibtisch, gemeinsam mit vielen anderen Dingen. Auf dem Buchrücken steht „Licht auf Erden“. Was sie mit den Dingen tut, die sie aus den Verwertungskreisläufen entnimmt, sagt sie, weiß sie manchmal lange nicht. „Ich habe kein fertiges Konzept und gehe dann los und suche mir die Dinge zusammen. Meist weiß ich irgendwann, was ich damit machen will. Es sind die Dinge selbst, die es mir sagen.“

Muster und die Ordnungen der Welt

Für Karina Kueffner ist es der zweite Arbeitsaufenthalt im Plüschower Schloss. Sie hat bereits 2016 im Rahmen des Austauschprogramms des Schlosses mit dem Künstlerhaus Schwandorf aus der Oberpfalz in einem der Ateliers in Plüschow gearbeitet.

Kueffner interessiert sich insbesondere für Strukturen und Muster. Sie hat zuerst Textildesign und später Malerei an der Akademie der Künste in Nürnberg studierte. Derzeit arbeitet sie unter anderem an einem Katalog all der Muster, mit denen sie bereits einmal gearbeitet hat. „Muster haben etwas mit Ordnung zu tun“, sagt sie. Bei Betrachtung der filigran wirkenden Muster, die an den Wänden ihres Ateliers hängen, fällt die Unterschiedlichkeit und Ähnlichkeit zugleich auf. Der Gedanke an das Individuelle, das nur aufgrund von zum Beispiel für alle gleich geltende physikalische Bedingungen existiert, schwebt im Raum.

Digitaler Salon anstatt Tag der offenen Tür

Wer Koura und Kueffner und auch die anderen Künstlerinnen, die derzeit in Plüschow leben und arbeiten, kennenlernen will und sich mit ihnen unterhalten möchte, muss auch in diesem Jahr auf analogen Kontakt verzichten. Möglich ist stattdessen, gemeinsam mit ihnen den digitalen Raum zu betreten. Aufgrund der derzeit steigenden Infektionszahlen werden auf dem Schloss nach wie vor Vorsichtsmaßnahmen eingehalten.

Digitaler Tag der offenen Tür

Der Tag der offenen Tür auf Schloss Plüschow im November findet als digitaler Extra-Kunstsalon statt: am 20. November ab 19 Uhr. Zuvor werden filmische Porträts der fünf diesjährigen Kunststipendiatinnen auf der Webseite des Schlosses veröffentlicht.

Die Anmeldung zu diesem Extra-Kunstsalon erfolgt per mail an: mail@plueschow.de – die Zugangsdaten werden per Mail vom Künstlerhaus übermittelt.

Wer teilnehmen will, muss mit der Aufzeichnung des Salons einverstanden sein. Die digitale Veranstaltung wird im Anschluss auf der Webseite des Schlosses veröffentlicht.

Der Tag der offenen Tür findet als digitaler Extra-Kunstsalon am 20. November statt, zu dem man sich vorher anmelden muss, um den Zugangscode zu erhalten. Zuvor werden filmische Porträts der fünf Künstlerinnen auf der Webseite des Schlosses veröffentlicht.

Etty Hillesum und Ölarbeiten auf Holz

Kunstinteressierte haben also zumindest digital die Gelegenheit, Koura und Kueffner, ebenso Lucreza Zanardi, die an einem komplexen Kunstprojekt arbeitet, in dem das Leben und Schaffen der niederländischen Intellektuellen Etty Hillesum und der Schriftstellerin Edith Stein eine Rolle spielt – oder Javkhlan Ariunbold, die ihrer Sehnsucht nach Natur in ihren Ölarbeiten auf Holz Ausdruck verleiht– sowie Taeeun Kim, die an Zeichnungen und Skulpturen in Plüschow arbeitet, kennenzulernen und sich mit ihnen zu unterhalten.

Von Annett Meinke