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Nordwestmecklenburg Lehrer aus Leidenschaft: 92-jähriger Klützer trifft noch heute seine Achtklässler von 1953
Lokales Nordwestmecklenburg Lehrer aus Leidenschaft: 92-jähriger Klützer trifft noch heute seine Achtklässler von 1953
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09:29 01.11.2019
Mit einem selbstgebauten Fahrrad fuhr Manfred Prillwitz zwischen Boltenhagen und Klütz hin und her. Quelle: Malte Behnk
Klütz

Den 2. November 1949 wird Manfred Prillwitz (92) nie vergessen. „Es war mein erster Unterrichtstag als junger Lehrer an der damaligen Zentralschule Boltenhagen.“

In den Klassen 8a und 8b unterrichtete der damals 22-jährige Lehrer unter anderem Russisch. Zu seinen ersten Schülern zählte damals Heinz-Dieter Schultz, der später Bürgermeister des Ostseebads war.

Junger Lehrer fiel auf

Aus dieser Anfangszeit ist Manfred Prillwitz eine Begebenheit gut in Erinnerung. Einer der Schüler kam von der Schule nach Hause und sagte zu seiner Mutter: „Wir haben jetzt einen neuen Lehrer. Der kann erst 18 Jahre alt sein.“ Nur knapp hatte sich der Schüler verschätzt. Im Kollegium der älteren Lehrer war Manfred Prillwitz damals eine Besonderheit.

Aushelfen in Klütz

Seine Jugend machte ihn dann auch zum Lückenfüller. In der benachbarten Schule in Klütz fiel eine ältere Kollegin wegen Krankheit öfter und für längere Zeit aus. So erhielt Manfred Prillwitz den Auftrag, an zwei Tagen in der Woche in Klütz zu unterrichten. Mittwochs und sonnabends musste er dann von Boltenhagen nach Klütz.

Fahrrad selbst gebaut

Manfred Prillwitz hatte vor 70 Jahren seine erste Unterrichtsstunde. Quelle: Malte Behnk

„Doch es gab damals noch keinen geregelten Busverkehr“, sagt Manfred Prillwitz. „Da fuhr nur ein kleine Lastwagen, auf den man aufsteigen konnte.“ Mithilfe eines Schlossers in Boltenhagen und verschiedenen Teilen, die aus Westdeutschland geschickt wurden, baute sich der junge Lehrer ein Fahrrad zusammen. Damit brachte er dann regelmäßig die Strecke zwischen Boltenhagen und Klütz hinter sich. „Das Rad hat mir einige Jahre gute Dienste geleistet“, sagt Prillwitz.

Weltspiele der Jugend

Seine erste Unterrichtsstunde in Klütz erteilte er dann noch in der alten Schule an der Boltenhagener Straße am 6. September 1950 in den Klassen 8a und 8b. Bis Anfang Juni 1951 unterrichtete er so an zwei Schulen. „Dann musste ich zu einem Lehrgang für die dritten Weltspiele der Jugend und Studenten in Berlin“, erinnert er sich.

Im August war Manfred Prillwitz als Betreuer und Dolmetscher der sowjetischen Boxstaffel eingesetzt. Die Sportler, die 1952 auch an den Olympischen Spielen in Helsinki teilnahmen, fotografierte Prillwitz noch vor dem Brandenburger Tor. „Sechs von ihnen haben bei Olympia Silber- und Bronzemedaillen gewonnen“, sagt der frühere Lehrer.

Manfred Prillwitz betreute 1951 sowjetische Boxer in Berlin und fotografierte sie vor dem Brandenburger Tor. Quelle: Manfred Prillwitz

Schulrat ordnet Umzug an

Die Aufgabe als Dolmetscher war für ihn sehr interessant, aber auch anstrengend. „Vor allem, wenn ich vom Russischen ins Englische übersetzen musste. Ich konnte ja hauptsächlich Schulenglisch“, sagt der Klützer. Als er aus Berlin zurückkam, fand er zu Hause einen Brief des Schulrates vor. Der teilte Manfred Prillwitz seine Versetzung nach Klütz mit. „Der Umzug an den neuen Dienstort wird angeordnet“, war der Abschlusssatz.

Also machte er sich auf die Suche nach einer Unterkunft. „Ich wohnte dann zusammen mit Harry Lemke und Karl-Heinz Tuttas bei Frieda Steffen in der Rudolf-Breitscheid-Straße in Klütz. Sie war alleine und vermietete uns jungen Lehrern die Zimmer.“ In den folgenden Jahren wohnte Prillwitz dann auch in Grundshagen und in der Lübecker Straße in Klütz.

Erste Mieter im „Lehrerhaus“

„Vor genau 60 Jahren bin ich 1959 mit meiner inzwischen gegründeten Familie in das damals neu erbaute sogenannte ,Lehrerhaus’ an der Straße des Friedens eingezogen“, sagt er über das Haus, in dem er bis heute mit seiner Frau Ruth in derselben Wohnung lebt. „Die Miete betrug damals pro Monat 40 Mark“, sagt Prillwitz. Dafür mussten die Mieter aber auch selber mitarbeiten. „Für die Zuweisung der Wohnungen musste jede Familie beim Bau 50 Stunden ableisten.“ Von den ersten Bewohnern leben heute nur noch Manfred und Ruth Prillwitz, die inzwischen 66 Jahre verheiratet sind, in dem Gebäude.

Wiedersehen mit Ehemaligen

In Klütz trifft Manfred Prillwitz heute noch regelmäßig ehemalige Schüler, von denen die meisten auch schon im Rentenalter sind. Engen Kontakt pflegt er mit den Achtklässlern aus dem Schuljahr 1953/54. Sie laden ihn regelmäßig zu Klassentreffen ein. „Zu meinem 90. Geburtstag haben sie eine liebevoll vorbereitete Kaffeetafel im Hofcafé in Steinbeck organisiert. Das jüngste Klassentreffen fand jetzt im September in der Klützer Mühle statt“, sagt der 92-Jährige über seine ehemaligen Schüler, die heute auch zwischen 79 und 81 Jahre alt sind.

Kontakt zum früheren Lehrer halten viele Ehemalige auch aus der Ferne. Die weiteste Anreise zu den Klassentreffen hat Wolfgang Machmüller, der 540 Kilometer entfernt im Vogtland lebt. Manfred Prillwitz bekommt aber auch Weihnachtspost oder Anrufe aus Südafrika. „Einer meiner Schüler aus Klütz wurde Chef-Maskenbildner an der Oper in Sydney“, berichtet der 92-Jährige von internationalen Kontakten.

Von November 1949 bis Oktober 1990 war er insgesamt 41 Jahre als Lehrer tätig – und von 1958 bis 1964 Direktor der POS (Polytechnische Oberschule) Klütz. In den Jahren begleitete er auch den Neubau der Schule an der Straße des Friedens. Angeblich könne man deshalb in der Stadt gelegentlich hören: „Manfred Prillwitz hat sich mit dem Schulneubau in Klütz ein Denkmal gesetzt, wie später Dieter Fischer als Bürgermeister mit der Sporthalle.“

Manfred Prillwitz hatte vor 70 Jahren seine erste Unterrichtsstunde Quelle: Malte Behnk

Von Malte Behnk

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