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Nordwestmecklenburg Lehrer hat Tage der Schneekatastrophe dokumentiert
Lokales Nordwestmecklenburg Lehrer hat Tage der Schneekatastrophe dokumentiert
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15:20 19.02.2019
Manfred Prillwitz hat die Schneekatastrophe von 1978 und 1979 miterlebt und am 15. Februar 1979 Dias fotografiert. Quelle: MANFRED PRILLWITZ
Klütz

Der viele Schnee im Winter 1978 und 1979 ist vielen in Erinnerung. Die Kinder haben die weiße Pracht genossen, während die Erwachsenen oft vergebliche versuchen mussten, trotz der Schneemassen voran zu kommen.

 

Zumindest einen kurzen Weg zur Arbeit hatte damals Manfred Prillwitz. Der 91-Jährige lebte wie noch heute in Klütz in der Straße des Friedens, einen Katzensprung von der Schule entfernt, in der er unterrichtete. „Ich war 51, als ich am 15. Februar 1979 Dias fotografiert habe. Da waren hohe Berge vor den Wohnblöcken und es wurden Gräben von den Eingängen zur Straße geschaufelt“, beschreibt er die Situation vor 40 Jahren in Klütz. Mit seinem Fotoapparat und seinem Lehrertagebuch hat Manfred Prillwitz alles festgehalten.

Rotes Büchlein mit Notizen zum Schneefall

In dem kleinen roten Büchlein lässt sich die herannahende Schneekatastrophe gut nachvollziehen. Am 28. Dezember hatte Prillwitz noch „starker Regen“ notiert. Am 29. Dezember dann „Schneesturm, Verwehungen“, am 30. Dezember notierte er dann „-10 Grad, den ganzen Tag“. Die Kälte zog sich hin. Am Silvestertag hatte Manfred Prillwitz morgens um 7 Uhr schon 14 Grad unter dem Gefrierpunkt gemessen. „Um 23 Uhr gab es dann eine Stromsperre, kurz vor dem Jahreswechsel“, sagt der frühere Lehrer. Erst an Neujahr gegen 19.40 Uhr wurde der Strom wieder angestellt.

Manfred Prillwitz hat am 15. Februar 1979 Dias fotografiert. An der Wismarschen Straße waren Fußwege nicht passierbar. Quelle: MALTE BEHNK

Schüler mit Lautsprecherwagen informiert

Eigentlich hätte am 3. Februar die Schule wieder beginnen sollen, aber schon einen Tag zuvor war dort das Gas abgeschaltet worden. Außerdem hielten Frost und Schneeverwehungen an, sodass der Schulbeginn verschoben wurde. „Ich musste mir dann am 4. Februar einen Lautsprecherwagen von der Kurverwaltung in Boltenhagen holen un damit durch Klütz und die Ortsteile fahren“, berichtete Prillwitz. Bei minus 5 Grad fuhr er durch die Orte und sagte durch, dass die Schule in Klütz am nächsten Tag um 7.15 Uhr beginnen würde. „In der Klasse 5b waren 24 von 28 Schülern anwesend und in der 8a waren es auch 21 von 25 Schülern“, stellt Manfred Prillwitz im Tagebuch über seine damaligen Schüler fest.

Manfred Prillwitz hat am 15. Februar 1979 Dias fotografiert. Die Straße nach Dassow war dicht. Quelle: GVM

Doch der Winter machte nur eine kurze Pause. Schon am 13. Februar notierte Manfred Prillwitz „gegen Abend einsetzender Schneefall und Sturm“. Dass sich daraus wieder große Verwehungen entwickeln würden, ahnte der Lehrer da schon. Meterhoch hatte der Wind den Schnee am nächsten Tag aufgetürmt. Die Feier zur Jugendweihe fiel aus, alle Straßen in Klütz waren nicht mehr passierbar. Das Klützer Ortsschild an der heutigen Lübecker Straße ragte nur noch knapp aus dem Schnee hervor. „Die Fußwege konnten kaum geräumt werden und die Leute gingen eigentlich nur auf der Straße“, erinnert sich Manfred Prillwitz an den Tag, an dem er viele Fotos machte.

Manfred Prillwitz hat am 15. Februar 1979 Dias fotografiert. Einige Straßen in Klütz waren gesperrt. Quelle: MANFRED PRILLWITZ

Sogar ein Konvoi mit Lebensmitteln fuhr während dieses Winters nach Klütz. „Die Geschäfte wurden ja nicht beliefert und wir konnten gerade mal Milch bei der Molkerei holen“, sagt Prillwitz. Gegen 17 Uhr am 16. Februar kam die Lebensmittellieferung in der Stadt an. Ab dem nächsten Tag mussten Manfred Prillwitz und andere Lehrer regelmäßig in der Schule kontrollieren, dass keine Leitungen oder die Heizungsanlage durch den Frost beschädigt wurden.

Manfred Prillwitz hat am 15. Februar 1979 Dias fotografiert. Am Markt in Klütz waren Autos eingeschneit. Quelle: MANFRED PRILLWITZ

Erst am 19. Februar konnten auf den Klützer Straßen wieder Autos fahren, die Straße nach Wismar war aber noch nicht passierbar. Am 21. Februar musste Manfred Prillwitz dann an der Schule Schneeschippen. Dreieinhalb Stunden verbrachte er damit.

Heute, bei 8 bis 15 Grad zur selben Zeit im Jahr, blickt er selber neugierig auf die Seiten in seinem Lehrertagebuch, das in der DDR geführt werden musste. Aus den 41 Jahren als Lehrer in Klütz besitzt Manfred Prillwitz noch 26 Kalender, in denen viele kleine Details festgehalten sind.

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