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Nordwestmecklenburg Wie aus 27 Schülern bis heute 2000 geworden sind
Lokales Nordwestmecklenburg Wie aus 27 Schülern bis heute 2000 geworden sind
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09:12 21.02.2019
„Musiker sind und bleiben fit im Kopf! Manch einer kommt zwei, dreimal die Woche zum Unterricht: erst der Einzelunterricht, dann die verschiedenen Ensembles. Dazu die Auftritte am Wochenende! Für viele Erwachsene gehört das Musik machen zu einem erfüllten Leben.“ Hartwig Kessler, Leiter Kreismusikschule Carl Orff
„Musiker sind und bleiben fit im Kopf! Manch einer kommt zwei, dreimal die Woche zum Unterricht: erst der Einzelunterricht, dann die verschiedenen Ensembles. Dazu die Auftritte am Wochenende! Für viele Erwachsene gehört das Musik machen zu einem erfüllten Leben.“ Hartwig Kessler, Leiter Kreismusikschule Carl Orff Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-WIS
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Grevesmühlen

Am Sonnabend, 23. Februar, spielen die Musiker der Big Band der Kreismusikschule Carl Orff zusammen mit der NDR Big Band in der Mehrzweckhalle in Grevesmühlen. 19 Uhr beginnt das Konzert, das nicht nur aufgrund der Zusammensetzung etwas ganz besonderes ist. Wir haben mit dem Leiter der Kreismusikschule, Hartwig Kessler, über die Veranstaltung gesprochen und einen Blick auf die Anfänge geworfen.

OZ: Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn Sie an das Konzert in Grevesmühlen denken? Hartwig Kessler: Ich freue mich vor allem darüber, dass wir wieder einmal ein Highlight haben, auf das wir uns als Musikschule seit Monaten vorbereiten, wo wir viele Schüler und Lehrer integriert haben. Das ist für uns alle eine besondere Motivation.

Um ein Bild aus der Sportwelt zu bemühen, die Landesligist Nordwestmecklenburg spielt am Sonnabend zusammen mit einer Bundesligamannschaft aus Schwerin. Kann man das so sagen? Ja, so ist es. Das kann man so vergleichen. Die NDR Big Band ist ein Ensemble vom Feinsten. Wenn ich erlebe, wie unsere Schüler aufblicken zu diesen Musikern, dann freue ich mich darüber. Dazu kommt, das sind nicht nur sehr gute Musiker, sondern auch Musikpädagogen. Wir hatten im Vorfeld zwei Mitglieder des NDR hier, die mit uns geprobt haben. Das hat nicht nur Spaß gemacht, sondern uns auch sehr viel gebracht.

Was bedeutet diese Kooperation mit den „Profis“ des Norddeutschen Rundfunks für die Kreismusikschule? Wir haben schon früher mit solchen Bands zusammengespielt. Und dabei geht es auch darum, dass sich einige Schüler an den Vorbildern orientieren. Solche Aktionen sind wichtig, damit sich Schüler für ein Studium entscheiden. Viele Schüler unserer drei Big Bands haben durch solche Veranstaltungen den Weg zu einer Ausbildung gefunden.

Und später auch wieder zurück zur Kreismusikschule. Ja, auch das ist richtig. Einige sind später wieder zurück gekommen und unterrichten oder spielen heute mit uns. Auch das ist ein wichtiger Aspekt. Dadurch tragen sie wieder unwahrscheinlich viel Kultur in die Region.

Was bekommen die Besucher am Sonnabend zu hören und zu sehen? Erst einmal uns als Kreismusikschule, im Mittelpunkt steht die Tour der NDR Big Band, die im Land zusammen mit den verschiedenen Musikschulen spielt, um Jugendliche im ländlichen Bereich zu erreichen. Das wir gleichzeitig als Big Band unser 25-jähriges Jubiläum feiern, passt natürlich wunderbar zusammen.

Die Big Band ist ein Vierteljahrhundert alt, die Kreismusikschule allerdings ist noch ein wenig älter. Ja, sie ist 29 Jahre alt. Damals haben wir mit 27 Schülern begonnen, heute sind wir nach der Fusion mit der Wismarer Musikschule um die 2000. Und 1992 wurde das erste Blasorchester gegründet.

Damals bereits mit dem Leiter Hartwig Kessler, woran erinnern Sie sich, wenn Sie an den Anfang der Kreismusikschule denken? An dieses Gebäude hier in Grevesmühlen, ich kam an und die Schule wurde gerade saniert. Wir standen hier in den Räumen unter dem Dach, das waren ja vorher die Lehrerwohnungen. Für uns gab es zwei Räume mit einem Klavier, die Tapete hing von der Wand, ein richtiges Zuhause war das noch nicht. Wir haben uns dann mit dem damals zuständigen Fachdienstleiter zusammengesetzt, das war Hans-Joachim Schönfeldt, der sehr viel für uns erreicht und auf den Weg gebracht hat.

Wie ist die Musikschule ausgerechnet im Dachgeschoss des Gymnasiums am Tannenberg gelandet? Das Gebäude wurde damals saniert und erweitert, wir als Musikschule suchten eine Unterkunft, die Volkshochschule ebenfalls. Und dann stellte sich die Frage, warum die Schule, in die ja ein paar Millionen Mark flossen, um 14 Uhr abgeschlossen werden sollte anstatt sie nachmittags und abends zu nutzen. Und so sind wir hier geblieben. Damals haben Heidrun Bank und ich uns hingesetzt, eine Zeichnung gemacht, wie wir uns die Räume vorstellen. So kam es dann auch, und so ist es bis heute geblieben.

Welche Vorteile hat die Unterbringung in einer Schule? Der große Vorteil ist der direkte Kontakt zu den Schülern, sie können nach dem Ende des Unterrichts sofort in die Musikschule kommen. Das gibt es in den Außenstellen so nicht. Da können wir erst 15 oder 16 Uhr anfangen, weil die Schüler erst nach Hause müsen und sich dann auf den Weg zum Unterricht machen.

Warum muss es eigentlich eine Kreismusikschule geben? Dieser musikalische Bildungsauftrag, der kann nicht nur in den Hochburgen wie Hamburg, Berlin oder Leipzig umgesetzt werden. Das muss auch hier bei uns im ländlichen Bereich stattfinden. Ich sehe es immer wieder, dass Schüler, die aus den kleinen Dörfern kommen, den Weg zum Studium finden. Und das dank und durch unsere Kreismusikschule. Der reguläre Unterricht an den Schulen kann das nicht leisten. Dabei geht es nicht nur um künftige Berufsmusiker, eine fundierte musikalische Ausbildung ist auch für viele pädagogische Berufe notwendig, und diese Grundlagen gibt es bei uns.

Wann sollten Kinder beginnen, ein Instrument zu lernen? Das lässt sich so genau nicht sagen, einige können mit drei Jahren schon beginnen, andere erst später. Das Instrumentenkarussel ist auf jeden Fall ein guter Anfang, ein Jahr können die Kinder alles ausprobieren, was ihnen Spaß macht. Dann kommt, wenn das richtige Instrument gefunden wurde, die eigentliche Ausbildung.

Aber es kommen auch immer wieder ältere Menschen in die Kreismusikschule. Ja, das ist richtig. Das stellen wir seit einigen Jahren fest, plötzlich haben die Menschen wieder Zeit, erinnern sich an den Musikunterricht vor vielen Jahren und starten einen Neuanfang. Und nicht wenige davon spielen heute wieder in unseren Ensembles. So wie am Sonnabend in Grevesmühlen.

Michael Prochnow