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Nordwestmecklenburg Renault-Autohaus Freytag wechselt den Besitzer
Lokales Nordwestmecklenburg Renault-Autohaus Freytag wechselt den Besitzer
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09:59 20.02.2020
Sabine Freytag hat das Renault-Autohaus am Langen Steinschlag 11 in Grevesmühlen an die Lüdemann & Zankel AG aus Kaltenkirchen verkauft. Quelle: Dirk Hoffmann
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Grevesmühlen

Das Renault-Autohaus Freytag am Langen Steinschlag 11 in Grevesmühlen wechselt zum 1. März den Besitzer. Die bisherige Eigentümerin Sabine Freytag hat es an die Lüdemann & Zankel AG aus Kaltenkirchen verkauft. 

1993 war das Autohaus Freytag an diesem Standort eröffnet worden. Der Beginn der Firmengeschichte liegt sogar noch ein paar Jahre weiter zurück. Denn bereits im Februar 1989 hatten Otto und Sabine Freytag auf ihrem Grundstück in Rüting eine Werkstatt eingerichtet. „Wir wollten uns schon immer selbstständig machen“, blickt die gelernte Krankenschwester zurück. Doch so einfach war das zu DDR-Zeiten nicht. So durften die Freytags anfangs ausschließlich Modelle der Automarke Moskwitsch reparieren. Und das auch nur, weil die bis dahin bestehende Werkstatt an der Ecke Freytagstraße/Bahnhofstraße in Grevesmühlen nach dem Tod des Geschäftsführers schließen musste. Vor allem das Veterinäramt, wo die hauptverantwortlichen Mitarbeiter Moskwitsch fuhren, hatte dann ein Problem. Eine Lücke, die die Freytags mit ihrer Werkstatt nun schlossen.

Statt Moskwitsch wurden Renault repariert

Ohne Angestellte begann Otto Freytag, der zuvor Werkstattmeister in der LPG Rüting war, in seinem eigenen Betrieb. Unterstützung bekam er vor allem von seiner Frau Sabine, die damals noch in der Kinderkrippe des Ortes arbeitete und nach ihrem Feierabend in der Werkstatt mit anpackte. Lange dauerte es nicht, dann wurden in Rüting auch Trabbis repariert.

Die aufregendste Zeit begann für die Freytags nach dem Fall der Mauer. Nur wenige Monate nach der Grenzöffnung wurden sie 1990 Vertragshändler von Renault und verkauften die ersten Fahrzeuge noch in Rüting. Allerdings nicht sehr lange, denn Renault drängte darauf, dass die Freytags in Grevesmühlen ein Autohaus bauen sollten. Einen Kredit über eine Million D-Mark mussten sie dafür aufnehmen. Für die Freytags eine unvorstellbar hohe Summe, zumal sie ja nicht wussten, ob sie Erfolg haben oder sich am Ende hoch verschulden würden. Doch es blieb ihnen keine Wahl. „Hätten wir es nicht getan, dann wären andere gekommen“, so Sabine Freytag, die deswegen einige schlaflose Nächte hatte.

1993 wurde das Autohaus in Grevesmühlen eröffnet

Nach der Eröffnung 1993 nahm das Autohaus eine kontinuierliche Entwicklung und ein fester Stamm an Kunden wurde aufgebaut. Die Leistung und den Service wussten sie zu schätzen, wenn Reparaturen an ihrem Fahrzeug anstanden oder sie sich einen Neu- bzw. Gebrauchtwagen anschaffen wollten. Vor 16 Jahren geriet dann alles ins Wanken. Otto Freytag kam bei einem Verkehrsunfall auf tragische Weise ums Leben. Sabine Freytag wusste zunächst nicht, wie sie diesen Schicksalsschlag verkraften sollte und wie es weitergehen könnte. Andere hätten wahrscheinlich aufgehört und alles hingeschmissen. Die neue Chefin entschied sich für den anderen Weg und machte weiter.

Moskwitsch – das steckt hinter der Marke

Viertakttechnik aus dem Osten, das war die Marke Moskwitsch, übersetzt „der Moskauer“ aus der Sowjetunion. 1930 gegründet wurden in dem Werk in Moskau zunächst Autos auf der Grundlage des Fords Modell A gebaut, später entwickelte die Sowjetunion eigene Fahrzeuge. Wobei,

Mitte 1946 wurden die Fertigungsanlagen des Opel Kadett (Modell 1938) als Reparationsleistung von Rüsselsheim nach Moskau gebracht. Zuvor gab es bereits Versuche, den Opel Kadett zu kopieren. Das Moskauer Unternehmen MZMA wurde nun beauftragt, auf der Basis des Kadett ein Automobil zu bauen, das auf dem sowjetischen und internationalen Markt angeboten werden konnte. Im Jahr 1947 liefen die ersten Exemplare des Moskwitsch-400 vom Band. Der Export begann erst 1950 mit der Lieferung des Moskwitsch-400 nach Finnland. Später folgten die Modelle 406, 408 und letztlich des 412. Zwar wurden die Autos immer moderner, ihre technische Verwandschaft mit den Opelmodellen haben sie nie abgelegt, einige Ersatzteile passen bis heute.

Mit Schulden von rund 700 Millionen Euro wurde Moskwitsch im Frühjahr 2006 von einem russischen Gericht für insolvent erklärt. Bis dahin hatte der Hersteller mehr als vier Millionen Fahrzeuge produziert.

In den letzten Jahren reifte bei Sabine Freytag immer mehr der Entschluss, das Autohaus zu verkaufen. Denn die Zeit bis zum Rentenalter wurde für die heute 64-Jährige kürzer, ein Nachfolger aus der Familie fand sich nicht und auch die Suche nach Mitarbeitern wurde aufgrund des allgemeinem Mangels an Fachkräften immer schwieriger. Nicht selten musste sie in der Werkstatt sogar selbst mit aushelfen, wenn Reparaturen an Fahrzeugen anstanden.

„Vor drei Jahren hätte ich schon einmal verkaufen können“, blickt sie zurück. Doch es passte nicht. Denn Sabine Freytag wollte weder Kunden noch Mitarbeiter hängen lassen. Mit dem jetzigen Käufer ist das anders. Er übernimmt die Mitarbeiter, so dass sie hier ihren Arbeitsplatz behalten können. Somit haben auch die Kunden die Gewähr, dass sie nach wie vor von den Menschen betreut werden, die sie über viele Jahre hinweg kennen und denen sie vertrauen.

Neben Renault auch Dacia im Angebot

Die neuen Betreiber haben sich auf dem Unternehmertreffen im Grevesmühlener Rathaus Anfang Januar bereits kurz bei Bürgermeister Lars Prahler vorgestellt. Wie sie dabei betonten, wollen sie nicht nur den Service erweitern, sondern auch zusätzliches Personal einstellen. Neben Renault soll auch Dacia dann in Grevesmühlen verkauft werden. Das Potential für die Marke, so betonten die Betreiber, sei auf jeden Fall groß in Grevesmühlen.

Von Dirk Hoffmann

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