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Nordwestmecklenburg Nach Brandtragödie: Hilfsbereitschaft groß
Lokales Nordwestmecklenburg Nach Brandtragödie: Hilfsbereitschaft groß
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19:15 21.01.2019
In dem Haus in Klein Voigtshagen sind eine Mutter und ihr kleines Kind gestorben. Quelle: Malte Behnk
Klein Voigtshagen

 An anderen Tagen liegt eine beschauliche Ruhe über Klein Voigtshagen bei Dassow. An diesem Morgen ist die Stille gespenstisch. Wo bis zum Sonnabendmorgen noch ein Paar und ein kleines Kind lebten, sind jetzt verkohlte Balken, Löcher im Dach, leere Fensterhöhlen. Es ist Montag, Tag zwei nach der Brandtragödie, bei der eine 35-jährige Mutter und ihr knapp zwei Jahre alter Junge in einem Doppelhaus starben. Der 39-jährige Lebensgefährte der Verstorbenen liegt mit einer schweren Rauchgasvergiftung in der Lübecker Uniklinik. Die ersten wichtigen 48 Stunden hat er überstanden.

Viele Menschen wollen den Angehörigen und Hinterbliebenen helfen. Das bestätigt Annett Pahl (SPD), amtierende Bürgermeisterin der Stadt Dassow, zu der das 100-Einwohner-Dorf Klein Voigtshagen gehört. Sie sagt: „Die Hilfsbereitschaft ist sehr, sehr groß.“ In Gesprächen soll geklärt werden, welche konkrete Hilfe nun sinnvoll ist.

Zeichen der Trauer und Anteilnahme: Spielzeug und brennende Kerzen stehen vor dem Haus, in dem eine 35-Jährige und ihr Kind starben. Quelle: Jürgen Lenz

Körperlich wohlauf sind die Bewohner der zweiten Doppelhaushälfte, auf die das Feuer übergriff. „Die Nachbarn sind meines Wissens gut untergekommen bei Freunden“, erläutert Annett Pahl. Wie sie spricht, macht deutlich: Auch die amtierende Bürgermeisterin ist von der Tragödie in Klein Voigtshagen tief bewegt. Sie erklärt: „Der Schock sitzt überall tief. Der ganze Ort ist betroffen.“ Mit „der ganze Ort“ meint die amtierende Bürgermeisterin nicht nur Klein Voigtshagen. Sie spricht von der ganzen Stadt mit ihrem Hauptort Dassow und den 19 Dörfern. Viele Menschen hier kennen die Mutter und das Kind, die bei dem Feuer ums Leben kamen. Und viele sind bekannt mit dem Lebensgefährten, den Feuerwehrleute retten konnten.

Es war ein schwieriger Einsatz für die Rettungskräfte – und ein belastender, vor allem für diejenigen, die die Opfer kannten oder sogar mit ihnen befreundet waren. Ein solcher Einsatz sei schwer zu verkraften, berichten Brandschützer. Der Dassower Wehrführer Daniel Selzer bestätigt: „Es war ein sehr belastender Einsatz.“ Die Brandschützer waren rasch vor Ort, doch die Doppelhaushälfte brannte lichterloh. Die Feuerwehrleute konnten sie nicht betreten. Daniel Selzer bedauert: „Wir waren im ersten Moment chancenlos.“ Insgesamt 60 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Dassow, Harkensee, Kalkhorst, Roggenstorf, Selmsdorf und Schönberg waren im Einsatz. Ebenfalls vor Ort: ein Notfallseelsorger, Rettungssanitäter, Notärzte.

Spendensammlung nach Brandkatastrophe

„Wir können leider nichts mehr für die Verstorbenen tun. Aber die Bevölkerung kann ihre Anteilnahme am schweren Schicksal der Familien zeigen, in dem sie bei der Bewältigung der finanziellen Auswirkungen hilft und damit zumindest diese Last nicht zu groß werden lässt“, sagen die amtierende Dassower Bürgermeisterin Annett Pahl und Landrätin Kerstin Weiss, die ebenfalls in Dassow lebt zum tragischen Unglück in Klein Voigtshagen. Von einigen Bürgern angesprochen griffen die beiden die Idee auf, einen Spendenaufruf zu starten. Unterstützung auf der Suche nach einem gemeinnützigen Träger mit entsprechendem Spendenkonto bekamen sie sofort vom DRK-Kreisverband und dessen Geschäftsführer Ekkehard Giewald. „Das Leid der Familien ist so groß. Hier müssen wir zumindest das tun, was wir tun können“ sagt Ekkehard Giewald. Somit rufen die drei die Bevölkerung in Dassow und in der Region auf, auf folgendes Konto zu spenden:

Kontoinhaber: DRK-Kreisverband NWM e.V.

IBAN: DE46 1405 1000 1000 030357

SWIFT-BIC: NOLADE21WIS

Verwendungszweck: Wohnhausbrand

Am späten Sonnabend rückte die Dassower Feuerwehr erneut zu dem Hausbrand nach Klein Voigtshagen aus. Sie berichtet: „Im Dachbereich brannte Dämmmaterial sowie ein Glutnest im Dachbodenbereich.“ Die Brandschützer löschten die Schwelbrände. Danach kontrollierten sie noch einmal mit einer Wärmebildkamera, ob sich irgendwo Glutnester befinden.

Die Ursache für das Feuer ist vermutlich ein auf dem eingeschalteten Herd vergessener Topf. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit. Es gebe keine Anhaltspunkte für einen technischen Defekt, so dass die Brandermittler derzeit davon ausgehen würden, dass das Feuer in der Küche ausgebrochen sei.

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Jürgen Lenz