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Nordwestmecklenburg Nach Unfall: Entsetzen im Nordwestkreis
Lokales Nordwestmecklenburg Nach Unfall: Entsetzen im Nordwestkreis
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20:10 07.08.2015
Der Abzweig der B 105 nach Hamberge. Quelle: Fotos: Karl-Ernst Schmidt (2), Roxin
Neu Degtow

Trauer und Bestürzung in Nordwestmecklenburg. Erhard Bräunig, der frühere Landrat, ist gestern tödlich verunglückt. Auf der Bundesstraße 105 am Abzweig Hamberge wurde der Plüschower Bürgermeister auf seinem Fahrrad von einem VW Bus erfasst. Wie die Polizei mitteilte, war der VW gegen 8.20 Uhr aus Richtung Grevesmühlen gekommen und nach links in die Straße nach Hamberge eingebogen. Dabei hatte der 52 Jahre alte Fahrer offenbar den Radler übersehen, der aus Richtung Naschendorf kam. Der 69-jährige Familienvater verstarb an der Unfallstelle. Der genaue Hergang wird derzeit noch untersucht.

Die Nachricht sorgte gestern für blankes Entsetzen in Nordwestmecklenburg. Landrätin Kerstin Weiss (SPD), die viele Jahre mit Bräunig sowohl in Dassow als auch später in der Kreisverwaltung zusammenarbeitete, erklärte gestern: „Für mich war Erhard Bräunig ein ständiger Wegbegleiter seit 1991. Er hat meinen persönlichen Werdegang stark geprägt und war mir ein großes Vorbild. Seine persönliche und unkomplizierte Art sowie sein Rat werden mir sehr fehlen.“

In seiner Gemeinde Plüschow, im Grevesmühlener Rathaus sowie auf der Straße war der tragische Tod des SPD-Politikers das Hauptthema. Kaum jemand, der in den vergangenen Jahrzehnten in der Region nicht mit ihm zu tun hatte. Ehemalige Schüler, Bräunig war bis zur Wende Berufsschullehrer in Grevesmühlen gewesen, brachten ihre Trauer im Internet zum Ausdruck. Denn Erhard Bräunig war mehr als nur ein Politiker, er war eine Persönlichkeit, die die Region wie kaum jemand anderes geprägt hat.

Erhard Bräunig war von 1992 bis 1994 sowie von 2001 bis 2008 Landrat des ehemaligen Landkreises Grevesmühlen und des späteren Landkreises Nordwestmecklenburg. „Er hat sich stets engagiert, mutig und mit großer Vorbildwirkung dieser anspruchsvollen und vielseitigen Herausforderung, insbesondere auch während der Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs, gestellt“, heißt es in der Stellungnahme des Landkreises. Er war vor allem ein ehrlicher Mensch, der mit seiner Meinung nie hinterm Berg hielt. Der sich mit Kompromissen nicht abfinden wollte und politischen Gegnern schon mal öffentlich seine Meinung sagte. Ein Diplomat war er nicht, und bei allem, was er tat, standen einige Dinge immer im Vordergrund: seine Familie, die Region, seine Gemeinde und sein Landkreis.

Noch vor wenigen Wochen hatte er die Fraktionen im Kreistag angegriffen und für die Entscheidung, einen neuen Kreissitz in Wismar zu errichten, kritisiert. Legendär auch seine Reden als Landrat, vorgeschriebene Reden ignorierte er gern und brachte das auf den Punkt, was ihm wichtig war. Und genau das schätzten auch seine ehemaligen Schüler aus Grevesmühlen an ihm. Dass es ihm schon zu DDR-Zeiten gelang, als Pädagoge einen Weg zu finden, ehrlich zu bleiben und trotzdem in dem System zu funktionieren. Und genau das war er Zeit seines Lebens: ein Typ mit Charakter und Rückgrat.

„Er hat meinen persönlichen Werdegang stark geprägt und war mir ein großes Vorbild.“
Kerstin Weiss, Landrätin von Nordwestmecklenburg

Michael Prochnow

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