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Nordwestmecklenburg Nach zerstochenen Reifen: Boltenhagens Bürgermeister wünscht sich mehr Respekt
Lokales Nordwestmecklenburg Nach zerstochenen Reifen: Boltenhagens Bürgermeister wünscht sich mehr Respekt
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15:05 06.12.2019
Boltenhagens Bürgermeister Raphael Wardecki (Grüne) in seinem Büro im Kurhaus. Quelle: Malte Behnk
Boltenhagen

Es ist ein knappes halbes Jahr her, dass Raphael Wardecki (28) in Boltenhagen zum Bürgermeister gewählt wurde. Der gebürtige Westfale war erst kurz vor der Kommunalwahl ins Ostseebad gezogen, dass er vorher regelmäßig im Urlaub besucht hatte. Als Gemeindeoberhaupt weht dem jungen Unternehmer immer wieder nicht nur der Wind der Ostsee entgegen.

Wie geht es dem Harmoniebürgermeister nach etwa einem halben Jahr im Amt?

Wenn wir die letzte Gemeindevertretersitzung betrachten, sind wir noch weit weg von Harmonie. Ich würde aber sagen, gerade das ist ein Ansporn für mich, die Rolle des Moderators gelassen weiter auszufüllen. Ich finde es schön, dass mich Bürger ansprechen, die mich nicht gewählt hatten und jetzt sehen, dass man an einem Strang ziehen muss.

Wie groß ist ihre Belastung durch Widerstände im Ort?

Etwa 80 Prozent meiner Kraft gebe ich für das Kleinklein und Reibereien aus. Ich muss viel von der Rechtsaufsicht und vom Amt prüfen lassen. Wenn man hier als Kommunalpolitiker Fehler macht, hat das eine große Tragweite. Ich würde mir wünschen, dass wichtige Projekte gemeinsam umgesetzt würden. Wenn wir an einem Strang ziehen würden, würden wir schneller vorwärts kommen. Wenn die Gemeindevertretung etwas beschließt, werde ich das natürlich bestmöglich mittragen. Ich habe auch meine eigenen Ansichten, Pläne und Meinungen für die ich auch mehrheitlich gewählt wurde.

Mit dem Arzttaxi haben Sie ein Projekt ohne die Gemeindevertretung initiiert. Werden weitere folgen?

Beim Arzttaxi und auch für den Schaukasten gab es dringenden Handlungsbedarf, die Finanzierung lag innerhalb der Wertgrenze des Bürgermeisters und ich wollte schnell helfen. Es gibt noch eine Vielzahl von Projekten, die aber größer sind. Das Wohngebiet im B-Plan 38 und ein Kreisverkehr bei Wichmannsdorf sind keine neuen Ideen, die aber abgearbeitet werden müssen. Das ist meine Aufgabe mit der Verwaltung, nachdem in der Gemeindevertretung die Willensbildung stattgefunden hat.

Was konnte seit Ihrer Wahl denn schon abgearbeitet werden?

Der Jugendclub wird wie schön länger geplant eine Ersatzunterkunft in einem Container an der Schule bekommen und jetzt wird er sogar um einen Container für einen Werkraum ergänzt, der durch den Umbau im Hort weggefallen ist. Es wird an den vorhandenen Spielplätzen gearbeitet und wir planen einen neuen. Die Feuerwehr hat ein neues Fahrzeug bekommen, was schon vor meiner Wahl veranlasst worden war. Ich habe mich mit den Strandkorbvermietern getroffen und es gab Einwohnerversammlungen

Wie steht es um weiteren bezahlbaren Wohnraum in Boltenhagen?

Es hat sich der neue Ausschuss konstituiert, der prüfen soll, welche Ferienwohnungen illegal betrieben werden. Außerdem planen wir ein neues Wohngebiet bei Wichmannsdorf im B-Plan 38. Mein Wunsch ist, dass wir eine Wohnbebauung auf dem dortigen Gemeindegrundstück in irgendeiner Form selber regeln. Ich denke, nur so können wir bezahlbaren Wohnraum zusichern. Ob das mit einer eigenen Wohnungsgesellschaft sein soll oder eleganter gelingt, beraten wir.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden?

Ich bin dankbar, dass ich zu allen Bürgermeistern im Klützer Winkel ein tadelloses Verhältnis habe. Ich kann mich mit Fragen an jeden wenden und bekomme Unterstützung. Sie haben alle einen großen Erfahrungsvorsprung. Das ist sehr hilfreich. Eine Zusammenarbeit zeigt sich gerade mit der Bewerbung für „Smart tau hus“. Auch die Verkehrssituation in Boltenhagen lässt sich in Zusammenarbeit mit der Umgebung sicher besser lösen. Ein gemeinsames Verkehrskonzept könnte man auch noch weiter spinnen und auf das Thema Energie ausweiten.

Seit Ihrer Wahl gab es mehrfach zerstochene Reifen an Ihrem Fahrrad und Ihrem Auto. Beunruhigt Sie das?

Ich bringe das Spezialfahrrad und Auto jetzt noch sicherer unter. Den Respekt den ich jedem einzelnen Einwohner und Einwohnerin entgegenbringe, erwarte ich als ehrenamtlicher Bürgermeister auch mir gegenüber. Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang, dass das Ehrenamt insgesamt in unserem Ort mehr wertgeschätzt wird. Hier ist es doch so schön zum leben, arbeiten und gemeinsam wirken!

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Von Malte Behnk

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