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Nordwestmecklenburg Narren haben nichts mehr zu lachen
Lokales Nordwestmecklenburg Narren haben nichts mehr zu lachen
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22:02 28.10.2015
Ich hoffe, dass das nicht das komplette Aus ist, sondern nur eine Pause.“Marcus Kreft, Bürgermeister Selmsdorf
Selmsdorf

Schluss, Aus, vorbei — die fünfte Jahreszeit in Selmsdorf gibt es nicht mehr. Der Carneval Club hat sich aufgelöst. Weshalb, darüber möchten Mitglieder des Elferrates nicht offen sprechen. Klar ist aber: Es ist keine Überraschung. Schon seit Jahren hatten der SCC Probleme, die Selmsdorfer für Fasching zu begeistern.

Eine Konsequenz: Einige Abendveranstaltung fielen aus. Auch die Feier für die Senioren der Gemeinde gab es zuletzt nicht mehr. Übrig geblieben war nur noch der Kinderfasching. Doch auch hier hatte die Begeisterung in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. „Eltern haben nach der Feier immer wieder deutlich gemacht, dass es zu wenig Karamellbonbons gab und die Geschenke nicht doll waren“, ärgert sich eine Frau, die zum Elferrat gehörte. „Das war demotivierend.“ Einer von vielen Nackenschlägen.

Im Februar dieses Jahres hatte der SCC das erste Mal nach zwei Jahren Pause abends wieder in die Turnhalle eingeladen. Das Ergebnis war enttäuschend, denn nur wenige Selmsdorfer wollten mit dem Elferrat feiern.

Ein weiteres großes Problem: Die Finanzen. Denn Hallen- und Gema-Gebühren, Musik, Sicherheitsdienst und Versicherung für die Abendveranstaltung mussten über den Kartenverkauf abgedeckt werden. Ein Mitglied des Elferrates sagt hinter vorgehaltener Hand: „Es ist schade, dass wir aufgeben mussten, aber wir haben festgestellt, dass Selmsdorf ein Dorf ist, wo man die Leute schlecht für die fünfte Jahreszeit motivieren kann.“

Hinzu kommt, dass dem SCC der Nachwuchs fehlte. Der Verein hatte zuletzt kein Prinzenpaar mehr. Die Selmsdorfer, sagt ein anderes Mitglied, sind auch müde, „in der Gemeinde immer um Unterstützung zu betteln.“

Genau genommen begannen die Probleme schon vor vielen Jahren. Nach der Sanierung der Turnhalle durfte drinnen nicht mehr geraucht werden. „Das hat viele abgeschreckt“, sagt ein Karnevalist. Ärger gab es auch mit dem Ausschank. So berichten ehemalige Vereinsmitglieder, dass es bei Abendveranstaltungen manchmal ab 23 Uhr kein Bier mehr gab. „Das führte bei Gästen zu Unmut. Einige wollten sich deshalb sogar prügeln“, erinnert sich ein Ex-Mitglied und betont: „Dabei wollten wir Spaß haben und anderen Selmsdorfern eine Freude machen — und uns aber nicht ständig um Probleme kümmern oder uns Kritik anhören.“ Im Sommer entschied sich der Elferrat deshalb schweren Herzens, den Verein aufzulösen. Der Schlachtruf dreimal Selmsdorf helau ist damit Geschichte.

Gemeindevertreter Detlef Lüth (BfS) verbindet mit dem Verein viele gelungene Feiern und fröhliche Stunden. „Als Lokalpolitiker haben wir oft unser Fett wegbekommen“, erinnert er sich. „Der SCC war über viele Jahre für den Humor in Selmsdorf zuständig. Leider geht damit eine eine schöne Tradition verloren, ein Stück Selmsdorfer Kultur.“ Auch Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) bedauert die Entscheidung. „Ich habe mich immer sowohl auf den 11.11. als auch auch auf den Kinder- und Erwachsenenfasching gefreut.“ Das Aus sei für ihn schade, aber nachvollziehbar. „Jeder hat nur eine begrenzte Energie, ehrenamtliche Arbeit zu leisten. Meine Hoffnung ist, dass das nicht das komplette Aus ist, sondern dass es sich nur um eine Pause handelt.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Karneval in Selmsdorf einschläft. Vor 18 Jahren hatten einige Narren den SCC nach vielen Jahren Pause neu gegründet. Erster Präsident war Wolf-Peter Oswald. „Ich bedaure sehr, dass es den SCC nicht mehr gibt, weil wir damals viel Arbeit investiert haben, um Fasching in Selmsdorf wieder zu etablieren“, sagt er.

Steffen Oldörp