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Nordwestmecklenburg Neu auf dem Lottihof: Tinker im Ruhestand
Lokales Nordwestmecklenburg Neu auf dem Lottihof: Tinker im Ruhestand
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11:00 05.01.2020
Lottihof-Gäste und Mitarbeiter auf der Weide bei den beiden Tinker-Pferden Wayatih und Smocky (v.l.). Die beiden ehemaligen Therapiepferde sind 25 und 26 Jahre alt und die neuesten Zugänge auf dem Gnaden- und Kinderbauernhof in Seefeld bei Mühlen Eichsen. Ferienkind Celine (v.l.), André (Mitarbeiter) Christine (Hof-Chefin), Sarah (Ausbildende), Sophie (Freiwilliges Ökologisches Jahr) und Doreen (Vorstand Lottihof). Quelle: Annett Meinke
Seefeld

Früher halfen die beiden Therapiepferde Wayatih und Smockey eingeschränkten und kranken Menschen. Nun sind die Tinker (aus Irland stammende Pferderasse, auch bekannt als Irish Cob oder Gypsy Tinker) alt und brauchen ihrerseits Hilfe. Mit entsprechender ärztlicher Versorgung und viel liebevoller Zuwendung können sie noch ein paar gute Jahre erleben.

All das erhalten Wayatih und Smockey seit kurzem auf dem Aktion Tier Gnaden- und Kinderbauernhof in Seefeld in Nordwestmecklenburg. Dort ist man für viele verschiedene, oft auch alte, kranke Tiere da. Inzwischen leben in dem Dorf, das zur Gemeinde Testorf/Steinfort gehört, Pferde, Esel, Alpakas, Enten, Gänse, Hühner, Hunde, Kaninchen, Meerschweine, Schweine, Schafe, Puten, Katzen, Pfaue und Ziegen.

Helfertag“ auf dem Lottihof

Das Team um Gründerin und Hofchefin Christine Geburtig kümmert sich dabei hingebungsvoll um jedes Tier, ganz egal ob winzig, klein oder groß. Unterstützt werden sie von ehrenamtlichen Helfern jedes Alters. Eine der Helferinnen ist Ferienkind Celine, die nicht nur über den Jahreswechsel auf dem Lottihof bei der Versorgung der Tiere mithalf, sondern auch auf oft am Sonnabendvormittag, dem sogenannten „Helfertag“, in Seefeld auftaucht. „Ich bin fast an jedem Sonnabend hier“, sagt Celine.

Helfertag“, heißt es auf dem Lottihof im Winter in der Zeit von 10 bis 16 Uhr, sommers in der Zeit von 10 bis 17 Uhr. „Willkommen sind uns Familien mit Kindern oder aber auch Kinder ab acht Jahren allein“, erklärt die Hof-Chefin, die wenig aus der Ruhe zu bringen scheint. Besonders im Umgang mit Kindern fällt auf, wie umsichtig, geduldig und doch gleichermaßen klar sie den richtigen Umgang mit den Tieren immer wieder erklärt.

„Manchmal tauchen Kinder bei uns auf“, erzählt Geburtig, „die stolz sagen: ‚Ich kann reiten.‘ Dann sage ich: ‚Das ist sehr schön, das freut mich, dann kannst du sicher auch schon ganz hervorragend ein Pferd striegeln und ihm die Hufe säubern und abäppeln, also den Mist der Pferde beseitigen.‘ Und manchmal schauen mich diese Kinder dann ganz verwundert an und sagen: ‚Nein, so was habe ich noch nie gemacht.‘“. Genau darum aber, sagt Geburtig, geht es eben auf dem Lottihof zuerst. Verantwortung für die Tiere, erst dann kommt der Ausritt oder das Ausführen, das Mit-den-Tieren-Spielen.

Aktion Tier Lottihof in Seefeld (Nordwestmecklenburg, Gemeinde Testorf-Steinfort) – Gnadenhof für Tiere aller Art, auch Nutztiere, und Kinderbauernhof Quelle: Annett Meinke

Kinder rechtzeitig anmelden

Eltern, die ihre Kinder samstags auf dem Lottihof betreuen lassen, zahlen einen Unkostenbeitrag von 10 Euro. Wer seine Kinder während der Ferien auf dem Lottihof betreuen lassen will, zahlt einen Unkostenbeitrag von 20 Euro pro Tag. Dafür werden die Kinder den ganzen Tag über beaufsichtigt, im Umgang mit den Tieren angeleitet und können auf dem Hof Mittag essen. Auch Kaffee und Kuchen gibt es.

Ohne rechtzeitige Anmeldung jedoch geht gar nichts. „Kinder einfach mal in den Ferien oder samstags bei uns vorbeibringen und hier abstellen“, erklärt Geburtig, „ist nicht möglich. Wir haben ein Formular, das alle Eltern ausfüllen müssen.“ Dabei geht es nicht nur um die Kontaktdaten der Eltern, die telefonisch jederzeit erreichbar sein müssen, auch aus Datenschutzgründen zum Beispiel um die Erteilung oder Nichterteilung einer Fotoerlaubnis.

Der Hof hat eine eigene Webseite, auf der alle Mitarbeiter und Tiere vorgestellt und Geschichten vom Hof und seinen Gästen erzählt werden. Und auch ansonsten steht der Aktion Tier Gnadenhof mit seinen Tierschutz-Aktionen immer wieder im Licht der Öffentlichkeit.

Patenschaft für Tiere übernehmen

Nicht nur die beiden Tinker Wayatih und Smocky suchen dringend Paten, auch viele andere Tiere auf dem Lottihof. Alte Pferde brauchen eine regelmäßige, medizinische Betreuung. Zum Beispiel müssen sie einmal pro Jahr beim Zahnarzt vorstellig werden, um entstehende Kanten und Haken an den Zähnen abzufeilen. Bei vielen Pferden ohne Behandlung werden die Zähne zu lang. Sie können dann nicht mehr vernünftig Futter aufnehmen, beginnen das Heu im Maul zu rollen und wieder auszuspucken. Eine zahnärztliche Behandlung pro Pferd kostet um die 150 Euro.

Eine Patenschaft für die Tinker oder andere Tiere kann durch eine einmalige, am besten aber regelmäßige Spende übernommen werden.

Kontakt mit dem Lottihof – auch zur Anmeldung von Kindern für Ferienbetreuung und Helfertage auf der Webseite https://www.aktiontier-lottihof.org

Auf der Webseite werden auch alle Tiere, die auf dem Hof leben, vorgestellt.

Tinker ohne Schuhe

Die beiden schwarz-weißen Tinker Wayatih und Smocky sind bei Ferienkind Celine beliebt, genauso wie bei der Auszubildenden des Hofes, Sarah, die ursprünglich aus Leipzig kommt, und bei Sophie, die ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr in Seefeld auf dem Lottihof verbringt. Auch wenn die beiden Pferde gerade auf das verzichten müssen, was als besonderes Merkmal ihrer Pferderasse gilt: lange Haare an den Fesseln, die Tinker aussehen lassen, als hätten sie Schuhe an. Im Moment sind die Pferdebeine kurz geschoren, aufgrund von Entzündungen an den Beinen, die unter den langen Haaren liegen und erst einmal abheilen müssen.

Dass es ein gutes neues Jahr nicht nur für Wayatih und Smocky, sondern auch für alle anderen Tiere, die auf dem Lottihof leben, wird, das hoffen alle, die sich in Seefeld für diese Tiere engagieren.

Wie gut es Kindern auf dem Lottihof gefällt, lesen Sie in einem weiteren Artikel.

Der Lottihof engagiert sich vielfältig für den Tierschutz – unter anderem für die Kastrationspflicht bei Katzen.

Von Annett Meinke

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