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Nordwestmecklenburg Neuenhäger fordert Mitfahrbänke für den Klützer Winkel
Lokales Nordwestmecklenburg Neuenhäger fordert Mitfahrbänke für den Klützer Winkel
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09:00 12.02.2020
Christoph Pechmann aus Neuenhagen möchte Mitfahrbänke im Klützer Winkel, am liebsten in ganz Mecklenburg-Vorpommern etablieren. Quelle: Malte Behnk
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Neuenhagen

Der Nahverkehr im ländlichen Raum sorgt immer wieder für Diskussionen. Busse fahren nicht häufig genug und steuern auch nicht alle kleinen Dörfer an. An der Situation möchte der Neuenhagener Christoph Pechmann etwas ändern. Er möchte zunächst im Klützer Winkel, gerne aber zwischen Lübeck und Wismar und am liebsten in ganz Mecklenburg-Vorpommern Mitfahrbänke etablieren.

„Ich bin 63 und als ich aufgewachsen bin, war Trampen noch so eine Art Sport“, sagt Pechmann. „Ich bin damals durch die ganze DDR getrampt und habe keine Angst oder Sorge gehabt.“ Das sei heute ganz anders. Kaum jemand würde heute noch Fremde mitnehmen oder in ein fremdes Auto steigen.

Sicherheit durch registrierte Fahrer

Da hakt das System der Mitfahrbänke ein, wie es schon in einigen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns getestet wird. Bänke mit einem Schild, an dem Zielorte angegeben werden können, werden aufgestellt. Autofahrer lassen sich als Teilnehmer registrieren und nehmen dann Menschen mit, die an den Bänken warten.

Hier stehen schon Mitfahrbänke

Im Amt Altenpleen hat Christoph Pechmann aus Neuenhagen 24 Mitfahrbänke aufgestellt und das Prinzip kennengelernt. Das Amt informiert auf seiner Internetseite ausführlich über das Projekt.

Auf Rügen sind Ende Dezember 2019 in Putbus und seinen Ortsteilen 16 Mitfahrbänke aufgestellt worden.

Auf dem Darß wurden im Dezember 2019 in Wieck und Born Mitfahrbänke eingeweiht.

Auch auf der Insel Poel wurden in 2019 Mitfahrbänke aufgestellt.

In Schleswig-Holstein haben auch verschiedene Initiativen von Flensburg bis an die Hamburger Landesgrenze schon Mitfahrbänke aufgestellt.

Christoph Pechmann, der Schmied ist, hat im Sommer 2019 solche Bänke für das Amt Altenpleen bei Stralsund gebaut und ist seitdem von dem Prinzip begeistert. Deswegen hat der parteilose Gemeindevertreter von Kalkhorst das Thema im Bauausschuss der Gemeinde besprechen lassen. Nach einem noch ausstehenden Beschluss der Gemeindevertretung soll Kalkhorsts Bürgermeister Dietrich Neick (FWK) die Idee voraussichtlich Anfang März den anderen Bürgermeistern im Amt Klützer Winkel vorstellen.

Netz zwischen Lübeck und Wismar?

„Am besten wäre es, Lübeck und Wismar miteinander zu verbinden“, sagt Pechmann. Zunächst würde er sich aber schon über ein Netz im Klützer Winkel mit zusätzlichen Bänken in Gägelow, Grevesmühlen und Schönberg freuen. „Die Bahnhöfe müssten mit drin sein“, sagt der Schmied. Ebenso wichtig ist ihm, kleine Dörfer, wie Harkensee oder Groß Schwansee, anzubinden. Wo genau eine Mitfahrbank Sinn macht, müsste aber eventuell von Verkehrsexperten empfohlen werden.

Werbung für Bänke ist wichtig

Für das Amt Altenpleen hat Pechmann 24 Mitfahrbänke aufgestellt, eine hat er noch als Modell in seinem Garten. „Die kann ich den anderen Bürgermeistern gerne vorführen“, sagt er. Die Bank hat ein Schild, auf dem ‚Mitfahrbank‘ steht. Darunter kann der Fahrgast sein Ziel aus mehreren umklappbaren Tafeln auswählen. Hält ein registriertes Auto, erkennt er es an einem Aufkleber.

Projekt ausführlich erklären

Heinz und Annegret Hartwig (vorn) sowie Beate Lein (hinten) und Roswitha Marquardt (r.) zeigen, wie das System Mitfahrbank in Altenpleen funktioniert. Quelle: E-Mail-OZ-Lokalredaktion-HST

Sollten sich die Bürgermeister im Amt Klützer Winkel für das Projekt entscheiden, müssten die Spielregeln für die Benutzung der Bänke und das dahintersteckende System mit einer zusätzlichen Handy-App durch Fachleute erklärt werden. „Wichtig ist dann viel Kommunikation mit den Einwohnern, damit das System funktioniert und genutzt wird“, ist Pechmann sicher.

Im Amt Altenpleen hat aus Sicht des Neuenhageners sehr geholfen, dass Fernsehteams von dem Projekt berichtet hatten. „Das Amt und auch das Architekturbüro Stadt-Land-Fluss, das das Projekt dort begleitet hat, haben da viel gemacht“, sagt Christoph Pechmann.

Mehr Mobilität auch für Senioren

„Ich denke, das Prinzip der Mitfahrbank ist eine Form von Nachbarschaftshilfe, die ohnehin mehr gefördert werden sollte“, sagt Pechmanns Frau, Sonja Stein, die mit in Altenpleen war. „Viele fahren doch ohnehin alleine in ihrem Auto.“ Vor allem für Senioren, die nicht mehr selber fahren, könnte die Mitfahrbank mehr Mobilität bieten. Es sei von der Gemeinde Kalkhorst aus zum Beispiel schon problematisch, mit dem Bus nach Grevesmühlen zu kommen, weil der nicht oft fährt, sagt Sonja Stein.

Touristen treffen Einheimische

„In Altenpleen hatten die Gemeinden auch im Sinn, dass Touristen sich nicht immer mit dem eigenen Auto fortbewegen wollen“, fügt sie hinzu. Ähnlich ist die Situation auch im Klützer Winkel, wo sich von März bis Oktober viele Urlauber aufhalten. Zwischen Fahrern und Mitfahrern könnten sich dann interessante Gespräche und Begegnungen ergeben, ist sie sicher.

Viele Fördermittel in Altenpleen

Im Amt Altenpleen hat die Umsetzung des Projekts Mitfahrbank 80 000 Euro gekostet. 72 000 Euro gab es dafür aus dem Fördertopf „Land(auf)schwung“. Am 19. Dezember wurden dort die Mitfahrbänke offiziell zur Nutzung freigegeben und die dazugehörige App „Mitfahrbänke“ in den Stores zum Download freigeschaltet.

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Von Malte Behnk

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