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Nordwestmecklenburg „Nie den Leichen in die Augen schauen“: So hart ist der Job der Rettungstaucher aus Zarrentin
Lokales Nordwestmecklenburg „Nie den Leichen in die Augen schauen“: So hart ist der Job der Rettungstaucher aus Zarrentin
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20:00 19.08.2019
Dirk Fuhrer (links, 42) und Mathias Meier (31) gehören zum Team der Rettungstaucher der DLRG Zarrentin. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Zarrentin

Fast drei Stunden dauerte in der Nacht vom 9. zum 10. August der Einsatz der Rettungskräfte am und im Ploggensee in Grevesmühlen. Dort war ein 37-Jähriger beim Baden plötzlich nicht mehr aufgetaucht. Gegen 1.44 Uhr meldete ein Rettungstaucher, dass er den Mann gefunden habe. „Der lag etwa 10 bis 15 Meter von der Badestelle entfernt auf dem Grund des Sees“, sagt Mathias Meier.

Er war in dieser Nacht der Mann an der Sicherungsleine während sein Partner unter Wasser den See absuchte. Der 32-Jährige gehört zum Team der Rettungstaucher der DLRG aus Zarrentin, die in ganz Westmecklenburg immer dann zum Einsatz kommen, wenn Polizei und Feuerwehr an ihre Grenzen stoßen. So wie am Ploggensee, als gegen 23 Uhr die Einsatzkräfte alarmiert wurden. Die Feuerwehren aus Grevesmühlen und Klütz waren dort, die Wasserschutzpolizei, sogar ein Hubschrauber der Polizei suchte mit einer Wärmebildkamera das Gewässer ab. Vergebens. Erst der Taucher der DLRG fand den Mann. Er lag tot am Grund des Ploggensees.

Am 9. August starb ein 37-Jähriger im Ploggensee. Quelle: Michael Prochnow

Die ersten drei Leichen sind gewöhnungsbedürftig

„Die ersten drei Leichen sind gewöhnungsbedürftig“, sagt Dirk Fuhrer, der Chef der Rettungstaucher der DLRG am Schaalsee. „Danach gewöhnt man sich zwar nicht daran, aber man entwickelt eine gewisse Routine, sonst kannst du das nicht machen.“

Den Leichen nicht ins Gesicht und erst recht nicht in die Augen schauen, lautet eine Regel des 42-Jährigen, der im zivilen Leben Geschäftsführer eines Elektrobetriebes und ist und seit 1993 taucht. Fuhrer hatte erst vor wenigen Wochen den toten Taucher aus dem Ziegelinnensee in Schwerin geborgen, der Vorfall sorgte bundesweit für Aufsehen. Laut Staatsanwaltschaft war das Opfer offenbar dabei gewesen, Munition und Waffen aus dem Zweiten Weltkrieg aus dem Schlamm am Grund des Sees zu bergen. Der Taucher ist ertrunken, warum genau ist jedoch unklar. „Auf jeden Fall war das kein Hobbytaucher, das war an der Ausrüstung schon zu erkennen. Luft hatte er auch noch genug in den Flaschen“, sagt Dirk Fuhrer.

Auch bei dem tödlichen Badeunfall im Sommer in Schönberg waren die Männer aus Zarrentin im Einsatz. Am 26. Juni war ein 28-Jähriger aus Polen im Oberteich ertrunken, der Vorfall ereignete sich am Nachmittag. Die Rettungstaucher fanden die Leiche nur wenige Meter vom Ufer entfernt. Die Unglücksursache ist bis heute unklar. Weshalb sich die Unfälle ereignen und welche Hintergründe es gibt, erfahren die Männer im Team von Dirk Fuhrer in der Regel nicht. Die Gespräche mit anderen Einsatzkräften am Unglücksort sind meist die einzige Quelle. „Es ist auch ganz gut, dass wir uns nicht zu viel damit beschäftigen.“ Sie machen ihren Job. Genauso wie die übrigen Rettungskräfte. Einen Unterschied gibt es allerdings zur Feuerwehr, zu der auch Mathias Meier gehört, der in Boizenburg lebt. „Wenn wir die Opfer finden, sind sie meistens noch heil. Wenn ich daran denke, mit welchen Situationen es die Feuerwehrleute bei schweren Unfällen zu tun hat, dann sind wir noch ganz gut dran“, so Dirk Fuhrer.

Im Schönberger Oberteich starb Ende Juni ein 28-Jähriger beim Baden. Quelle: Malte Behnk

Die Sicht unter Wasser ist meistens gleich null

Dabei sind es nicht nur vermisste Personen, bei denen die Taucher zum Einsatz kommen. Gekenterte Boote, ausgelaufene Betriebsstoffe auf dem Wasser oder Autos, die in Seen oder Flüssen gelandet sind, gehören ebenfalls zum Aufgabengebiet der Männer und Frauen aus Zarrentin. In diesem Sommer hatten sie bislang reichlich zu tun, 10 bis 15 Mal pro Jahr rücken die Taucher in der Regel aus, diesen Schnitt könnten sie in diesem Jahr überbieten, wenn es so weitergeht. „Wir hoffen mal, dass es ruhiger wird“, so der 42-Jährige. Denn der Job unter Wasser ist hart. „Vor allem sind wir ja nicht nur in Badegewässern unterwegs.“ Die Sicht ist meistens gleich null bei den Gewässern in Mecklenburg. Mit etwas Glück reicht der Blick ein bis zwei Meter, meistens jedoch nicht. „Das Problem ist, dass wir den Tiefenmesser nicht sehen können, aber der ist wichtig, um beim Aufsteigen nicht zu schnell nach oben zu kommen.“ Und auch bei der Suche nach Vermissten gilt das Prinzip, dass die Männer eher mit den Händen als mit den Augen suchen.

Mit der Leine wird der Taucher gesteuert

Damit sie sich nicht selbst in Gefahr bringen, bleibt immer ein Taucher an Land und hält die Sicherungsleine, die den Einsatztaucher mit dem Mann an Land oder im Boot verbindet. Die Leine dient nicht nur dazu, dass der Taucher im Notfall aus dem Wasser gezogen wird. Sie dient vor allem zur Orientierung. Wie Dirk Fuhrer erklärt, gibt es bestimmte Signale, über die der Mann an der Leine den Taucher steuern kann. „So können wir unter Wasser Stück für Stück den Grund absuchen, denn allein orientieren, während man am Grund taucht, das ist kaum möglich.“ Deshalb trainieren die Taucher regelmäßig, eine ärztliche Untersuchung gehört einmal pro Jahr ebenfalls dazu. Allerdings wird es immer schwieriger, die entsprechenden Ärzte zu finden, die diese Untersuchung machen – es gibt kaum welche.

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Seit 1996 gibt es die Rettungstaucher

1993 haben sich Dirk Fuhrer und einige andere Enthusiasten in Zarrentin zusammengefunden. „Im Eigenstudium haben wir uns alles beigebracht“, sagt der 42-Jährige.

Wenig später folgten die Prüfungen, seit 1996 gibt es die Rettungstaucher der DLRG in Zarrentin.

Heute gehören 60 Leute zur Ortsgruppe. Darunter auch zahlreiche Kinder und Jugendliche, die Rettungstaucher sind insgesamt sechs Mitglieder.

Unter anderem sichert die DLRG die Badestelle in Zarrentin ab und ist auf dem Schaalsee bei Notfällen im Einsatz.

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Von Michael Prochnow

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