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Nordwestmecklenburg Roggenstorfer Bürgermeister tritt wieder an
Lokales Nordwestmecklenburg Roggenstorfer Bürgermeister tritt wieder an
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17:54 01.10.2018
Ben Straathof, Bürgermeister von Roggenstorf, zieht ein positives Resümee seiner ersten Amtszeit und will sich zur Wiederwahl stellen. Quelle: Annett Meinke
Roggenstorf

„Die erste und wichtigste Voraussetzung, um für ein Bürgermeisteramt zu kandidieren, ist das Einverständnis der eigenen Familie.“, sagt Ben Straathof, Bürgermeister der Gemeinde Roggenstorf. „Wenn die Familie nicht mitzieht, geht das nicht.“ Ungefähr 15 bis 20 Stunden pro Woche beschäftigt Ben Straathof sich mit der Gemeinde und ihren Belangen. Am Anfang seiner Amtszeit sogar manchmal bis zu 30 Stunden. „Als ich vor fast fünf Jahren zum ersten Mal antrat, war ich ein Neuling in Sachen deutscher Kommunalpolitik. Ich musste mich in vieles einarbeiten“, erklärt der gebürtige Niederländer.

In seinem Fall war Ehefrau Astrid mit dem ehrenamtlichen Engagement ihres Mannes einverstanden, damals und auch heute – nachdem Straathof sich offiziell entschieden hat, im Frühjahr 2019 erneut für das Bürgermeisteramt in seiner Gemeinde zu kandidieren. Als Bürgermeister, sagt Straathof, der seit mehr als zehn Jahren in Tramm (ein Ortsteil von Roggenstorf) lebt, ist er für die Bürger der Gemeinde immer ansprechbar. Bedeutet, das Telefon oder auch die Klingel an der Haustür der Straathofs können zu allen möglichen Zeiten erschallen. „Doch bitte nicht missverstehen“, sagt Straathof, „das heißt nicht, dass ich dann immer auf alles, was an mich herangetragen wird, auch sofort reagiere. Manchmal, besonders, wenn es sehr emotional zugeht, höre ich erst einmal einfach nur zu und denke dann in Ruhe über mögliche Lösungswege nach, bevor ich mich äußere oder etwas unternehme.“

Keine Loyalitätskonflikte

Eines sagt der Bürgermeister von Roggenstorf, habe er unter anderem wirklich verinnerlicht in den vergangenen Jahren: „Man darf sich auf keinen Fall von Stimmungen und Gruppierungen in der Gemeinde treiben lassen.“ Dass ihm das gelingt, glaubt er, hat auch damit etwas zu tun, dass er kein gebürtiger Einheimischer ist. „Ich schulde niemandem einen Gefallen in meiner Gemeinde, bin nicht in irgendwelchen Loyalitätskonflikten. Das ist im Grunde sehr hilfreich.“

Danach befragt, auf was er in den vergangenen Jahren seiner Amtszeit besonders stolz ist, überlegt er dann auch einen Moment, bevor er sagt, dass er auf viele Projekte stolz ist, die bereits abgeschlossen oder in Arbeit sind. „Die Erneuerung der Dorfstraße war, als ich begann, schon in Vorbereitung. Doch es gab vieles noch zu regeln, vieles, was damit im Zusammenhang stand und die Gemüter in der Gemeinde hochkochen ließ.“ Das alles ist inzwischen erledigt. Auch der Spielplatz in Roggenstorf, über den viel und lange diskutiert wurde, ist fertig und „braucht“, wie Straathof sagt, „jetzt einfach nur mal wieder einen neuen Anstrich“.

Worüber sich Straathof ganz besonders freut, ist auch, dass die Änderung des B-Plans endlich durchging und alle Grundstücke in der Gemeinde, die lange brachlagen, verkauft werden konnten und jetzt bebaut werden können. „Zuwachs ist für jede Gemeinde enorm wichtig“, sagt Straathof. Er könnte noch vieles aufzählen: das neue Bushäuschen, der Ausbau der Kreisstraßen in Grevenstein, der kleine „Verweilplatz“ in Alt Greschendorf, die Fördermittelanträge für die Lübecker Straße in Tramm, die gestellt wurden, Straßenumbenennungen, die vollzogen wurden, LED-Beleuchtungen auf den Straßen, dass es mit der Freiwilligen Feuerwehr gut läuft, sie großen Zuwachs erhält, der Kunsthandwerkermarkt, das Luise-Reuter-Fest – doch was Straathof vor allen Dingen beschäftigt, sind „die Herausforderungen der Zukunft“.

Davon gibt es in einer Gemeinde wie Roggenstorf – wie in jeder Gemeinde im Landkreis – immer wieder mehr als genug. „Das wird auch nie anders sein, wenn man Bürgermeister ist“, meint Straathof. „Ebenso, dass eben niemals alle zufrieden sind. Damit muss man leben können.“ Und das kann Ben Straathof, der, wie er sagt, auch kein Problem damit hat, in Zusammenarbeit mit dem Amt Grevesmühlen-Land oder auch dem Landkreis nachzufragen, wenn ihm etwas seltsam vorkommt.

Zusammenarbeit läuft nie problemlos

Dass die Zusammenarbeit innerhalb einer Gemeindevertretung und auf verschiedenen kommunalen Ebenen nie problemlos und schon gar nicht reibungslos abläuft, ist dabei nichts, was ihn beunruhigt. „Ich bin prinzipiell eher an Lösungen interessiert, reines Meckern finde ich nicht hilfreich“, sagt er. Und so fällt es ihm besonders schwer, bei Ideen, die geäußert werden, sofort ein „Nein“ zu hören.

Gerade was das Problem mit dem Löschwasser angeht, das in Roggenstorf immer noch nicht gelöst werden konnte, weil so viele Wege, die möglich scheinen, von Amts wegen offenbar nicht so einfach zu beschreiten scheinen, „weil einfach keiner eine klare Entscheidung fällen will, immer noch eine Absicherung und noch ein Gutachten verlangt wird“, wie Straathof sagt, wünscht er sich manchmal mehr Mut zur Entscheidung – von Amts wegen.

Wichtig für eine Gemeinde ist immer die gesamte Gemeindevertretung, betont Straathof. „Da ist so vieles zu tun, es sind nicht nur die Sitzungen und die Beschlüsse, die gefasst werden müssen. Es gibt Dorffeste, das Gemeindeleben und noch viele andere offizielle Termine, bei denen man als Gemeindevertreter Gesicht zeigen muss. Das geht nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Ein Bürgermeister ist ja kein Alleinherrscher.“

Kommunal- und Europawahlen 2019

Am 26. Mai 2019 finden gleich zwei Wahlen statt – die Kommunalwahl, bei der die Kreistage, Stadtvertretungen und Gemeindevertretungen in Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gewählt werden - und die Wahl des Europäischen Parlaments.

Das Europaparlament wird an diesem Tag in allen Bundesländern gewählt.

Alle fünf Jahre werden in Mecklenburg-Vorpommern die Kommunalwahlen durchgeführt. Die letzte Kommunalwahl fand im Jahr 2014 statt.

Auch das Europa-Parlament wird alle fünf Jahre neu gewählt.

In Deutschland werden seit der vergangenen Europawahl 96 Abgeordnete des Europäischen Parlaments über geschlossene Bundes- oder Landeslisten gewählt. Davor stellte Deutschland bei den Wahlen von 1994 bis 2009: 99 Abgeordnete und davor seit 1979: 81.

Bei der Kommunalwahl im Jahr 2014 in MV gingen von 1 378 407 Wahlberechtigten nur 638 341 an die Wahlurne. Das entsprach einer Wahlbeteiligung von 46,3 Prozent. In Nordwestmecklenburg lag bei 170 Wahlbezirken die Wahlbeteiligung bei 48, 4 Prozent.

Annett Meinke

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