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Nordwestmecklenburg Niendorf: Die Camper kommen
Lokales Nordwestmecklenburg Niendorf: Die Camper kommen
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12:03 12.06.2019
Ende Mai auf dem Campingplatz Niendorf an der Ostsee (Wohlenberger Wiek) – da war es noch ruhig, einige Dauercamper waren aber bereits da. Quelle: Annett Meinke
Niendorf

 Der Campingplatz in Niendorf – nicht zu verwechseln mit dem Campingplatz „Liebeslaube“ ein Stück weiter an der Wohlenberger Wiek – war Ende Mai noch übersichtlich bestückt. Seit dem 1. April heben sich die Schranken an der Anmeldung wieder für die Freunde des vorübergehenden Lebens im Zelt, Campingmobil oder Wohnwagen.

Schon zu Pfingsten hat sich das Bild geändert. Platzchefin Sabine Ehrlich erzählt: „In den letzten Jahren werden es immer mehr Wohnmobile, anstatt Autos mit Campinganhänger. Ist wohl einfacher, damit zu fahren.“ Auch wenn mancher, erzählt sie weiter, der so ein Wohnmobil nur mietet, – vielleicht erst zum ersten oder zweiten Mal –, manchmal, beim Einparken auf dem ihm zugewiesenen Platz, trotzdem seine Probleme bekommt.

Hilfe beim Einweisen und Rangieren, sagt Sabine Ehrlich, kommt in solchen Fällen nicht selten von den Dauercampern. „Es gibt sehr hilfsbereite Dauercamper hier bei uns.“

Familie Müller aus Sachsen

Familie Müller gehört ohne Frage zu ihnen. Das Ehepaar aus Wurzen, beide stammen ursprünglich aus Nordwestmecklenburg, lebt schon lange in Sachsen. Seit über 20 Jahren campen sie in Niendorf. Frau Müller hat noch Familie hier. Herr Müller, dem man seine fast 70 Jahre ebenso wenig ansieht wie seiner Frau die 68, ist schon als Kind weggezogen – mit den Eltern. Er wurde in Rolofshagen geboren, sie in Schönberg. Eines ihrer Kinder, eine Tochter, hat mittlerweile auch einen Dauercampingplatz in Niendorf, im selben Aufgang, den die Dauercamper, die dort ihre Plätze haben, den „Froschgang“ getauft haben. „Es gibt auch einen Haigang, zum Beispiel“, sagt Herr Müller. „Jeder wählt eben so seinen Namen, der ihm passt.“ Da in ihrem Aufgang öfter Frösche auftauchen, lag der Name am nächsten.

Die Dauercamper in Niendorf, sagt seine Frau, sind eine Gemeinschaft. Man hilft sich gegenseitig, auch beim Aufbau oder Anbau von irgendwelchen Dingen. Die Dauercamper achten auch auf den Platz, darauf, dass Camper auf Zeit vernünftig mit allem umgehen: mit den Waschräumen, Toiletten, ihre Plätze bei Abreise sauber hinterlassen. „Seit Sabine Ehrlich den Platz übernommen hat, damals nach der Wende, ist hier alles so schön geworden, aufgeräumt und sicher“, sagt Frau Müller. Und so soll es auch bleiben.

Sind da für die Camper in der Saison – auf dem Campingplatz Niendorf an der Ostsee – Wohlenberger Wiek – v.l. Corinna Andresen vom Empfang, Campingplatzinhaberin Sabine Ehrlich und Reinhard (Maxe) Riedel von Maxes Minishop. Quelle: Annett Meinke

Eine Hamburgerin in Niendorf

Sabine Ehrlich ist Hamburgerin. Dort lebt sie mit ihrer Familie nach wie vor, zumindest im Herbst und Sommer. Zu dem Campingplatz in Niendorf, erzählt sie, kam sie, weil ihr Mann damals nach dem Mauerfall geschäftlich in Nordwestmecklenburg zu tun hatte. In den 1990ern stand der Campingplatz zum Verkauf und ihr Mann meinte: Willst du das nicht machen? Und sie wollte. Obwohl sie vorher noch nie einen Campingplatz betrieben hat.

Sabine Ehrlich hatte zuvor in einer Hausverwaltung gearbeitet. Und auch wenn sich die Verwaltung von Häusern zu der eines Campingplatzes sicherlich in vielem unterscheidet, ist dennoch vieles gleich. Die Camper – Mieter – müssen zufrieden sein, die Substanz – der Campingplatz – muss erhalten werden. Es muss investiert werden, Einnahmen müssen abgerechnet werden, Kosten und Nutzen müssen ausbalanciert sein.

Was die Campingplatzbetreiberin am meisten an ihrem Platz und ihrer Arbeit dort mag, sagt sie, ist: „Die Begegnung mit vielen verschiedenen Menschen.“ Im Sommer wird sie nicht nur von Mitarbeiterin Corinna Andresen, die aus Dorf Mecklenburg kommt und in der Anmeldung mitarbeitet, und einer Studentin, sondern auch von ihrer Tochter unterstützt. Der Fortbestand des Campingplatzes in den Händen der Familie scheint gesichert.

Einfahrtsbereich des Campingplatzes in Niendorf an der Wohlenberger Wiek an der Ostsee. Quelle: Annett Meinke

Probleme mit den Kita-Ferienzeiten

Die meisten Camper auf Zeit bleiben im Durchschnitt fünf bis sechs Tage, manchmal auch kürzer. „Der Trend geht zum Kurzurlaub“, sagt Ehrlich. „Viele machen auch Rundreisen inzwischen, die Ostseeküste lang zum Beispiel.“ Was ihr auch auffällt, sagt sie dann, ist, dass mittlerweile immer mehr Bayern an die Ostsee finden.

Problematisch sei, sagt Ehrlich, dass es eine hohe Nachfrage nach einer ganz bestimmten Sommerzeit gibt: „Die meisten Anfragen kommen für die Zeit vom 20. Juli bis zum 10. August.“ Obwohl bundesweit die Ferien gestaffelt sind und sich eigentlich alles mehr verteilen könnte, ist das meist nicht so. Zumindest dann nicht, wenn Kita-Kinder in der Familie sind, die Campingurlaub in Niendorf machen möchte.

„Ich habe kaum noch freie Plätze für diese Zeit“, sagt Sabine Ehrlich, „und wenn ich dann frage, ob es nicht eine Woche früher oder später ginge, dann höre ich immer wieder dieselben Antworten: ‚Würden wir sehr gerne machen, geht aber nicht, leider schließt der Kindergarten unserer Kinder genau in dieser Zeit.‘ Und damit sind die Eltern an diese Zeit gebunden. Und anscheinend haben die meisten Kitas im ganzen Land genau dieselbe Schließzeit im Sommer.“

Ende Mai auf dem Campingplatz Niendorf an der Ostsee (Wohlenberger Wiek) – noch ist es ruhig, einige Dauercamper sind aber bereits da. Doch bald wird es wieder turbulent. Quelle: Annett Meinke

Von Niendorf nach Norwegen und zurück

Nicht jeder kann es eben so gut haben wie die Dauercamperfamilie Müller aus Wurzen. Die auf keinen Arbeitgeber mehr Rücksicht nehmen muss. Herr Müller reist von Niendorf aus im Sommer mit Freunden manchmal auch nach Norwegen, zu einem Angeltrip „ohne Frauen“, wie er lachend sagt. Was Frau Müller nicht stört, die sich gut zu beschäftigen weiß, kleine Sachen häkelt und strickt für ihre Enkel und das Urenkelchen, das es inzwischen auch gibt. Auch vom Wismarer Hafen aus startet ihr Mann immer wieder auf einen Hochseeangeltrip. Morgens früh um 7 Uhr geht es los und 15.30 Uhr dann wieder zurück.

Was für ein Wetter es auch wird in diesem Sommer, den Müllers ist es zwar nicht komplett egal, jedoch sind sie für alles gewappnet: kühl oder kühler, Regen oder Hitze. Der große Campinganhänger der Müllers ist samt Vorzelt und allen Anbauten auf ihrem Platz ein richtiges zweites Zuhause. Es kann geheizt werden, es gibt eine kleine extra Kochhütte, in der Herr Müller kocht – nicht seine Frau. „Für das Kochen ist mein Mann zuständig“, sagt Frau Müller.

Der heiße, trockene Sommer im vergangenen Jahr, sagt Platzchefin Ehrlich, hat ihrem Geschäft zumindest gutgetan. Es muss in diesem Jahr vielleicht nicht gleich wieder so heiß und trocken werden, ab und an Regen ist schon in Ordnung. Aber auf einen verregneten Sommer ist auf dem Campingplatz natürlich niemand scharf.

Annett Meinke

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