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Nordwestmecklenburg Experten fordern: Archäologisches Landesmuseum jetzt bauen
Lokales Nordwestmecklenburg Experten fordern: Archäologisches Landesmuseum jetzt bauen
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13:29 04.04.2019
Der Klützer Heimatverein mit dem Vorsitzenden Hannes Palm (4. v. l.) und dem Beisitzer Carsten Schmoldt (1. v. l.) sowie der Grevesmühlener Heimatverein mit dem Vorsitzenden Wilfried Scharnweber (2. v. l.) und dem Stellvertreter Alexander Rehwaldt. Quelle: Dirk Hoffmann
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Grevesmühlen

Als die Entwürfe für ein Archäologisches Landesmuseum am Rostocker Stadthafen publik wurden, war auch Hannes Palm begeistert. Der Vorsitzende des Klützer Heimatvereins konnte es sich sehr gut vorstellen, dass an so einem Ort Geschichte dargestellt wird. Doch dann kamen die Einwände aus der Politik, die Kosten für einen Neubau wären mit 100 Millionen viel zu hoch. Außerdem müsste man 50 Mitarbeiter beschäftigen. Bei den vorherigen Planungen im ehemaligen Schifffahrtsmuseum war man noch von 20 Millionen Euro und 17 Beschäftigten ausgegangen.

Zu groß, zu teuer, gestoppt und deshalb bald ganz vergessen? So stellt sich die Situation momentan dar. Hinnehmen wollen das aber Palm und Carsten Schmoldt, Beisitzer im Klützer Heimatverein, nicht. Zum einen gibt es in allen anderen Bundesländern Archäologische Landesmuseen, viele sogar mit über 200 Mitarbeitern. Und hat es nicht auch in Mecklenburg-Vorpommern in all den Jahren Ausgrabungen gegeben, die Schätze zutage brachten, die man der Öffentlichkeit präsentieren könnte? Stattdessen lagern sie in Depots und geraten irgendwann in Vergessenheit.

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Bei ihrem eigenen Unverständnis über diese Lage wollten es Palm und Schmoldt aber nicht bewenden lassen. Sie sind selbst aktiv geworden, haben in ihrem Vortag über die Geschichte der Klützer Schützenzunft die Sammelbüchse rumgehen lassen. Viele Besucher unterstützen die Forderung.

„Auch wir sind auf den Zug aufgesprungen“, erklärt Wilfried Scharnweber, Vorsitzender des Grevesmühlener Heimatvereins. Denn auch dort hält man es für enorm wichtig, dass es eine Stelle gibt, wo die Schätze Mecklenburg-Vorpommerns der Öffentlichkeit präsentiert werden. Scharnweber denkt dabei auch an den Bildungsaspekt. Ins Schulsystem würde das nach seiner Ansicht ebenfalls hervorragend passen, um der jüngeren Generation auf diesem Gebiet etwas zu vermitteln.

Die Entscheidung zum Archäologischen Landesmuseum ist am Mittwochabend von der Rostocker Bürgerschaft vertagt worden. Es soll weiter mit der Landesregierung verhandelt worden. Das Landesmuseum ist ein Millionen-Projekt. Nachdem die Bürgerschaft die Entscheidung auf Mai vertagt hat, mehren sich die Stimmen, die es für fraglich halten, dass das neue Museum bis zur Bundesgartenschau 2025 fertig wird.

Insgesamt waren es 550 Euro, die der Klützer Heimatverein, der Grevesmühlener Heimatverein und der Verein für das Schönberger Volkskundemuseum sammelten. „Vielleicht können wir mit diesem Geld ein paar Planungsstunden bezahlen“, meint Hannes Palm mehr im Scherz. Dass der Betrag eher symbolischen Wert hat, das wissen die Protagonisten durchaus. Bewegen könne man mit dieser Summe natürlich nicht sehr viel. Aber es soll ein Aufruf an andere Vereine und Museen sein, sich mit für den Bau des Archäologischen Landesmuseums am Rostocker Stadthafen stark zu machen. Die Klützer, Grevesmühlener und Schönberger wollen für mehr Akzeptanz für dieses Bauvorhaben werben. „Bitte, fangt an“, so die Aufforderung von Schmoldt in Richtung der Politik, die Planungen voranzutreiben statt sie zu blockieren. Bei Baukosten und Beschäftigungszahlen kann man ja auch gerne mal über die Landesgrenze schauen. Um einen Vergleich zu haben, was anderswo möglich ist. Dirk Hoffmann

Dirk Hoffmann