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Nordwestmecklenburg Ost und West feiern Jahrestag des Mauerfalls
Lokales Nordwestmecklenburg Ost und West feiern Jahrestag des Mauerfalls
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14:04 12.10.2019
Ingrid Schatz (l.) und Dorid Kundrus von der Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup bereiten mit Karl-Heinz Kniep aus Selmsdorf das Fest zum 30. Jahrestag der Grenzöffnung vor. Quelle: Jürgen Lenz
Lübeck/Selmsdorf

Der Todesstreifen zwischen Ost und West wird zur Festmeile. Von Lübeck-Schlutup bis in den früheren Grenzstreifen bei Selmsdorf hinein feiern mehrere tausend Menschen den 30. Jahrestag des Mauerfalls. So plant es der Förderverein der Grenzdokumentationsstätte, die am 9. November 2004 in einer Dienststelle des bundesdeutschen Zolls eröffnete. Der Verein kündigt an: „Gemeinsam mit der Gemeinde Selmsdorf veranstalten wir ein großes Fest und die Mecklenburger Straße wird sich in eine Festmeile verwandeln.“

Grenzöffnung soll nicht vergessen werden

Warum gerade dort? „Wir sind hier dicht an der Grenze“, antwortet Dorid Kundrus, stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins. Lübeck war neben Berlin die einzige Großstadt, die am Rand des Eisernen Vorhangs lag. Die Vorsitzende Ingrid Schatz erklärt: „Die Bedeutung des 9. November darf nicht in Vergessenheit geraten. Wir wollen, dass man wieder daran denkt.“ Nie wieder dürfe es eine solche Grenze geben.

Zur Festmeile wird die Straße, die Lübeck-Schlutup (vorn) mit Selmsdorf verbindet. Quelle: Jürgen Lenz

Ein Wartburg hatte am 9. November 1989 um 21.53 Uhr als erstes Auto freie Fahrt von Selmsdorf nach Lübeck. Um dieselbe Uhrzeit verwandelt ein Höhenfeuerwerk am 30. Jahrestag des Mauerfalls den Himmel über der früheren Grenze in ein leuchtendes Kunstwerk. Danach setzen die Feuerwehren von Selmsdorf und Schlutup Wasser und Licht ein, um einen Regenbogen als Symbol der Hoffnung leuchten zu lassen.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wird zum Polittalk erwartet. Quelle: Rainer Jensen/dpa

Politischer Höhepunkt des dreitägigen Festes: eine öffentliche Diskussion mit der Schweriner Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), ihrem Kieler Kollegen Daniel Günther (CDU), dem Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) und dem Selmsdorfer Bürgermeister Marcus Kreft (SPD). Die Talkrunde über den Fall der Mauer und seine Folgen beginnt am Sonnabend, dem 9. November, um 12 Uhr im Festzelt.

Die Vorgeschichte: Schwesig und Günther trafen sich bereits am 29. Jahrestag. In Herrnburg sprachen sie mit Erwachsenen und Schülern. Die Ministerpräsidentin kündigte zuvor an: „Mir schweben Volksfeste an der ehemaligen Grenze vor. Gerade jetzt ist es so wichtig zu betonen, was wir in den Jahren nach dem Mauerfall alles erreicht haben.“

Bildergalerie: Plötzlich war die Grenzen offen

Fotos aus dem Zeitungsarchiv zeigen jubelnde Menschen und lange Autoschlangen in Lübeck und Selmsdorf.

Die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag beginnen am Freitag, dem 8. November. Zuerst unterhalten der Discjockey Frank Ackermann und eine Kindergesangsgruppe die Besucher am Nachmittag, anschließend spielt die Musikgruppe The Silvershadows ab 18 Uhr Oldies aus West und Ost.

Bischöfe kommen zu Gottesdienst

Zwischen Selmsdorf und Lübeck erinnert ein Schild an den Eisernen Vorhang, der Europa teilte. Quelle: Jürgen Lenz

Der zweite Festtag beginnt um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst. Erwartet werden Bischof Gothart Margaard aus Schleswig, Pastor Kai Schäfer aus Schlutup, Diakon Torsten Woest aus Selmsdorf, Bischof Tilman Jeremias aus Greifswald und der katholische Diakon Wolfgang Lenz aus Lübeck. Für den Nachmittag plant der Förderverein einen Trabi-Korso und eine Ausstellung mit Oldtimertreckern. In der Grenzdokumentationsstätte laufen zwei Filme: „Der Freischwimmer“ über die Flucht von Hans-Karl von Schnitzler über die Ostsee und die Dokumentation „Grenzenlos“ über die Ereignisse im November 1989 in Lübeck und Selmsdorf. „Wenn Zeit ist, werden wir noch einige andere Filme zeigen“, kündigt Ingrid Schatz an. Für Kinder würden, je nach Wetter, eine Hüpfburg oder ein Karussell ausgebaut. In jedem Fall sollen der Chor Möwenschiet und die Trave-Sänger auftreten. Ab 19 Uhr spielen die Thunderbirds zum Tanz auf.

Ein Frühschoppen mit dem Spielmannszug Rot-Weiß Moisling und dem Kinderchor Sweet Voices beginnt am Sonntag, dem 10. November, um 11 Uhr. Ab 14 Uhr spielt die Lübecker Band The Coasters.

In einem ehemaligen Zollgebäude ist die Grenzdokumentationsstätte untergebracht. Quelle: Jürgen Lenz

Förderverein betreibt Grenzdokumentationsstätte

Am 9. November 2004 eröffnete in einem ausgedienten Gebäude des Zolls und des Bundesgrenzschutzes die Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup. Ein Förderverein betreibt sie. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerungen an die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands zu bewahren und besonders das Bewusstsein junger Menschen dafür zu stärken. Die Dauerausstellung zeigt zahlreiche Gegenstände und Dokumente. Sonderausstellungen, Lesungen und Vorträge ergänzen das Programm. Geöffnet ist die Dokumentationsstätte in der Mecklenburger Straße 12 freitags und sonnabends von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Gruppen können sie nach telefonischer Vereinbarung unter der Nummer 0451 / 6933990 auch zu anderen Zeiten besuchen. Eintrittspreise: Erwachsene drei Euro, Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre zwei Euro.

Speisen und Getränke können auf der Festmeile gekauft werden. Die Mecklenburger Straße ist ab Freitagnachmittag bis Sonntag gesperrt. Parkplätze: im Selmsdorfer Gewerbegebiet „An der Trave“, in Schlutup gegenüber dem ehemaligen Kühne-Gelände im Palinger Weg und am Schlutuper Hafen.

Selmsdorf ist Mitglied im Förderverein

Der Selmdorfer Karl-Heinz Kniep hat dafür gesorgt, dass die Hansestadt Lübeck und der Landkreis Nordwestmecklenburg die verkehrsrechtlichen Anordnungen erteilen, die für das Fest nötig sind. Ingrid Schatz lobt: „Er hat uns sehr geholfen.“ Kniep ist Mitglied des Fördervereins – wie auch die Gemeinde Selmsdorf.

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Von Jürgen Lenz

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