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Nordwestmecklenburg Pflügen statt Pflanzenschutz: Landwirte in Nordwestmecklenburg setzen mehr auf Tradition
Lokales Nordwestmecklenburg

Pflügen statt Pflanzenschutz: Landwirte in NWM setzen mehr auf Tradition

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09:07 16.04.2021
Auf einem Acker zwischen Grevesmühlen und Warnow wird der Acker gepflügt. Möwen fliegen um die Traktoren.
Auf einem Acker zwischen Grevesmühlen und Warnow wird der Acker gepflügt. Möwen fliegen um die Traktoren. Quelle: Karl-Ernst Schmidt
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Grevesmühlen

Die Enttäuschung ist Pascal Sager, Marcel Fröhling und Florian Bahr ins Gesicht geschrieben. Sie hätten gerne am Leistungspflügen der Bauernverbände aus Westmecklenburg teilgenommen, aber schon zum zweiten Mal muss dieser 19. Wettbewerb wegen Corona abgesagt werden. Er hätte eigentlich schon im vergangenen Jahr in Brüsewitz stattfinden und viele Besucher anlocken sollen.

Wichtiges Event neben Erntedankfest

„Das ist eigentlich die zweitgrößte Publikumsveranstaltung neben dem Kreiserntedankfest, das eigentlich 2020 in Dorf Mecklenburg stattfinden sollte und auch abgesagt wurde. Wir hoffen in diesem Jahr zumindest etwas Kleines zu machen“, sagt Petra Böttcher, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg, der das Leistungspflügen gemeinsam mit den Bauernverbänden Parchim und Ludwigslust austrägt. Der Wettbewerb dient einerseits dazu, dass sich die Landwirte untereinander messen, aber auch und vor allem dem Austausch der Bauern mit ihren Kunden.

Das 19. Leistungspflügen der Bauernverbände aus Westmecklenburg muss zum zweiten Mal abgesagt werden. Landwirte v.l. Pascal Sager, Marcel Fröhling und Florian Bahr am Pflug sind enttäuscht. Ebenso Daniel Bohl, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg Quelle: Malte Behnk

2000 Besucher stellen Fragen

„Es ist ein großer Publikumsmagnet“, sagt Petra Böttcher. „Die Besucher kommen dann mit vielen Fragen.“ Die Landwirte informieren dann aus erster Hand über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, aber auch zur Tierhaltung oder zum Einsatz moderner Technik. Etwa 2000 Besucher kommen normalerweise zu dem Treffen, bei dem das Pflügen im Mittelpunkt steht.

Pflügen ist die Königsdisziplin

„Es ist im Ackerbau die Königsdisziplin“, sagt Daniel Bohl, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg. „Gutes Pflügen bedarf viel Übung und Erfahrung, weil der Pflug und die Pflugscharen richtig eingestellt sein müssen, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen.“ Schon kleine Fehler des Landwirts auf dem Traktor können die weitere Bearbeitung des Ackers schwieriger machen.

Daniel Bohl, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Nordwestmecklenburg, erklärt: „Der Trend geht wieder zum Pflügen, um unerwünschte Pflanzen zu entfernen.“ Quelle: Malte Behnk

Ersatz für Pflanzenschutzmittel

„Außerdem wird das Pflügen immer wichtiger, weil auch immer mehr Pflanzenschutzmittel vom Markt genommen werden“, sagt Petra Böttcher. „Es ist ja eine ganz alte Technik, um den Boden sauber zu halten und alte Kräuter aus dem Vorjahr zu entfernen. Die würden sonst für die Feldfrüchte eine Konkurrenz bilden“, sagt Daniel Bohl.

Umkehr eines Trends

Das mechanische Entfernen unerwünschter Pflanzen ist im Bio-Ackerbau gang und gäbe. „In der konventionellen Landwirtschaft ging der Trend eher weg vom Pflügen, weil sich so auch Verwehung leichter Böden verhindern lässt und der Arbeitsaufwand geringer ist“, sagt Bohl. Der Pflug gelte als das älteste Werkzeug zur Bodenbearbeitung, fügt Petra Böttcher hinzu. In Aurich wurde ein Pflug gefunden, der 3500 Jahre alt sein soll.

Ein Fußballfeld in 15 Minuten

Die Technik ist also bewährt und wird auch von großen Unternehmen wie dem Landwirtschaftsbetrieb Grevesmühlen auf seinen großen Flächen wieder eingesetzt. Die Modernen Traktoren und Pflüge sind mit dem historischen Gerät natürlich nicht zu vergleichen. „Wir schaffen etwa ein Fußballfeld in 15 Minuten“, sagt Marcel Fröhling. Er war schon zwölfmal beim Leistungspflügen als einer der 15 bis 20 Teilnehmer dabei. 2017 wurde er in Gadebusch Meister mit dem Drehpflug.

Möwen als Begleiter

Dass sie im Moment bei ihrer Arbeit auf dem Acker von einem Schwarm Möwen umkreist werden, die Käfer und Würmer aufpicken, stört Fröhling und seine Kollegen Pascal Sager und Florian Bahr weniger. „Die fliegen ja hinter uns, da sehen wir sie nicht so“, sagt Bahr. Etwas ist es aber doch wie auf einem Fischkutter auf der Ostsee.

Von Malte Behnk