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Nordwestmecklenburg Pötenitz: Wie ein neuer Verein sich für die Natur einsetzt
Lokales Nordwestmecklenburg

Pötenitz: Neuer Verein will Natur statt Ferienhäuser

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07:00 13.11.2020
Die Vorsitzende Susanne Küppers steht vor einer Wiese, die der Verein „Pro Natur Pötenitz“ vor dem Bau von Ferienhäusern schützen will. Quelle: Jürgen Lenz
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Pötenitz

Susanne Küppers wohnt gerne in Pötenitz. Sie sagt: „Wir haben eine große Artenvielfalt im Ort.“ Das soll nach Ansicht der Pötenitzerin auch so bleiben. Sie engagiert sich als Vorsitzende des neuen Vereins „Pro Natur Pötenitz“.

In diesem Moment steht sie neben einer Wiese am Pötenitzer Strandweg. Links und rechts sieht der Verein Probleme auf den Ort zukommen.

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Stadt will Bau von Ferienhäusern

Auf der einen Seite sieht der Flächennutzungsplan der Stadt Dassow den Bau von Ferienhäusern vor. „Die Stadt hat dort ihre Planungsziele definiert“, bestätigt Bürgermeisterin Annett Pahl (SPD).

Der Verein „Pro Natur Pötenitz“ ist gegen Ferienhäuser an dieser Stelle. Das macht er auf zwei Schildern klar, die am Rand der Wiese stehen: „Wir möchten diese Wiese für Pflanzen, Insekten und Tiere erhalten!“

Der Verein argumentiert: „Zahlreiche geschützte Tiere, wie der Europäische Feldhamster, Rotmilan, Seeadler, Zauneidechse, Gemeine Pelzbiene und zahlreiche Fledermausarten et cetera, brauchen diese Wiese.“ Sie solle nicht bebaut werden. Dafür spricht aus Sicht der Vorsitzenden auch der Wunsch von Einwohnern des Dorfes, die sich entspannen und Sport treiben wollen. Susanne Küppers sagt: „Es ist toll, hier an der Wiese spazieren zu gehen und zu joggen.“

Blickfang Herrenhaus: Neue Investoren sichern in Pötenitz das „Schloss“ genannte Anwesen gegen einen weiteren Verfall. Quelle: Jürgen Lenz

Mit Blick auf den Bau zahlreicher Ferienhäuser und -wohnungen auf dem benachbarten Priwall erklärt der Verein: „Nicht zuletzt möchten wir auch als Bürger von Pötenitz kein zweites Waterfront, das leider viel Natur und Artenvielfalt vernichtet hat.“ Die weitere Versiegelung von Landwirtschafts- und Ausgleichsflächen müsse gestoppt werden.

Der Verein will nach eigenem Bekunden durch einen Dialog mit den zuständigen Behörden erreichen, dass der Flächennutzungsplan und Bebauungspläne so gestaltet werden, dass Naturschutzgebiete eingerichtet und Naturdenkmäler, wie Knicks, Redder und einzelne Bäume, benannt werden. „Hierzu wird die in Pötenitz in direkter Nähe zum Dummersdorfer Ufer vorhandene Artenvielfalt untersucht, aufgenommen und dokumentiert werden“, kündigt der Verein an.

Kritik: „531 Gästebetten sind für Pötenitz viel zu viel.“

Ein Problem sehen die Mitglieder rechts des Strandwegs: Investoren planen auf dem früheren Gutsgelände Appartements, Ferienhäuser und Hotelzimmer mit insgesamt 531 Gästebetten. Das Ziel: „Denkmalgerechte Sanierung, Umbau und Erweiterung der Gutsanlage Pötenitz zu einem Hotel- und Appartementressort.“

Susanne Küppers sagt: „531 Gästebetten sind für Pötenitz viel zu viel. Man könnte das Projekt kleiner machen.“ Dann gebe es weniger Verkehr und Lärm im Ort.

Mitglieder des Vereins erklären, sie hätten nichts dagegen, wenn in Pötenitz eine touristische Infrastruktur und Arbeitsplätze geschaffen werden, aber: „Wir müssen darauf achten, dass keine zu dichte Bebauung erfolgt, die gegebenenfalls die Natur und die Tiere stört.“ Fledermäuse und andere Lebewesen dürften nicht in Gefahr gebracht werden, fordert der Verein.

Verein lehnt dreistöckige Neubauten ab

Er kritisiert, dass die Investoren rechts des Strandwegs dreistöckige Appartementhäuser bauen wollen. Susanne Küppers sagt: „Das werden riesige Klötze.“ Sie würden nicht zum Dorf passen. Abgesehen vom Gutshaus gebe es in Pötenitz nichts, das höher als zwei Etagen sei.

Nach Auskunft der Planer wird die Gestaltung der Appartementhäuser noch mit der Denkmalbehörde abgestimmt. Die Fassade solle mit Material gestaltet werden, das zur historischen Bausubstanz auf Gut Pötenitz passt.

Neben Susanne Küppers gehören drei Männer dem Vorstand des Vereins an: Wolfgang Brix, Dietmar Krause und Hans-Georg Gruber. Sie hoffen auf weitere Mitglieder. Interessenten können sich per E-Mail melden: info@pro-natur-pötenitz.de

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Von Jürgen Lenz