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Nordwestmecklenburg Premiere: Nachtwächterführung in Dassow
Lokales Nordwestmecklenburg Premiere: Nachtwächterführung in Dassow
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07:56 26.08.2019
Das erste Mal in Dassow: Burkhard Wunder (67) führt als Nachtwächter durch den alten Stadtkern. Quelle: Jürgen Lenz
Dassow

Neun Jahre führte Burkhard Wunder als Travemünder Nachtwächter Touristen durch den Badeort. Jetzt macht er das in Dassow. „Im Rahmen der 800-Jahr-Feier“, erklärte Burkhard Wunder, bevor er am Sonnabend die erste Nachtwächterführung in seiner Heimatstadt begann. Bei der Premiere versammelten sich 50 Frauen und Männer an der Altenteilerkate des Heimat- und Tourismusvereins Dassow „Tor zur Ostsee“, um sich von einem ortskundigen Nachtwächter den alten Stadtkern zeigen und erläutern zu lassen.

Gemeldet hatten sich noch mehr Interessenten. Der Vereinsvorsitzende Hans Espenschied berichtet: „Wir hatten so viele Anmeldungen, dass wir uns entschieden haben, das Ganze zu wiederholen. Für die nächste Woche habe ich auch schon 40 Anmeldungen.“ Dann verrät Hans Espenschied: „Ich hab’ jetzt richtig Gänsehaut, denn es ist so ein toller Erfolg für uns – vor allem für Burkhard.“ „Nun ja, für alle“, gibt der Nachtwächter zurück.

Ein Erfolg ist die Nachtwächterführung in Dassow nicht nur wegen der enormen Nachfrage, die die Mitglieder des Heimat- und Tourismusvereins so gar nicht erwartet hatten. Ein Erfolg ist sie vor allem wegen Burkhard Wunders gekonnter Art, Informationen mit Unterhaltung zu vermählen. „Er macht es super“ und „Toll!“ sagen viele, die mit ihm durch Dassower gegangen sind. Sie hatten viel zu lachen.

Wunder war stilecht gekleidet. Vor dem kurzweiligen Rundgang durch den alten Stadtkern pustete er in ein Horn, zeigte auf den Kirchturm und reimte: „Die Nachtruhe beginnt um zehn, bis dahin kann noch viel gescheh’n.“ Der Nachtwächter erzählte in den nächsten Stunden viel Geschichtliches, sprach über das Postwesen und alte Frachtwege, zeigte, wo in früheren Zeiten der „Stinkbüddelgang“ war, wo die Apotheke, wo die Post, wo der „Kaiserhof“ mit seinem Kinosaal. Dann schilderte Wunder schelmisch, warum er seine Karriere als Nachtwächter 1903 fürs Erste beendete. In dem Jahr gründeten die Dassower ihre freiwillige Feuerwehr. Von da an übernahm sie den Brandschutz. Vorher soll der Nachtwächter einer schönen Geschichte zufolge durch die Stadt gegangen sein, um überall nach dem Rechten zu sehen und zu verhindern, dass sich ein Feuer ausbreiten kann.

Zweite Chance

Eine weitere Führung mit Burkhard Wunder bietet der Heimat- und Tourismusverein Dassow am Sonnabend, dem 31. August, um 20.30 Uhr an. Interessenten treffen sich mit dem Nachtwächter an der Altenteilerkate, Lübecker Straße 74. Sie ist vor und nach der Führung geöffnet. Weil der Verein bereits zahlreiche Anmeldungen für den zweiten Termin hat, bittet der Vorsitzende Hans Espenschied alle, die mitkommen wollen, sich möglichst bald bei ihm zu melden: per E-Mail info@dassow-tourismus.de oder telefonisch 03 88 26 / 97 40 12, mobil 01 76 / 50 01 55 84.

Jetzt steht Burkhard Wunder auf dem Platz neben dem „Volkshaus“ und sagt: „Wir sind mitten im Weißen Schwan.“ Das war eine von vielen Gaststätten, die in früheren Zeiten in Dassow öffneten. Das nächste Lokal war gleich nebenan, „Callies Gasthaus“. Der „Weiße Schwan“ wurde zur DDR-Zeit abgerissen, der „Lindenkrug“ ebenfalls und „Callies Gasthaus“ wurde zum „Volkshaus“.

Immer wieder lockert der Nachtwächter seine Berichte aus der Geschichte Dassow mit Witzen auf. Die Runde der Zuhörer ist ebenso locker. Drei Männer haben etwas dabei, das man „Wegbier“ nennt – auch bekannt als „Fußpils.“

Später erzählt Burkhard Wunder, wie das Ehepaar Luckmann 1827 ihr Haus anzündete, um die Versicherungsprämie zu kassieren und mit dem Geld ein neues Eigenheim zu bauen. Das Feuer griff dummerweise auf die ganze Nachbarschaft über, sodass am Ende ein halber Straßenzug abfackelte. Die beiden Täter wurden gefasst. „Sie kam 14 Jahre ins Zuchthaus, er 17 Jahre“, erzählt Burkhard Wunder. Dann ergänzt er schmunzelnd: „Aber da waren sie auch in Logis. Mit dem neuen Haus ist das allerdings nichts geworden.“ Der Nachtwächter berichtet, dass die Häuser in der Lübecker Straße nach dem Brand neu gebaut wurden.

Jetzt hat sich die Dunkelheit über die Stadt gesenkt. Im Detail ist nicht mehr alles zu erkennen. Umso mehr leuchten die Bilder der Vergangenheit, die Burkhard Wunder vor das innere Auge seiner Zuschauer malt. Letzte Station der Nachtführung ist die Kirche. Frauen und Männer, die mitgingen, sind begeistert.

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Von Jürgen Lenz

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