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Nordwestmecklenburg Questiner wollen keine Windräder
Lokales Nordwestmecklenburg Questiner wollen keine Windräder
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10:41 18.08.2018
Die Aussicht von einer der vier Testanlagen, die bei Questin stehen. Eine davon gehört inzwischen den Stadtwerken. Quelle: Fotos: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Questin

Sonderlich viel Vertrauen in gesetzliche Regelungen haben die Einwohner von Questin, einem Ortsteil von Grevesmühlen, nicht mehr. Ein Grund dafür sind die vier Windkraftanlagen, die in Sichtweite vor ihren Häusern stehen. Vier Stück insgesamt, gegen den Widerstand der Kommune und der Anwohner vor etlichen Jahren als sogenanntes Testfeld errichtet. Ein Zielabweichungsverfahren hatte die Hintertür geöffnet, damit der Anlagenbauer Kenersys sich in Wismar ansiedeln konnte. Die Anlagen, so versicherte man den Anwohnern damals, würden zu reinen Testzwecken genutzt. Nur deshalb dürften sie dort stehen.

Zwischen dem Ort und Grevesmühlen könnten Windkraftanlagen entstehen.

Termin

Die Verbandsversammlung des

Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg findet am Mittwoch, 22. August, um 17 Uhr im

Bürgerschaftssaal in Wismar statt. Die Veranstaltung ist öffentlich, eine Einwohnerfragestunde steht unter Punkt 6 der Tagesordnung.

Kenersys ist längst Geschichte, getestet beziehungsweise gemessen wird hier schon längst nichts mehr. Die Anlagen sind verkauft, eine haben die Grevesmühlener Stadtwerke übernommen. Dass der eigentliche Bestimmungszweck der Anlage längst Vergangenheit ist, die Windräder damit illegal – das ist der Grund, weshalb die Questiner kritisch mit der Sache umgehen. Denn die Anlagen bleiben stehen. Eine wirklich nachvollziehbare Erklärung dafür gab es nie.

Und nun der nächste Schock: Urplötzlich taucht Questin in den Plänen des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg als mögliches Windeignungsgebiet auf. Am kommenden Mittwoch entscheiden die Mitglieder des Verbandes darüber, ob der Plan so weiterentwickelt wird.

Die Questiner sind sauer, haben 550 Unterschriften gegen die Ausweisung des Windeignungsgebietes gesammelt. „Das verstehen wir nicht, als damals die Testanlagen gebaut wurden, hat man uns versichert, dass damit das Thema beendet ist“, sagt Jan Hering aus Questin. Zusammen mit einigen anderen Bewohnern war er zur Sitzung des Bauausschusses gekommen, um seinem Ärger Luft zu machen. Und davon hat sich eine ganze Menge aufgestaut. „Wir sind alle für erneuerbare Energien, aber keiner will die Dinger direkt vor seiner Haustür haben.“ Vor allem bei Ostwind seien die Geräusche der Rotorblätter extrem. „Und wir haben auch das Gefühl, dass die Anlage den Lärm, der von der Autobahn kommt, noch verstärkt. Es ist eine Belastung für alle Anwohner.“

Die Questinerin Helgrit Ertel kämpft seit Jahren für bessere Lebensumstände in dem kleinen Dorf. Sie berichtet, dass vor zwei Wochen ein Rotmilan durch eine der Anlagen zu Tode gekommen sei. Der Vogel gehört zu den geschützten Tierarten, sein Vorkommen würde die Ausweisung der Windeignungsgebiete zumindest erschweren.

Dass Questin plötzlich als mögliches Windeignungsgebiet ausgewiesen werden soll, habe laut Bürgermeister Lars Prahler – selbst Mitglied im Regionalen Planungsverband – damit zu tun, dass die Abstandsregelungen sich verändert hätten. So wurden die Mindestabstände von Windrädern zu Einzelgehöften auf 800 Meter reduziert, zu Ortschaften müssen 1000 Meter eingehalten werden. „Dadurch ist in den Plänen das Gebiet bei Questin aufgetaucht, das ist der einzige Grund. Ich kann Ihnen nur raten, dass Sie die Beschwerden und Hinweise öffentlich machen beim Planungsverband. Das ist der einzige Weg, um etwas zu verändern. Zu sagen, wir wollen die Dinger nicht, bringt gar nichts.“ Bis vor einigen Wochen war ein Areal bei Santow noch als mögliches Windeignungsgebiet im Gespräch, dieses Gebiet ist nun aus den Plänen verschwunden. Die Questiner vermuten, dass die Proteste der Einwohner und der Gemeinde dafür verantwortlich seien. „Das kann ich nicht bestätigen“, so Prahler: „Ich weiß nur, dass die Untere Naturschutzbehörde in der Nähe des Areals bei Santow eine schützenswerte Vogelart registriert hat. Dadurch hat sich das Gebiet so verkleinert, dass es nicht die erforderliche Größe hatte.“ Deshalb gäbe es das Areal bei Santow nicht mehr.

Michael Prochnow

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