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Nordwestmecklenburg Wie diese Rentnerin für Sauberkeit und Ordnung in Dassow sorgt
Lokales Nordwestmecklenburg

Rentnerin in Dassow sorgt für Sauberkeit und Ordnung

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07:00 28.07.2020
Regine Steiger (70) sitzt gerne mit ihrem Hund vor dem Denkmal, an dem sie für Ordnung und Sauberkeit gesorgt hat. Quelle: Jürgen Lenz
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Dassow

Regine Steiger war tief berührt, als sie sah, wie es rings um das Kriegerdenkmal in Dassow aussah. „Ich war entsetzt“, berichtet die 70-Jährige, die in der Stadt geboren wurde und aufgewachsen ist. Überall wucherte Unkraut, Äste lagen herum. Darüber hat sich Regine Steiger nicht nur geärgert. Sie hat gehandelt. Mit Unterstützung einiger Helfer hat sie am Kriegerdenkmal für Sauberkeit und Ordnung gesorgt.

Warum macht sie das? „Ich will etwas Sinnvolles tun“, antwortet Regine Steiger. Sie engagiert sich bereits für den DRK-Blutspendedienst. In diesem Jahr kann sie das bisher nicht – wegen Corona. Sie ist froh, dass sie etwas anderes gefunden hat.

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Die Pandemie kommt ihr am Kriegerdenkmal nicht in die Quere. Sie berichtet: „Hier konnte man arbeiten – ohne Mundschutz und alles.“ Enkel Sönke Gerndt half ihr. „Wir mussten sogar mit Spaten einige Stauden rausreißen“, berichtet Regine Steiger. Am Ende waren über 30 Müllsäcke mit Unkraut, Unrat und Ästen gefüllt. Stadtarbeiter haben sie abgeholt. „Sie haben auch den Weg frei gemacht“, lobt die Rentnerin. Sie hat Verständnis dafür, dass die Beschäftigten der Stadt nicht regelmäßig für Ordnung und Sauberkeit am Kriegerdenkmal sorgen können. Dafür reiche die Arbeitszeit nicht. Und trotzdem: „Die Stadt sollte sich mehr drum kümmern.“ Und das nicht nur am Kriegerdenkmal, sagt Regine Steiger. Auch an anderen Stellen in Dassow lasse die Sauberkeit zu wünschen übrig.

„Wenn jeder mithelfen würde, wäre es gut.“

Regine Steiger will die Verantwortung für Sauberkeit und Ordnung aber nicht einfach auf die Kommune abwälzen. Sie betont: „Wenn jeder mithelfen würde, wäre es gut.“

Auf dem Friedhof erinnert ein anderes Denkmal an Opfer des Zweiten Weltkriegs. Auch hier engagiert sich Regine Steiger. Quelle: Jürgen Lenz

Es ist ein schönes Fleckchen Erde, auf dem Dassower nach dem Ersten Weltkrieg das Denkmal errichteten und Bäume pflanzten. „Ich gehe jeden Tag hierher“, erzählt Marianne Dankert (69), die in der Nähe wohnt. Sie sagt, schön wäre, wenn der alte Spazierweg wieder hergerichtet würde, der einst vom Denkmal in Richtung B 105 führte. Marianne Dankert ist sich sicher: „Ich denke, da würden sich viele drüber freuen.“

Wunderbarer Blick über den Dassower See

In früheren Zeiten standen Bänke und schöne Pflanzen an dem Weg. Regine Steiger schwärmt: „Man hatte einen wunderbaren Blick auf den See.“ Sie bedauert, dass der Weg in den letzten Jahrzehnten zugewachsen ist.

Die beiden Dassowerinnen wissen: Das Denkmal war in früheren Zeiten ein beliebter Treffpunkt. Regine Steiger verrät, für wen: „Für Liebespaare. Die ersten Stelldichein hatten wir hier.“ Das Denkmal liegt schön, aber etwas außerhalb der Stadt, so dass nicht mit unerwünschten Beobachtern zu rechnen war. Die Stelle war aber auch bei jüngeren Dassowern beliebt. Regine Steiger erzählt: „Unsere Kinder haben hier viel gespielt.“

Eine historische Ansichtskarte zeigt das Kriegerdenkmal im Jahr 1938. Quelle: Jürgen Lenz

Einige Arbeiten am Denkmal sind noch zu erledigen: schwere Steine auf ihre alten Platz hieven, Erde auffüllen, Äste schneiden. Das können Regine Steiger und ihre Helfer nicht leisten. Sie hoffen, dass auch diese Arbeiten erledigt werden.

Lob für Pflege eines Gedenksteins

Regine Steiger lobt Dieter Jürß, der sich um die Pflege eines anderen Denkmals in Dassow kümmert: „Das macht er wirklich ganz toll.“ Der Gedenkstein erinnert an den polnischen Kriegsgefangenen Francizek Kubik.

Gefangener aus Polen gehängt

Im Kriegsjahr 1941 lebte der polnische Kriegsgefangene Francizek Kubik in Dassow. Ihm wurde vorgeworfen, sich mit einem deutschen Mädchen eingelassen zu haben. Zwangsarbeiter aus der Stadt und der ganzen Umgebung wurden zusammengetrieben, um miterleben zu müssen, wie Francizek Kubik an einem Baum erhängt wurde. Deutsche hatten die Männer und Frauen zuvor aus Osteuropa verschleppt. An einem Gedenkstein für Francizek Kubik legen politische Vertreter von Dassow alljährlich am Volkstrauertag Blumen nieder. Der Gedenkstein steht ebenso unter Denkmalschutz wie die beiden Denkmale auf dem Friedhof in Dassow, die an Opfer des Ersten Weltkriegs erinnern.

Regine Steiger ist mit ihrem Einsatz für Sauberkeit und Ordnung noch nicht fertig. Zurzeit säubert sie zusammen mit einigen Helfern Denkmale und Gräber auf dem Friedhof in Dassow, die an Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern. Das besondere ehrenamtliche Engagement für die Heimatstadt geht weiter.

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Von Jürgen Lenz