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Nordwestmecklenburg Einsatzgruppe braucht mehr als 270 Ehrenamtler
Lokales Nordwestmecklenburg Einsatzgruppe braucht mehr als 270 Ehrenamtler
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09:20 21.03.2019
Medical Task Force Grevesmühlen Quelle: Michael Prochnow
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Grevesmühlen

Eine Reaktion der Bundesregierung auf die Terroranschläge vom 9. September 2001 war es, die sogenannte Medical Task Force, kurz MTF, einzurichten. Im ganzen Bundesgebiet sind die medizinischen Einsatzgruppen verteilt, 53 gibt es inzwischen davon, drei in Mecklenburg-Vorpommern. Eine führt das DRK in Grevesmühlen, die beiden anderen befinden sich in Grimmen und Neustrelitz. Dirk Killmermann, Chefarzt für Notfallmedizin am örtlichen Krankenhaus, ist der Abteilungsführer, der insgesamt 138 Mann (und Frau) starken Gruppe in Grevesmühlen. „Im Grunde genommen sind wir nichts anderes als ein mobiles Krankenhaus, das innerhalb weniger Stunden ausrücken kann und vor Ort alle notwendigen Leistungen bringen kann, die für die Erstversorgung gebraucht werden.“ Der Ernstfall, das sind neben Terroranschlägen vor allem sogenannte „MANV“ (Massenanfall von Verletzten), das heißt, wenn allein die örtlichen Rettungskräfte die Situation nicht mehr bewältigen können.

Dirk Killermann, Abteilungsführer der MTF Grevesmühlen Quelle: Plottke Lennart

Sollte ein solcher Katastrophenfall ausgerufen werden, dann greift ein festgelegter Notfallplan. Der sieht beispielsweise vor, dass – sollte Westmecklenburg betroffen sein – Dirk Killermann und sein Team die Helme im Schrank und die Fahrzeuge in der Garage lassen. Denn die ehrenamtlichen Mitglieder der MTF bestehen zu einem erheblichen Teil aus Mitarbeitern und Mitgliedern des DRK, sind sowohl im Grevesmühlener Krankenhaus als auch beim Kreisverband Nordwestmecklenburg angestellt. „Es nützt gar nichts, wenn wir ausrücken würden, dann aber die Leute in unserem Krankenhaus fehlen, dass dann den Massenanfall von Verletzten versorgen muss. Also kommen dann jene Einheiten zum Einsatz, die in unmittelbarer Nähe liegen“, erklärt der Chefarzt. Dann würden beispielsweise die MTF aus Schleswig-Holstein und/oder Neustrelitz anrücken.

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Seit 2013, damals erhielt das DRK den Auftrag für Mecklenburg-Vorpommern, wird die MTF in und um Grevesmühlen schrittweise auf- und ausgebaut. Zwei große Probleme gibt es dabei zu bewältigen. Denn die festgelegte Zahl der ehrenamtlich tätigen Mitglieder der MTF liegt bei genau 138. „Und weil jede Funktion doppelt besetzt sein muss, brauchen wir insgesamt 276 Leute“, so Dirk Killermann. „Die erste Besetzung haben wir, aber bis wir bei der endgültigen Zahl sind, dürfte es noch eine Weile dauern.“ Das zweite Problem: Es fehlen auch noch einige Fahrzeuge, 26 sollen es insgesamt werden, wenn die Ausrüstung vollständig ist. Denn die Spezialanfertigungen vor allem für die Logistik werden bundesweit benötigt, entsprechend lang sind die Wartezeiten auf die Fahrzeuge. Grevesmühlen fehlt bislang noch der Logistikzug. Und noch ist unklar, wenn der entsprechende Lkw, der dann unter anderem für eine autarke Energieversorgung des mobilen Krankenhauses – das übrigens 50 Patienten pro Stunde versorgen könnte – sorgt, geliefert wird.

MTF-Übung Quelle: Plottke Lennart

Eine Besonderheit der MTF ist es, dass bundesweit einheitliche Standards für Ausrüstung, Ausbildung und die Abläufe gelten. Wie Dirk Killermann erläutert, sei genau vorgeschrieben, wie die einzelnen Zelte bei den Einsätzen aufgestellt und ausgerüstet würden. „So kann jede Einheit in jedem Einsatzort sofort loslegen, wenn es zum Ernstfall kommt. Niemand muss lange fragen, in welchem Zelt die Erstversorgung oder die Aufnahme stattfindet und wo welche Ausrüstung gelagert wird.“ Das verlangt allerdings nicht nur Disziplin sondern auch jede Menge Übung. Regelmäßig treffen sich die Mitglieder zu Schulungen, mindestens einmal im Jahr gibt es eine große Übung.

Wie der Abteilungsleiter zudem erläutert, würden auch Einheiten außerhalb des DRK zur MTF gehören. „Wir können nicht alles abdecken, deshalb ist beispielsweise die Berufsfeuerwehr Schwerin ebenfalls mit dabei. Sie kümmert sich um die Dekontamination von Verletzten im Ernstfall.“ Bedeutet: Würde es im Ernstfall dazu kommen, dass Menschen nicht nur verletzt sondern beispielsweise durch Giftstoffe belastet sind, müssten die Patienten dekontaminiert werden. Diesen Job übernehmen dann die Spezialisten der Feuerwehr, dann würden die Teams der MTF aus Grevesmühlen eingreifen.

Mitmachen:

Es werden nach wie vor ehrenamtliche Helfer für die MTF in Grevesmühlen gesucht. Wie Dirk Killermann erklärt, gebe es die vielfältigsten Aufgaben vom Techniker über die Logistik bis hin zum medizinischen Personal. Bei Interesse können sich Freiwillige im DRK-Krankenhaus in Grevesmühlen melden, dort gibt es alle weiteren Informationen.

Michael Prochnow