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Nordwestmecklenburg „Schönbarg, Ik heff Di geern“
Lokales Nordwestmecklenburg „Schönbarg, Ik heff Di geern“
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20:10 08.10.2015
Hans-Joachim Höhne trug sein Gedicht „För Schönbarg“ auf Platt vor, links die Schönberger Stadtvertreterin Annette Behr.
Ratzeburg

Im kleinen, aber feinen Rahmen begingen die Stadtoberen von Ratzeburg und dem mecklenburgischen Schönberg ihre „Silberhochzeit“ in der Jugendherberge am Ratzeburger See. Rund 100 Gäste waren schriftlich eingeladen worden, etwa 60 Adressaten folgten diesem Angebot.

Angesichts der vielen Treffen und Feierlichkeiten im vergangenen Jahr zum 25-jährigen Mauerfall und in diesem Jahr zum Vierteljahrhundert deutscher Wieder-Einigkeit könnte man ein erlahmendes Interesse bei dem Durchschnittsbürger vielleicht verstehen. Doch warum sämtliche gewählten Stadtvertreter der Freien Ratzeburger Wähler, der FDP, der Grünen und der Linken fehlten und von der SPD lediglich „Außenministerin“ Bärbel Kersten zugegen war, blieb vielen Anwesenden ein Rätsel. Dagegen zeigte sich die Ratzeburger Ratsfraktion der CDU mit mehreren Vertretern engagierter.

Immerhin waren aus der Geschwisterstadt Schönberg noch einige politische Vertreter mitgekommen. Stellvertretend für sie durfte sich Annette Behr (CDU) ein kleines Liebesgedicht auf Platt vom Ratzeburger Hans-Joachim Höhne anhören. Darin heißt es augenzwinkernd auch auf die anderen Städtepartnerschaften Ratzeburgs anspielend: „Schönbarg, pass up! Ik gäft ja to, heff af un an ‘n anner Fro:

Esneux, Walcourt, Ribe orrer Chatillon. Man harr‘k ok noch so väl davon, Du bliffst doch mine Leevste — du!“

Unter der Moderation von Stadtarchivar Christian Lopau, der zuvor einen kurzen Überblick über das Jahr zwischen dem Grenzfall im Herbst 1989 und der Städtepartnerschaft am 7. Oktober 1990 gegeben hatte, versuchten sich sechs Zeitzeugen beider Städte an einer Bestandsaufnahme: der ehemalige Inhaber und Chef des Ratzeburger Kaufhauses Mohr, Klaus-Jürgen Mohr, der damalige Bundesgrenzschützer und heutige Ratzeburger Bürgervorsteher Ottfried Feußner, der Leiter des Volkskunde-Museums Schönberg, Olaf Both, der Schönberger Bürgermeister Lutz Götze (SPD-Fraktion), der Ratzeburger Domprobst Gert-Axel Reuß und der Schönberger Pastor im Ruhestand Dietrich Voß. Alle schilderten ihre Eindrücke jener Tage, als die beiden Deutschlands wieder zusammenkamen und wie sie sie erlebten. Besonders ergreifend erzählte Dietrich Voß vom gemeinsamen Weihnachtsgottesdienst in Ratzeburg vom 23. auf den 24. Dezember 1989: „Für uns war es das Ereignis der deutschen Einheit, als wir im Stehen ,Nun danket alle Gott‘ sangen“.

Als Wunsch für die Zukunft betonten alle Podiumsredner, die gemeinsame Basis „auf der Schiene von Kultur und Klubs, seien es Karnickel- oder Fußballvereine“ (Lutz Götze) zu nutzen und zu verbreitern.

Ottfried Feußner freute sich bereits auf das nächste Bürgerfest in Ratzeburg, für das die Schönberger Stadtvertreter bereits ihre erneute Teilnahme zugesagt hatten. Museumschef Olaf Both hofft, mit Hilfe der Partnerstadt die Region zwischen und um die beiden Städte besser touristisch zu vermarkten.

Für die musikalische Umrahmung sorgte das Ratzeburger Vokalensemble unter der Leitung von Holger Martens am Anfang und am Ende der Veranstaltung. Im Mittelteil sangen „For you“, ein junges vierköpfiges Ensemble, und anschließend das Trio „Blackout“ unter der Leitung der Schönbergerin Brita Rehsöft. Als Schlusspunkt schmetterte das Ratzeburger Vokalensemble noch zwei Stücke. Beim allerletzten Lied, beeilte sich Martens zuvor zu erklären, handele es sich keineswegs um eine Spitze gegenüber der ehemaligen DDR-Mangelwirtschaft. Das habe ihm auch eine Sängerin versichert, die selbst aus dem Osten kam. Und so huben sie an und sangen unter dem freudigen Beifall der Gäste: „Ausgerechnet Bananen — Bananen verlangt sie von mir“!

Wofür Erinnerung?
Andreas Wagner, Projektleiter des Grenzhus Schlagsdorf, ging in seinem 15-minütigen Vortrag auf die 25 Jahre neu gewonnener Einheit Deutschlands und die Frage „Wofür brauchen wir die Erinnerung?“ ein. Sein Fazit: „Die Art und Weise der Wiedervereinigung — ein freudiges Ereignis und unerwartetes Geschenk — hat nicht nur uns verändert, sondern auch die Außenwahrnehmung.“ Das belegte er mit der Aussage eines ehemaligen Praktikanten aus Dänemark, der früher Deutschland zuerst als Besatzungsmacht in Erinnerung hatte, heute aber das Nachbarland als offenes und tolerantes Vorbild für viele seiner Landsleute sieht.

Joachim Strunk

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