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Nordwestmecklenburg Schönberg: Gruppe zeigt Wege aus der Depression
Lokales Nordwestmecklenburg Schönberg: Gruppe zeigt Wege aus der Depression
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08:33 20.08.2019
Frank Belde (46, r.) und Dietmar Kolbus (53) leiten die Selbsthilfegruppe "Wege aus der Depression". Sie trifft sich im Katharinenhaus in Schönberg. Quelle: Jürgen Lenz
Schönberg

Hilfreiche Hinweise geben, Erfahrungen austauschen, Freizeitaktivitäten anstoßen, informieren: All das macht eine noch junge Gemeinschaft in Schönberg. Die Selbsthilfegruppe „Wege aus der Depression“ trifft sich alle vier Wochen. „Bedarf gibt’s genug“, erklärt Dietmar Kolbus, einer der beiden Männer, die die Gruppe gegründet haben und leiten. Der andere, Frank Belde, bestätigt: „Der Bedarf ist definitiv da.“

Aus Stadt und Umgebung kommen Frauen und Männer zusammen. „Es geht quer durch alle soziale Schichten“, erläutert Dietmar Kolbus. Das Alter ist sehr unterschiedlich. Depressionen betreffen viele Menschen – auch junge. Die Älteste in der Gruppe ist Ende 80.

Viele Angehörige sind indirekt betroffen

Aber nicht nur Betroffene treffen sich alle vier Wochen. Dabei sind auch Angehörige und andere Interessierte, die Depression als Erkrankung verstehen möchten. Viele Menschen sind indirekt betroffen. Wenn jemand an Depressionen erkrankt, dann steht die ganze Familie vor einer Herausforderung. Die Methoden, damit sinnvoll umzugehen, sind nach den Erfahrungen der beiden Gruppenleiter unterschiedlich, denn: „Jeder Mensch ist anders.“ Ein Thema, das bei den Treffen angesprochen wird: Erfahrungen mit Medikamenten. Auch deren Wirkung ist nicht immer gleich.

Weit verbreitet und häufig unterschätzt

Depressive Störungen gehören zu den verbreitetsten Erkrankungen – und zu denen, deren Schwere am häufigsten unterschätzt wird. Etwa jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe seines Lebens betroffen. Schätzungen zufolge leiden weltweit etwa 350 Millionen Menschen unter einer Depression. Die Erkrankung unterscheidet sich von Mensch zu Mensch stark in der Form, der Schwere und dem Verlauf. Wird eine Depression frühzeitig erkannt, ist sie in den meisten Fällen gut zu behandeln. Fachleute warnen davor, sie „mit sich selbst“ ausmachen zu wollen. Depressionen sind die häufigsten Ursachen für eine Selbsttötung. Zur Therapie gibt es psychotherapeutische Behandlungen, Medikamente und andere unterstützende Maßnahmen, zu denen auch Selbsthilfegruppen gehören.

Aber ganz egal, ob in der Gruppe über dieses Thema gesprochen wird oder über ein anderes, klar ist jedem: Nichts Persönliches wird nach außen getragen. Frank Belde betont: „Das empfinden wir als eine sehr, sehr wichtige Regel.“ Wer dabei sein möchte, unterschreibt eine entsprechende Vereinbarung.

Alles andere ist freiwillig. Dietmar Kolbus erklärt: „Wer etwas erzählen will, erzählt etwas, wer es nicht will, macht es nicht.“ Allerdings haben die beiden Gründer der Gruppe die Erfahrung gemacht: Wenn man über das redet, was einen bewegt, geht es einem schon etwas besser. Doch eine Pflicht ist das ebenso wenig wie ein regelmäßiger Besuch der Treffen. Deshalb steht nie vorher fest, wie viele Betroffene und Interessierte kommen werden. Die Anzahl schwankt.

Tabuisierung der Krankheit entgegenwirken

Jedem Neuen, der dazustößt, stellt sich die Gruppe vor. Dann wird gefragt, ob jemand etwas hat, über das er sprechen will. Wenn gewünscht, bekommt er – oder sie – auch Hinweise, wo und wie man Hilfe bekommt. Die Leiter der Gruppe sehen sich auch als Vermittler. Was ihnen ebenso am Herzen liegt: einer Tabuisierung der Depressionen entgegenwirken. Frank Belde betont: „Depression ist eine anerkannte Krankheit. Viele leiden darunter.“

Dietmar Kolbus erläutert: „Auch Ärzte wissen, dass es ein wichtiges Thema ist.“ Deshalb waren Mediziner und Apotheker sofort bereit, als es darum ging, Informationszettel über die Selbsthilfegruppe auszuhängen.

Starthilfe bei „Licht im Dunkel“

Auf offene Türen stießen die Gründer auch in der Kirchengemeinde Schönberg, wo sie sich seit einiger Zeit ehrenamtlich engagieren. Den Anfang machte ein Themenabend „Wege aus der Depression“. Zu ihm lud die Gemeinde im Januar ein. Dietmar Kolbus und Frank Belde holten den Referenten Ben Neumann nach Schönberg. „Der Vortrag war sehr gut besucht“, berichtet Dietmar Kolbus. Dann entstand der Gedanke: Mit dem Themenabend soll es nicht vorbei sein. Es soll weitergehen. Nach einiger Zeit wurde die Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen. Um sich Anregungen und Tipps zu holen, besuchten die Gründer vorher in Grevesmühlen eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit psychischen Handicaps. Die Gruppe „Licht im Dunkel“ existiert bereits seit längerer Zeit.

„Lachen statt Grübeln“

Die noch junge Gemeinschaft in Schönberg will Freizeitaktivitäten anstoßen und dabei helfen, Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Dieter Kolbus erklärt: „Es geht auch darum, Gründe zu schaffen, sich nicht im eigenen Kämmerlein zu vergraben.“ Möglich ist, dass sich ein Teil der Gruppe außerhalb der regelmäßigen Treffen zu einer bestimmten Freizeitaktivität trifft und ein zweiter etwas anderes macht. Die Teilnehmer sind für Ideen offen. Einer ihrer Wahlsprüche lautet: „Lachen statt grübeln.“

Die Selbsthilfegruppe „Wege aus der Depression“ trifft sich alle vier Wochen dienstags um 18 Uhr im Erdgeschoss des Katharinenhauses am Kirchplatz. Die nächsten Termine sind der 27. August und der 24. September. Auf Wunsch kann vorher ein Gespräch unter vier Augen vereinbart werden. Telefonisch ist die Gruppe unter der Nummer 038872/584713 zu erreichen, per E-Mail unter serotonin@online.de.

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Von Jürgen Lenz

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