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Nordwestmecklenburg Schöner Wohnen in Nordwestmecklenburg: Wie Handwerker vom Trend profitieren
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Schöner Wohnen in Nordwestmecklenburg: Handwerker profitieren vom Trend

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18:03 13.01.2022
Heike Bolz (56) führt in Grevesmühlen die 1992 gegründete Firma Raumausstattung Runge.
Heike Bolz (56) führt in Grevesmühlen die 1992 gegründete Firma Raumausstattung Runge. Quelle: Jürgen Lenz
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Grevesmühlen

Corona-Krise? Welche Corona-Krise? „Wir haben unfassbar viel zu tun“, sagt Heike Bolz, Inhaberin der Firma Raumausstattung Runge in Grevesmühlen. Über die Auftragslage kann sie sich nicht beklagen. Menschen wollen es sich zu Hause und im Urlaub schön und gemütlich machen.

Trendforscher beschreiben den Trend als Cocooning. Das Wort stammt aus dem Englischen „to cocoon“, was so viel bedeutet wie „sich in einen Kokon einspinnen.“ Das geschieht seit Beginn der Corona-Zeit von selbst. Veranstaltungen und Reisen ins Ausland fallen aus, der Besuch von Gaststätten wird erschwert. Bleiben das Zuhause und die Urlaubsunterkunft in Deutschland. Hinzu kommt die Neigung der Deutschen, viel Geld fürs Wohnen auszugeben. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft fließen 26,8 Prozent ihrer Konsumausgaben in die Wohnung einschließlich Hausrat und Nebenkosten.

Zum Cocooning passt eine Erfahrung, die Heike Bolz in Grevesmühlen macht: „Wir haben in letzter Zeit häufig Gardinen verkauft.“ Viele Aufträge bekommt ihr 1992 von Vater Jochen Runge gegründeter Betrieb von Besitzern von Ferienwohnungen in Boltenhagen. Die Eigentümer nutzen besonders die Zeit, in denen die Wohnungen nicht belegt werden können. Dann werden sie aufgehübscht. Die Besitzer beauftragen Raumausstatter und Maler, tauschen aber auch Möbel gegen neue, schönere aus.

„Viele haben sich auf unseren Geschmack verlassen“

Monatelang konnten Eigentümer aus ganz Deutschland ihre Wohnungen nicht selbst nutzen, weil die Schweriner Landesregierung die Einreise nach Mecklenburg-Vorpommern verbot. Auch war es ihnen in dieser Zeit nicht möglich, Arbeiten in den Ferienwohnungen zu beaufsichtigen und sich das Material vor Ort aussuchen. Trotzdem haben sie Aufträge an Raumausstatter vergeben. Heike Bolz berichtet: „Viele haben sich auf unseren Geschmack verlassen und gesagt: ‚Machen Sie mal!‘“

Die Pandemie hinderte die Grevesmühlenerin und ihre Kollegen bisher nicht an der Arbeit. Nähen und anbauen durften sie immer.

Folge der Corona-Krise: Kunden müssen länger warten

Kunden müssen sich im Moment allerdings etwas gedulden. Wer bestellt und vor Corona eine Woche wartete, macht das jetzt manchmal drei bis vier Wochen. Eine Ursache: längere Lieferzeiten.

Da ist sie dann doch wieder: die Corona-Krise. Sie führt zu unterbrochenen Lieferketten, höheren Transportkosten und gestiegenen Rohstoffpreisen, die die Lieferanten an die Käufer weitergeben – und diese letztlich an die Endkunden, wollen sie nicht auf Verlusten sitzen bleiben.

Mirko Friedrich leitet einen Malerbetrieb in Dassow. Quelle: Dirk Hoffmann

Der Boom im Handwerk dauert länger an als die Pandemie, erklärt Katharina Vagt, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Nordwestmecklenburg-Wismar. Sie sagt: „Der Trend hat schon vorher begonnen.“ Bau- und Ausbaugewerke seien sehr gefragt, aber auch Tischer, Elektriker und Dachdecker. Ins Eigenheim werde jetzt mehr Geld gesteckt als in früheren Zeiten. Der Dassower Malermeister Mirko Friedrich berichtet: „Es klingt schon mal durch, dass einige denken: Ich fahre jetzt nicht in Urlaub und gönne mir für das Geld zu Hause etwas Schönes.“

Der Grevesmühlener Malermeister Martin Sievers sagt: „Es lassen sich viele zu Hause etwas machen.“ Sievers sieht einen Zusammenhang mit den niedrigen Zinsen. Die Menschen bekommen kaum noch etwas für ihr Gespartes – oder gar nichts. Manche müssen sogar ein „Verwahrgeld“ an die Bank zahlen. Gleichzeitig ist die Inflation auf über drei Prozent gestiegen – auch das eine Folge der Pandemie. Das Geld auf dem Konto wird so immer weniger wert – es sei denn, es wird jetzt ins schöne Wohnen investiert. Vor diesem Hintergrund blicken die Handwerkskammern Schwerin und Ostmecklenburg-Vorpommern auf ein gutes Jahr 2021 zurück – und sind optimistisch für 2022.

Von Jürgen Lenz