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Nordwestmecklenburg Nach schwerem Unwetter: So geht es Familie Plath aus Warnow heute
Lokales Nordwestmecklenburg Nach schwerem Unwetter: So geht es Familie Plath aus Warnow heute
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17:25 07.08.2019
Mehrere Container kamen nach dem Unwetter-Unglück bei Norbert Plath zusammen. Küche, Schlafzimmer, Wohnzimmer und Flur müssen neu eingerichtet, die alten Möbel entsorgt werden. Quelle: JANA FRANKE
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Warnow

Zurückgelehnt sitzt Norbert Plath auf dem Stuhl am Küchentisch und schaut stolz auf die frisch verputzte, weiß gestrichene Wand vor ihm. Der 59-Jährige hat viel geschafft in den vergangenen Wochen. Es sind nur noch fehlende Möbelstücke und Fußbodenbeläge, die an die Katastrophe erinnern, die am 15. Juni über ihn und seine Frau Sibylle Plath hereinbrach. Ein Unwetter verwüstete ihre frisch renovierte Kellerwohnung in Warnow.

Es entstand ein Gesamtschaden von mehr als 70 000 Euro. Da das Ehepaar nicht gegen sogenannte Elementarschäden versichert war, gab es keine Entschädigung von der Versicherung. Überwältigt ist Norbert Plath von der Geste einiger Dorfbewohner, die eine Hilfsaktion initiierten und beim Deutschen Roten Kreuz ein Spendenkonto eröffneten. Knapp 6000 Euro sind bisher zusammengekommen. „Eine tolle Summe, die uns auf jeden Fall weiterhilft“, freut er sich.

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Wasser stand brusthoch

Norbert Plath zeigt an den Fliesen im Badezimmer, wie hoch das Wasser stand: etwa 1,40 Meter. Technische Geräte, wie Waschmaschine und Trockner, sind nicht mehr zu gebrauchen. Quelle: JANA FRANKE

In der Waschküche mit Dusche ist von dem Ausmaß im Juni heute nichts mehr zu sehen. Brusthoch stand das Wasser in dem Raum, etwa 1,40 Meter hoch. Durch den Druck sind Türen gebrochen, die braune Brühe suchte sich ihren Weg in alle Kellerräume. „Wenn die Feuerwehr nicht sofort abgepumpt hätte, wäre der Schaden deutlich höher gewesen“, ist Norbert Plath überzeugt. Somit sei das Mauerwerk wenigstens nicht komplett durchnässt worden.

Vor dem Haus steht ein großer Container. Schränke, elektrische Geräte, Teppichreste sind auf den ersten Blick zu erkennen. Norbert Plath schaut aus dem Fenster und schüttelt den Kopf. „Wir sind froh, dass wir endlich wieder hier unten schlafen können“, sagt er. Bei seiner 80-jährigen Mutter im Obergeschoss hatten sie nach dem Unglück Unterschlupf gefunden.

Neue Küche ist schon bestellt

Wer Norbert Plath kennt, der weiß: Geduld hat er nicht. Als der erste Schreck nach dem Unwetter im Juni verdaut war, packte er in den eigenen vier Wänden kräftig an. Von morgens bis abends, wie er sagt. Mit Nachbarn und Freunden riss er Fußböden raus, baute die von Wasser aufgequollene Anbauwand im Wohnzimmer, die in Mitleidenschaft gezogenen Betten, Schlafzimmer- und Flurschränke auseinander. Die Küche steht noch. „Die neue kommt in einigen Wochen“, blickt er voraus. Am Backofen ist noch zu sehen, wie hoch das Wasser in der Küche stand. „Bis zur Wade“, erinnert er sich.

Geblieben ist dem Ehepaar die Couch. „Die haben wir gereinigt. Auch der Fernseher hatte sich erholt, nur den Receiver mussten wir austauschen“, sagt Norbert Plath zumindest ein wenig erleichtert. Die Heizung konnte auch gerettet werden. „Wir hatten so viel Unterstützung von außen, dafür möchten wir uns von Herzen bedanken.“

Schaden beträgt mehrere Tausend Euro

Was er bisher genau für die Neueinrichtung und Sanierung der Wohnung bezahlte, wagt Norbert Plath noch nicht zusammenzurechnen. „Ein paar Tausend Euro sind draufgegangen“, resümiert der Straßentiefbauer, der aufgrund einer Krebserkrankung arbeitsunfähig ist. Nach der Überflutung war auch seine Frau krankgeschrieben, mittlerweile arbeitet sie wieder. Wenn sie Feierabend hat, hilft sie ihrem Mann, das Heim wieder schön zu machen.

Nach wie vor sind beide davon überzeugt, dass das Wasser von der Straße kam. „Der ganze Dreck war in der Wohnung verteilt, auch Blätter von Bäumen“, sagt er. Eine Sanierung vor allem der Regenentwässerung im Dorf sehnt er dringend herbei. Mit Angst beobachtet er nun jeden langanhaltenden Schauer draußen.

Sind die Sanierungsarbeiten komplett abgeschlossen, will Norbert Plath noch ein Messingschild anfertigen lassen. „Hochwasser 2019“ soll darauf stehen und auf der Höhe angebracht werden, an der das Wasser haltmachte. Als Erinnerung quasi, obwohl ihm die schrecklichen Momente für immer im Gedächtnis bleiben werden.

Das Spendenkonto

Empfänger: Deutsches Rotes Kreuz

IBAN: 46 1405 1000 1000 0303 57

BIC: NOLADE21WIS

Kennwort: Unwetterschaden Warnow

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Von Jana Franke