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Nordwestmecklenburg Wohin geht der Sport in Grevesmühlen?
Lokales Nordwestmecklenburg Wohin geht der Sport in Grevesmühlen?
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10:11 07.06.2019
Das alte Foto zeigt Mitglieder der Turnsparte auf dem Gelände des heutigen Sportplatzes am Tannenberg bei einer Übung.Foto/Repro:Bökelmann Quelle: OZBILD
Grevesmühlen

Ali Cengiz hat einen Traum: „Wenn wir ein paar Mannschaften in der Region auf Landesebene hätten, das wäre eine gute Sache.“ Der Präsident des jüngsten Grevesmühlener Vereins, Einheit Grevesmühlen, ist mit seinem Team das zweite Mal in Folge aufgestiegen. Kreisoberliga spielt die Mannschaft von Trainer Thomas Haese in der kommenden Saison. „Landesklasse ist das

Ali Cengiz, Präsident von Einheit Grevesmühlen Quelle: Michael Prochnow

Ziel, da wollen wir hin“, sagt der 44-Jährige, der bereits beim GFC und in Mallentin gespielt hat. Und der sich einige Kritik gefallen lassen muss. Neuer Verein gegründet, Spieler abgeworben – und neben dem zweiten Aufstieg auch den Kreispokal geholt. Das sorgt nicht überall für Beifall. Denn die Zahl der Spieler, vor allem jener jungen Spieler, die auch höherklassig spielen können und wollen, ist überschaubar. Der Sport hat das gleiche Problem wie der Ausbildungsmarkt: Es gibt zu wenig Nachwuchs – und das seit Jahren.

Zu viele Fußballvereine in und um Grevesmühlen?

Beim direkten Konkurrenten, dem Grevesmühlener FC, hat die erfolgreiche A-Jugend, das Aushängeschild des Vereins, den Zenit erreicht. Ein Teil der Spieler geht aus Altersgründen in den Herrenbereich. Trainer Frank Stolte geht mit und trainiert künftig die Männer zusammen mit Harry Krause, der bereits beim FC Hansa und in Warnemünde aktiv war. Das Sorgenkind des Vereins ist und bleibt die Männermannschaft. GFC-Präsident Klaus Welzer räumt unumwunden ein, dass die Saison mit dem Kampf gegen den Abstieg „nicht so gelaufen ist, wie wir es

GFC-Präsident Klaus Welzer Quelle: Dirk Hoffmann

uns vorgestellt haben“. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Trainerwechsel, fehlende Einstellung sind einige davon. Dabei blickt der Verein auf eine mehr als hundertjährige Geschichte zurück, die bis in die zweite Liga der DDR reicht. „Natürlich ist unser Anspruch höher“, sagt Klaus Welzer. „Aber das braucht Zeit, erst einmal geht es jetzt darum, dass wir die Klasse halten.“ Was braucht es, damit der Fußball wieder an die erfolgreichen Zeiten anknüpfen kann? „Es müssten alle Vereine zusammenarbeiten“, sagt Klaus Welzer. „Wenn jeder sein eigenes Ding durchziehen will, dann funktioniert das nicht.“

Top-Bedingungen auf dem Tannenberg

Dabei sind die Bedingungen für die Vereine in Grevesmühlen nahezu ideal. Die Anlage am Tannenberg ist mit drei großen Plätzen nicht nur ausreichend, sondern seit der Sanierung auch in einem Topzustand, das Sportlerheim präsentiert sich ebenfalls frisch saniert. Die Leichtathleten zeigen beispielsweise, wie es geht, wenn über Jahre hinweg kontinuierlich gearbeitet wird. Die mit mehr als 200 Athleten bestückte Abteilung unter Leitung von Steffen Weihe fährt regelmäßig Erfolge auf Landesebene und teilweise auch darüber hinaus ein. Viel mehr ist allerdings nicht möglich, denn ohne hauptamtliche Kräfte geht auch in diesem Sport heute nichts mehr. Um dauerhaft Top-Leistungen zu bringen, reicht Ehrenamt nicht aus.

850 Mitglieder beim SV Blau-Weiß Grevesmühlen

Der größte Verein der Stadt, der SV Blau-Weiß Grevesmühlen, zählt aktuell 850 Mitglieder. Die Vorsitzende Doreen Schnorr betont, dass der Verein trotz der Veränderungen in den vergangenen Jahren immer noch sehr vielseitig sei. „Doch mussten wir auf Grund der nicht vorhandenen Übungsleiter und Trainer so einige Sportarten mit großem Bedauern einstellen.“ Die Volleyballer, die Basketballer und auch die Tennisspieler gibt es zwar als Sparte, Wettkämpfe

Doreen Schnoor (47), Vorsitzende des Sportvereins Blau-Weiß Grevesmühlen. Quelle: GVM

allerdings nur noch sporadisch. Die Handballfrauen haben sich auch aus dem Spielbetrieb verabschiedet. Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig, wie die 47-Jährige betont, die beim Turnen ebenfalls als Übungsleiterin aktiv ist: „Heutzutage Ehrenamtliche zu finden, die Sportgruppen und Verantwortungen übernehmen, ist ziemlich schwer geworden. Gründe dafür gibt es sehr viele. Beruf und Familie sind da die häufigsten Gründe. So mancher muss in Schicht oder an Sonn- und Feiertagen arbeiten und dazu noch weite Strecken zur Arbeit in Kauf nehmen.“ Hinzu komme, dass auch die Sportler heute ihre Zeit anders einteilen müssten, als noch vor 30 Jahren. Ein zusätzliches Problem der ländlichen Region: „Auch ist es leider so, dass jung ausgebildete Übungsleiter und Sportler, nach dem Schulabschluss für ihre Ausbildung und Studium uns einfach nicht mehr zur Verfügung stehen.“

Und so sieht die Vorsitzende des SV Blau-Weiß die Zahl der Platzierungen und Medaillen nicht allein als Maßstab für einen erfolgreichen Verein, der sich auch aufgrund des demografischen Wandels als Verein für Breiten- und Gesundheitssport sieht.

Diskussion um neue E-Jugend bei Einheit

Apropos Nachwuchs: Einheit Grevesmühlen meldet zur neuen Saison eine E-Jugend an. Das sorgt vor allem beim GFC für Aufregung, denn auch von dort wechseln Spieler zum Konkurrenten. „Ich habe die Mannschaft nur aufgemacht, weil meine beiden Söhne, die noch in Wismar spielen, in Grevesmühlen Fußball spielen sollen. Und es kamen Leute auf mich zu, die gefragt haben, ob wir nicht eine Jugendmannschaft aufmachen können“, so Ali Cengiz. „Es war nicht so, dass ich zu den Leuten gegangen bin.“ Über diese Aussage schüttelt Klaus Welzer nur den Kopf. „Das ist etwas anders an uns herangetragen worden. Wie auch immer, die Art und Weise finden wir nicht besonders gut.“ Der GFC wird zur kommenden Saison auch weiterhin eine E-Jugend in den Spielbetrieb schicken, nur eine B-Jugend wird es nicht geben.

Das wird aus den Tennisplätzen

Zur Entwicklung auf der Tennisanlage am Tannenberg teilt die Vorsitzende des SV Blau-Weiß mit: „Mit dem Tennisplatz hat der Verein eine große finanzielle Herausforderung. Was in unserer Macht steht wird aufgearbeitet. Da leider auch in dieser Abteilung nicht so viele Sportler sind, ist die einfache Unterhaltung sehr schwierig. In den letzten Jahren wurde der Tennisplatz auch von anderen Gruppen zum Sporttreiben und feiern genutzt. Dadurch konnte der Platz aufrechterhalten und ansehnlich gehalten werden. Auf den oberen Plätzen, die so gut wie nie genutzt wurden und dadurch nicht so schön anzusehen waren, wird aktuell eine Rasenfläche entstehen. Der Vorteil hier ist, es kann trotzdem noch Tennis gespielt werden. Vielleicht ist es auch ein wenig attraktiver, dass auch andere Gruppen das Training dort für sich entdecken und den Tennisplatz wiederbeleben.“

Michael Prochnow

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