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Nordwestmecklenburg Lidaer Sozialkaufhaus dank Grevesmühlener Spenden
Lokales Nordwestmecklenburg Lidaer Sozialkaufhaus dank Grevesmühlener Spenden
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11:59 07.10.2019
Die Leiterin des Lidaer Sozialamtes, Tatjana Petu, im Raum mit den Kleiderspenden aus Grevesmühlen. Quelle: Michael Prochnow
Grevesmühlen/Lida

In den Regalen an den Wänden stapeln sich die Kleidungsstücke, sortiert nach Größe und Geschlecht, in der Mitte des knapp 60 Quadratmeter großen Raumes hängen Jacken, Mäntel und Anzüge auf Kleiderbügeln, in der Ecke steht ein Stuhl, daneben lehnt ein Spiegel an der Wand. „Wir sind wirklich froh über die Hilfe aus Deutschland“, sagt Tatjana Pety, die Leiterin des Lidaer Sozialamtes. Die Behörde ist zuständig für ein Gebiet mit mehr als 100 000 Einwohnern im Osten Weißrusslands. Wie viele Bedürftige es genau gibt, das kann die langjährige Chefin nicht sagen. „Tatsache ist, dass wir ohne die Lidahilfe diesen Raum nicht hätten und vielen Menschen nicht helfen können.“ Pro Jahr bringen die Helfer aus Grevesmühlen, die zum DRK Kreisverband Nordwestmecklenburg gehören, mehrere hundert Säcke und Kartons mit Kleidung nach Weißrussland. „Eine Lkw-Ladung reicht ungefähr für vier Monaten“, beschreibt Tatjana Pety den Bedarf. „Danach starten wir einzelnen Aktionen, um zum Beispiel Familien zu helfen, die in Not sind und rufen dann in Lida zum Spenden auf.“ Doch ohne die Lidahilfe, sagt sie, könnten sie kaum etwas ausrichten.

So sieht es in Lida beziehungsweise bei der Arbeit der Lidahilfe aus

Wer bekommt die Hilfe in Lida?

Laut Tatjana Pety erhält jeder Bewohner der Stadt eine Bescheinigung, dass er vom Sozialamt Hilfe bekommt, der weniger als 120 Dollar pro Monat zur Verfügung hat. Dafür kann er sich dann pro Jahr 15 Kleidungsstücke aus dem Sozialkaufhaus der Stadt holen. Laut der Leiterin des Sozialamtes würden viele Familien dieses Kontingent so regeln, dass zum Beispiel die Eltern auf ihre 15 Kleidungsstücke verzichten, damit sie mehr für die Kinder erhalten würden.

Wie kommen die Sachen von Grevesmühlen nach Belarus?

In Grevesmühlen werden die Kleiderspenden entweder im Container im

In Grevesmühlen werden die Spenden gesichtet und neu verpackt. Quelle: Michael Prochnow

Ärztehaus in der Klützer Straße abgegeben, oder sie landen direkt bei den Helfern beziehungsweise im Lager der Lidahilfe bei FSG im Degtower Weg. Dann werden alle Spenden gesichtet, jeder Kleidersack und jeder Karton wird geöffnet und neu verpackt. Zum einen, um abzusichern, dass die Qualität der Spenden ein bestimmtes Niveau nicht unterschreitet. Zum anderen müssen die Spenden gezählt werden. Anschließend werden die Spenden in Säcke und Kartons verpackt und auf Lastwagen verladen. Jeweils im Mai und im Oktober rollen die Transporte nach Lida.

Seit 1993 gibt es die Lidahilfe

1993 ging der erste Hilfstransport aus Grevesmühlen auf Tour, damals organisierten Peter Wulff und Claus Adamoschek die Hilfe. Später übernahm Dieter Schwanbeck die Führung, seit mehr als zehn Jahren haben Norbert Koch und Ekkehard Giewald die Organisation übernommen. Um die Transporte zu finanzieren, ist die Lidahilfe auf Spenden angewiesen. Unterstützung kommt unter anderem von der Stadt Grevesmühlen, dem Piraten Open Air und vielen anderen Firmen und Institutionen. Zudem verkaufen die Mitglieder auf den Großveranstaltungen in Grevesmühlen Schaschlik, Soljanka und weitere russische Spezialitäten, um die Transporte – jede Tour kostet rund 7500 Euro – zu finanzieren. Das nächste Mal ist die Lidahilfe am 30. Oktober auf der Kulturnacht in Grevesmühlen zu finden.

Was passiert in Belarus mit den Spenden?

Nach dem Abladen per Hand durch die Mitglieder der Lidahilfe werden die Spenden in einem separaten Raum verschlossen. Erst wenn der weißrussische Zoll die Papiere unterzeichnet, dürfen die Sachen verteilt werden. Der Papierkrieg dauert in der Regel zwei Monate. Anschließend sortieren die Mitarbeiterinnen des Lidaer Sozialamtes die Sachen nach Größe und Geschlecht, dann beginnt die Verteilung.

Wer spendet die Sachen in Deutschland?

Kleiderspenden für die Lidahilfe gibt es von Beginn an, also seit 1993.

Schwerstarbeit: Der Anhänger wird per Hand mit Kleiderspenden verladen. Quelle: Michael Prochnow

Allerdings hat sich seitdem einiges verändert. Vor allem in den ersten Jahren kam es immer wieder vor, dass durchaus auch Müll in den Säcken landete. Inzwischen, das bestätigt auch das Lidaer Sozialamt, hat sich die Qualität deutlich verbessert. Auch der Anteil an Kindersachen, die dringend benötigt werden, hat deutlich zugenommen. Inzwischen sind es auch viele junge Familien, die ihre überschüssige Kleidung zur Lidahilfe bringen. Einziges Phänomen: Der Anteil der Frauensachen liegt bei rund 75 Prozent. Neben den Kleiderspenden bringen die Grevesmühlener Rollatoren und Rollstühle sowie Möbel für die Senioreneinrichtungen nach Weißrussland.

Wer wird neben dem Sozialamt noch beliefert?

Die Lidahilfe aus Grevesmühlen im Kreiskrankenhaus für Psychiatrie, wo ein Großteil der Spenden landen. Quelle: Michael Prochnow

Das psychiatrische Kreiskrankenhaus in Lida ist seit einigen Jahren ein zuverlässiger Partner der Lidahilfe. Dort landen vor allem Pflegebetten, medizinisches Material und Möbel. Vor allem Krankenhaus- und Pflegebetten, die in Deutschland aussortiert werden, finden in Weißrussland reißenden Absatz.

Von Michael Prochnow

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