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Nordwestmecklenburg Spaziergänger: Steilküste bei Redewisch abgerutscht
Lokales Nordwestmecklenburg Spaziergänger: Steilküste bei Redewisch abgerutscht
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10:11 25.02.2017
Der Trampelpfad, auf dem das Ehepaar Meisenburg am Donnerstag unterwegs war, ist zum Teil weggebrochen. Wann die Steilküste zwischen Redewisch und Steinbeck abgesackt ist, können die Behörden nicht sagen. Quelle: privat
Redewisch

Dem Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt (Stalu) Westmecklenburg sind die Abbrüche an den Steilküsten des Klützer Winkels bekannt. Doch zum konkreten Fall haben die Behörden keine genaueren Informationen. Ob es in den vergangenen Tagen Bewegungen gab, ist nicht bekannt. Auch das Amt Klützer Winkel ist unsicher. „Wir wissen nicht genau, wann sich der Abbruch ereignet hat. Vielleicht ist es auch eine Folge der Sturmflut von Anfang Januar“, teilt Mitarbeiter Arne Longerich mit.

Der Boltenhagener Bauhof hat sich gestern vor Ort ein Bild vom betroffenen Küstenstreifen gemacht und Rücksprache mit dem Amt gehalten. Ergebnis: „Es ist keine Abbruchstelle, die Gefahr für Leib und Leben darstellt. Eine Sperrung nehmen wir nicht vor“, sagt Longerich. Nach Angaben des Stalu werden grundsätzlich keine besonderen Sicherungsmaßnahmen unternommen. „Weil es sich hier um natürliche Ereignisse handelt. Grundsätzlich sind von den Gemeinden Warnhinweise aufgestellt worden und jeder Besucher sollte sich vor Ort über Gefahren an Steilküsten informieren“, teilt Regina Rinas vom Stalu mit.

In Redewisch weisen Warnschilder auf die Gefahren hin. Foto: Behnk Quelle: Behnk

Ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen hatte die Stelle am Donnerstag bei einem Ausflug entlang der Küste entdeckt. „Da muss ein großes Stück abgerutscht sein. Der Trampelweg ist an der Stelle völlig weggebrochen“, schilderte Lothar Meisenburg seine Beobachtungen. Er und seine Frau Ursula waren trotz Warnschildern nah am Hang entlanggewandert. Sie vermuten, dass sich der Abbruch kurz vor ihrem Eintreffen ereignet haben muss. „Auf dem Feld waren noch keinerlei Fußspuren von Leuten zu sehen, die die Stelle umlaufen mussten“, begründen sie ihre Vermutung. Das Ehepaar aus Pulheim bei Köln schätzt die Abbruchstelle auf drei mal zehn Meter. Boltenhagens Bürgermeister Christian Schmiedeberg (CDU) war bei Nachfrage der OZ vom Abbruch nichts bekannt. Überrascht ist er von der Bewegung der Landschaft aber nicht. „Sowas passiert, das ist für Steilküsten bekannt.“ Er appelliert an Spaziergänger, die Warnschilder und Infotafeln zu beachten. „Der Trampelpfad ist nicht für die Öffentlichkeit freigegeben“, mahnt er auch das Verhalten der Eheleute aus dem Rheinland an. „Ich kann nur jedem zu äußerster Vorsicht raten. Man sollte nicht am Hang entlanggehen“, betont das Gemeindeoberhaupt.

Gerade im Frühjahr, wenn der Frost aus dem Boden weicht, sei die Gefahr von Abbrüchen an der Steilküste besonders hoch, weiß Schmiedeberg. Doch auch regnerisches Wetter – so wie am Donnerstag – würde eine zusätzliche Gefährdung bringen. Laut Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung) führe die Kombination aus lehmigem Boden und großen Niederschlagsmengen an den Kliffs des Klützer Winkels immer wieder dazu, dass Stücke abrutschen. Vor allem nach starken Regenfällen sollten Spaziergänger daher die Kanten meiden. Wer unten am Strand entlanggeht, sollte sich nah der Wasserlinie aufhalten und nicht zu dicht an die Steilküste herangehen. Vor allem an schmalen Strandabschnitten mit steilen Kliffs sei Vorsicht geboten.

Laut Infotafel in Redewisch beträgt der durchschnittliche Abbruch der Steilküste in der Region pro Jahr 30 bis 50 Zentimeter. An einzelnen Stellen könnten aber auch mehrere Meter der Küste abbrechen.

Die höchste Stelle der Steilküste zwischen Redewisch und Groß Schwansee liegt am Kleinklützhöved bei Warnkenhagen. Dort ist die Küste 37 Meter hoch. Dieses Stück zählt zu den besonders von der Abtragung betroffenen Steilufern (siehe Infokasten).

Steilküsten: Eine tödliche Gefahr

Bei Warnkenhagen im Gemeindegebiet Kalkhorst ist im Mai 2011 der Kolonnenweg an der Steilküste abgesackt. Es gab bis zu 30 Zentimeter hohe Verschiebungen. Die Strecke für Radfahrer und Wanderer war erst im Jahr 2006 ausgebaut worden. Da weitere Bewegungen im Erdreich eine Gefahr darstellten, musste der Weg gesperrt werden.

Im Dezember 2011 war am Kap Arkona auf Rügen ein zehnjähriges Mädchen bei einem Abbruch der Steilküste unter Erdmassen verschüttet worden und starb.

 Daniel Heidmann