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Nordwestmecklenburg Stelen zur Grenzgeschichte des Ostseebads
Lokales Nordwestmecklenburg Stelen zur Grenzgeschichte des Ostseebads
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13:06 18.07.2019
In Boltenhagen an der Seebrücke zeigt Kurdirektorin Claudia Hörl mit Bürgermeister Raphael Wardecki, Angela Radtke aus Dassow und Gemeindevertretern eine Stele, die über die innerdeutsche Grenze informiert.
In Boltenhagen an der Seebrücke zeigt Kurdirektorin Claudia Hörl mit Bürgermeister Raphael Wardecki, Angela Radtke aus Dassow und Gemeindevertretern eine Stele, die über die innerdeutsche Grenze informiert. Quelle: Malte Behnk
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Boltenhagen

Die Ostseeküste war zu DDR-Zeiten Grenzgebiet. Was das bedeutete, wird auf Stelen erklärt, die inzwischen an etwa 15 Punkten im Landkreis stehen. Drei der Stelen befinden sich im Ostseebad Boltenhagen in den Ortsteilen Redewisch und Tarnewitz sowie direkt an der Seebrücke im Ortszentrum. Diese Stele wurde jetzt enthüllt.

Die Informationstafeln sind Teil des Projekts „Grenzenlos von Lübeck bis Boltenhagen“, das die Dassowerin Angela Radtke 2015 initiierte. Die erste dieser Stelen wurde damals am Dassower Speicher aufgestellt, wo zu DDR-Zeiten eine Mauer den Blick nach Westen versperrte.

Ehemalige Grenze als Erlebnisraum

Die frühere Grenze zwischen DDR und BRD entwickelt sich zwischen Lübeck und Boltenhagen zum Erlebnisraum. Auf Initiative der Dassowerin Angela Radtke werden seit 2015 Stelen entlang der ehemaligen Grenze aufgestellt, die die Geschichte am jeweiligen Standort beschreiben.

Dabei wird auf den Tafeln erklärt, welche Gebäude oder ganze Siedlungen es nicht mehr gibt, welche Funktion ein Wachturm hatte oder wie die Menschen mit der Grenze leben konnten.

Die erste Stele wurde am 24. Januar 2015 zwischen dem Dassower See und dem dortigen Speicher auf einem Parkplatz aufgestellt. Die Enthüllung hatte auch Boltenhagens Kurdirektorin zum Anlass genommen, sich über das Projekt zu informieren, das nun auch im Ostseebad angekommen ist.

Die Stele an Boltenhagens Seebrücke erklärt, welche Bedeutung der Tourismus schon in der Vergangenheit hatte. Schließlich gilt es mit Aufnahme des Badebetriebs 1803 als zweitältestes Ostseebad Mecklenburg-Vorpommerns. „Der Tourismus hat hier seitdem immer eine Rolle gespielt, aber es gab in der DDR hier auch Fluchtversuche, die heute ein Teil der Geschichte sind“, sagt Kurdirektorin Claudia Hörl bei der Enthüllung der dritten Stele im Ort.

So wird erklärt, dass Urlauber sich ab 1961 damit abfinden mussten, dass Boltenhagen jetzt im Grenzgebiet lag. Damit durften Luftmatratzen und andere Schwimmhilfen nur zwischen Sonnenauf- und -untergang, maximal bis 150 Meter von der Küste entfernt benutzt werden. Nachts leuchteten Scheinwerfer die Ostsee aus. Dennoch versuchten immer wieder DDR-Bürger zu flüchten. Der frühere Arzt Dr. Dietrich von Maltzahn wird auf der Stele zitiert: „Es waren immer junge Leute in den hoffnungsvollsten Jahren, deren verweste Körper etwas weiter westlich von Boltenhagen an der Brooker Höhe vom Nordwestwind angeschwemmt worden waren.“

Die letzte Flucht, zwei Monate vor dem Fall der Mauer, gelingt Mario Wächter. Der durchtrainierte Sachse kam mit dem Trabant nach Boltenhagen und stieg an der Wohlenberger Wiek in die Ostsee. Nachdem er 19 Stunden geschwommen war, wurde er vom Fährschiff „Peter Pan III“ aufgenommen und nach Travemünde gebracht.

„Volker Jakobs bietet hier im Herbst Radtouren an, bei denen er viel zur Grenzgeschichte berichtet. Das kommt sehr gut an“, sagt Kurdirektorin Claudia Hörl. Dabei erkläre Jakobs auch die frühere militärische Bedeutung des Ortsteils Tarnewitz, die auf der dortigen Stele beschrieben ist und die Verbindung Boltenhagens nach Steinbeck, die in Redewisch erklärt ist. Das zeige der Kurdirektorin, wie groß das Interesse der Touristen für die Vergangenheit ihres Urlaubsortes ist.

Angela Radtke, die als Initiatorin des Projekts „Grenzenlos von Lübeck bis Boltenhagen“ an der Enthüllung der Stele an der Seebrücke teilnahm, freut sich, dass inzwischen so viele Informationen entlang der alten Grenze stehen. „Es wurde auch eine am Priwallstrand mit Unterstützung der Stadt Lübeck aufgestellt und es sollen bald von Selmsdorf bis Schlutup weitere folgen“, sagt sie. So sollen im Gebiet der Gemeinde Selmsdorf fünf Stelen aufgestellt werden. „Am 9. November wird dort eine Stele am ehemaligen Grenzübergang enthüllt“, kündigt Angela Radtke an.

Sie betont, dass die Unterstützung der jeweiligen Kommunen notwendig ist, weil sie die Anschaffung der Stelen finanzieren und auch für die Pflege verantwortlich sind. „Bei den Standorten direkt am Meer muss häufiger mal geputzt werden, weil die Stelen sonst grün werden“, sagt Radtke. „Die ersten Stelen habe ich noch selber geputzt, das ist aber nicht mehr möglich.“

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Malte Behnk