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Nordwestmecklenburg Testorfer sorgen sich um ihr Trinkwasser
Lokales Nordwestmecklenburg Testorfer sorgen sich um ihr Trinkwasser
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20:23 25.02.2015
Mathias Peters, Betriebsleiter beim Zweckverband, kann die Sorgen der Kunden verstehen.
Mathias Peters, Betriebsleiter beim Zweckverband, kann die Sorgen der Kunden verstehen. Quelle: Fotos: Michael Prochnow (1), Annett Meinke (4)
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Testorf-Steinfort

Rund 100 Kubikmeter Wasser sind wegen eines technischen Defektes aus der Brunnenanlage des Landwirtschaftsbetriebes in Testorf-Steinfort in das öffentliche Netz gelangt. Zweckverband und Gesundheitsamt haben die rund 600 Einwohner der Gemeinde aufgefordert, ihr Trinkwasser abzukochen, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.

Dass Havarien passieren können, ist Hans-Jürgen Vitense, dem Bürgermeister der Gemeinde, durchaus bewusst. Trotzdem verwundert es ihn, dass so etwas überhaupt möglich ist. „Wie kann das Wasser aus dem Brunnen überhaupt in den öffentlichen Kreislauf gelangen?“ Außerdem fragt Vitense sich, ob der Zweckverband tatsächlich die Wasserqualität so sorgfältig kontrolliert, wie er es bisher immer angenommen hat. „Ich gehörte immer zu denen, die gesagt haben: Das Wasser aus unserer Leitung kann man unbedenklich trinken. Jetzt aber frage ich mich, ob vielleicht schon einmal solche Havarien passiert sind und keiner hat es mitbekommen?“ Was, fragt sich der Bürgermeister von Testorf-Steinfort, wenn das schon öfter passiert ist?

Ähnlich denken auch andere Einwohner von Testorf-Steinfort. Andrea Urbat (31) hat gerade ein Baby bekommen, es ist erst elf Tage alt. „Das ist schon eine mittlere Katastrophe“, sagt die junge Mutter.

„Nicht nur für das Baby, für das wir alles abkochen oder stilles Wasser nehmen, auch für unseren anderen Sohn.“ Auch Andrea Urbat ist sich auf einmal nicht mehr so sicher, ob das Wasser bisher nicht auch manchmal kontaminiert war — nur hat es keiner mitbekommen.

Für Tagesmutter Marita Reichenberg (57) bedeutet der Vorfall vor allen Dingen jede Menge Mehrarbeit. „Ich habe fünf Tageskinder, die ich betreue. Gleich gestern Abend, nachdem uns der Zweckverband informiert hatte, habe ich angefangen mit dem Wasserabkochen.“ Marita Reichenbach braucht viel Wasser, im Badezimmer ebenso wie in der Küche.

Ein wenig gelassener nimmt Enrico Wramp (36), Vater einer sechsjährigen Tochter, die Situation. „Ich habe davon im Radio gehört und bin dann gleich ins Internet, um dort nachzuschauen. Dann kam ja auch gleich das Infoblatt vom Zweckverband und hat darauf hingewiesen, dass das Wasser für die Mundhygiene und den Gebrauch abgekocht sein muss. Vielleicht dauert es nicht so lange.“

Mathias Peters, Betriebsleiter beim Zweckverband Grevesmühlen, kann die Sorgen der Testorfer verstehen. „Aber wir gehen davon aus, dass alles in Ordnung ist. Der Betrieb verfügt über eine gute Desinfektionsanlage für das Brunnenwasser, die letzte Untersuchung hat gute Werte ergeben. Das erwarten wir auch von den Laborergebnissen am Freitag.“

Der Betrieb benötigt das Brunnenwasser, um die Milch zu kühlen. Anschließend wird das warme Wasser durch die Chlordioxid-Anlage gereinigt, damit es für die Kühe als Trinkwasser genutzt werden kann.

„Der Betrieb hat selbst ein Interesse daran, dass das Wasser sauber ist.“

Michael Prochnow und Annett Meinke