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Nordwestmecklenburg Trauriges Weihnachtsfest ohne die Tochter
Lokales Nordwestmecklenburg Trauriges Weihnachtsfest ohne die Tochter
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01:05 22.12.2013
Grit Mursch (43) weiß nicht weiter. Quelle: ron, privat
Boltenhagen

Wie friedlich kann ein Weihnachtsfest werden, wenn eine Mutter ihre dreieinhalbjährige Tochter nicht sehen darf? Grit Mursch aus Boltenhagen weiß nicht, wie sie die Feiertage ohne ihre kleine Saphira überstehen soll. „Ich darf sie an Weihnachten nicht sehen“, sagt die 43-Jährige. Das Jugendamt Rostock hat das Mädchen der Obhut ihrer Mutter entzogen.

Saphira lebt seit dem Frühjahr in einem Kinderheim in Nienhagen.

„Ich kämpfe dafür, dass ich meine Tochter wiederbekomme“, sagt Grit Mursch. Warum sie ihre Tochter nicht bei sich zu Hause haben darf, kann sie sich nicht erklären. Seit einem halben Jahr streitet sie vor Gericht.

Gluckenhaft sei sie gewesen, habe das Jugendamt behauptet. „Stark bockiges Verhalten“, „ausdauerndes Weinen“ oder „kannte kaum Regeln und Normen“ urteilt das Jugendamt über die kleine Saphira. Grit Mursch kann die Vorwürfe nicht verstehen. „Zu Hause war sie immer ganz lieb. Sie konnte zählen, sprechen, kannte alle Farben, wir haben immer viel unternommen“, sagt die Mutter.

Jetzt darf sie ihre Tochter nur einmal im Monat sehen, einmal pro Woche mit ihr telefonieren. Über das Warum zerbricht sich Grit Mursch nach wie vor den Kopf. „Ich brauche Beruhigungstabletten, damit ich schlafen kann. Tagsüber muss ich mich zusammenreißen“, sagt sie.

Das Rostocker Jugendamt gab auf Nachfrage keine Stellungnahme zu dem Fall ab, verwies darauf, dass keine personenbezogenen Daten herausgegeben werden.

Grit Mursch selbst kann nur erahnen, warum ihr das Kind weggenommen wurde. 1989 zog es die gebürtige Grevesmühlenerin nach Berlin. Sie lebte dort bis wenige Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Ende 2010. Saphiras Vater ist Türke, laut den Schilderungen Grit Murschs nicht unbedingt problemfrei. Auch zwischen den beiden habe es oft geknallt. Grit Mursch wurde schwanger. Noch während der Schwangerschaft folgte die endgültige Trennung. „Er hat mich geschlagen“, sagt Grit Mursch.

Sie entschloss sich, Berlin zu verlassen. Im Rostocker Stadtteil Toitenwinkel fand sie eine Plattenbauwohnung. Doch auch dort lief es nicht, das Umfeld war verwahrlos, Nachbarn waren Alkoholiker, so Grit Mursch. Eine Video-CD sei ihr in den Briefkasten geworfen worden, auf dem Aufnahmen von den Krawallen gegen das Asylbewerberheim „Sonnenblumenhaus“ in Rostock Lichtenhagen von 1992 zu sehen sind. Nachdem sie ihre Tochter abgeben musste, zog Grit Mursch nach Boltenhagen, wo sie seit August lebt. „Ich wollte zurück in die Heimat“, sagt sie.

Ob die 43-Jährige ihr Kind wiedersehen wird, ist offen. Die Situation scheint festgefahren, eine Einigung mit dem Amt ist in weite Ferne gerückt. Das Weihnachtsfest ohne die Tochter ist der traurige Höhepunkt der Geschichte.

ron