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Nordwestmecklenburg Unternehmer und Bürger kritisieren Nahverkehrsplan
Lokales Nordwestmecklenburg Unternehmer und Bürger kritisieren Nahverkehrsplan
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20:10 27.11.2014
Der Bülower Manfred Görtz (66) fordert einen Lückenschluss der Bahnverbindung von Rehna nach Schönberg. Quelle: Fotos: Dirk Hoffmann
Grevesmühlen

Busunternehmer und Bürger stehen dem neuen Nahverkehrsplan des Landkreises skeptisch gegenüber. Das wurde bei einer Veranstaltung der Wählergemeinschaft „Ländlicher Raum, Umwelt und Landwirtschaft“ (LUL) in Grevesmühlen deutlich. Hauptkritikpunkt: Das neue Streckennetz lasse den Bahnverkehr unberücksichtigt. Zudem seien die angepeilten Nutzerzahlen zu optimistisch kalkuliert. Der Kreis rechnet damit, dass mit dem neuen Fahrplan dreimal so viele Fahrgäste befördert werden als bisher.

Dieter Post, Geschäftsführer der Busbetriebe Wismar, glaubt nicht, dass diese Zahlen realistisch sind. So würden nach seiner Aussage zum Beispiel die 15 000 Pendler, die sich täglich schon ab 3 Uhr auf den Weg zur Arbeit machen, garantiert nicht auf den Bus umsteigen. Denn zu dieser Zeit fährt noch gar kein Bus. Außerdem warnte Post davor, ein Parallelsystem zur Bahn zu entwickeln. So sollte der ÖPNV doch die Fahrgäste zum Zug bringen, mit dem sie auch weiter entfernte Ziele erreichen können. Aber genau das wäre in diesem Konzept gar nicht berücksichtigt worden.

„Die Bahn darf auf keinen Fall vernachlässigt werden“, fand auch der Bülower Manfred Görtz (66). Die vielen Pendler aus Schwerin oder Parchim würden auf ihrem Weg zur Arbeit nach Hamburg schon jetzt oft genug im Stau stehen. Görtz fragte: „Soll jetzt etwa noch mehr Verkehr von der Schiene auf die Straße verlegt werden?“ Er würde es lieber sehen, wenn es endlich einen Lückenschluss der Bahnstrecke von Rehna nach Schönberg geben würde. „Darauf haben wir als Landkreis leider keinen Einfluss, da wir nur für den ÖPNV zuständig sind“, sagte Mathias Diederich, Leiter der Stabsstelle für Wirtschafts- und Regionalentwicklung beim Landkreis, der die Planungen vorstellte. Verständnis zeigte er für die Bedenken in Sachen Bahn. Eine Abstimmung mit dem Schienenpersonennahverkehr (SPNV) werde es auf jeden Fall geben.

Lieber mehr Bahn statt Bus würde sich auch der Rehnaer Martin Reinlinghaus (54) wünschen. Und wenn schon ein neuer Nahverkehrsplan kommen soll, dann muss er nach seiner Ansicht auch bis zu seinem Ende im Jahr 2025 durchgängig finanzierbar sein.

„Wir hoffen auf eine Landesförderung aus dem Topf alternativer Bedienformen“, so Diederich. Dem Entwurf nach würde der ÖPNV den Landkreis nach dem neuen Verkehrsplan künftig jährlich 16,6 Millionen Euro kosten. Bisher liegt diese Summe bei 14,1 Millionen Euro. Die Differenz von 2,5 Millionen Euro soll durch mehr Fahrgäste und höhere Einnahmen ausgeglichen werden. Attraktiver soll das Fahren im Bus auch dadurch werden, dass eine Monatskarte künftig maximal 100 Euro kosten soll. Momentan sind es im Durchschnitt 160 Euro, die der Fahrgast dafür zu zahlen hat. Ob solche Preise realistisch sind und der Kreis am Ende nicht draufzahlt, untersucht derzeit ein Ingenieurbüro.

Klar ist: Dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in der jetzigen Form fehlt es deutlich an Attraktivität. Nur 2,8 Prozent der Bürger des Landkreises würden derzeit den Bus nutzen, wie Mathias Diederich erklärte. Im Wesentlichen ist es momentan der Schülerverkehr, der den ÖPNV prägt. So werden nach Aussage von Diederich derzeit 55 Prozent aller Tage im Jahr durch ihn belegt. Die Pendler, Touristen oder auch diejenigen, die vielleicht in der Freizeit mit dem Bus fahren würden, werden aktuell gar nicht oder kaum berücksichtigt. Genau das soll sich jetzt ändern. „Wir versuchen, alle Nutzergruppen zu erfassen“, so Diederich mit Blick auf den neuen Regionalen Nahverkehrsplan. Dieser sieht vor, sieben Hauptlinien einzurichten (siehe Kasten). Die Busse würden hier dann von montags bis freitags im Zwei-Stunden-Takt, bei größerem Bedarf auch stündlich, fahren. An den Wochenenden sowie an Feiertagen ist an einen Zwei-Stunden-Takt, bei geringer Belegung ausdehnbar bis zu vier Stunden, gedacht. Der Schülerverkehr soll über ein Ergänzungsnetz stattfinden und über alternative Bedienformen wie zum Beispiel Anrufbusse könnten die restlichen Gebiete an das Taktnetz angebunden werden.

Erst drei der neun Ämter und sechs der 86 kreisangehörigen Gemeinden in Nordwestmecklenburg haben sich bislang zu dem neuen Regionalen Nahverkehrsplan schriftlich geäußert. Die anderen können noch bis zum 19. Dezember ihre Stellungnahmen abgeben. Im Februar soll der Kreistag endgültig den Plan beschließen. Ab Januar 2016 soll er in Kraft treten.

Die Hauptlinien
Sieben Hauptlinien sind im neuen Nahverkehrsplan vorgesehen: Wismar-Grevesmühlen-Lübeck, Wismar-Boltenhagen, Wismar-Blankenberg, Insel Poel-Wismar-Schwerin, Wismar-Gadebusch-Ratzeburg, Schwerin-Grevesmühlen-Boltenhagen und Schwerin-Gadebusch-Schönberg-Lübeck.

Dirk Hoffmann

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