Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Natur statt Äcker?
Lokales Nordwestmecklenburg Natur statt Äcker?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:46 20.11.2018
Udo Gutschke erläutert, dass nach Ansicht der BFS Ackerland in unmittelbarer Nähe des Wohnbaugebietes "Am Mühlenbruch" zu Ökoland werden sollte. Quelle: Jürgen Lenz
Anzeige
Selmsdorf

Natur pur statt Äcker: Das sollen nach dem Willen der Wählergemeinschaft „Bürger für Selmsdorf“ künftig diejenigen sehen, die auf dem Wiesenweg in Selmsdorf unterwegs sind oder im angrenzenden Wohngebiet „Am Mühlenbruch“ leben. „Das sind wir denjenigen, die dorthin ziehen, schuldig“, erklärt der BFS-Fraktionsvorsitzende Udo Gutschke. Ein weiteres Argument, das die Wählergemeinschaft vorbringt: Natur in der Gemeinde steigere die Lebensqualität. Auch habe die Gemeindevertretung beschlossen, bei einer Wieder- oder Neuverpachtung von gemeindeeigenen Grundstücken jeglichen Einsatz von Pestiziden zu verbieten. Die BFS argumentiert: „Eine Bewirtschaftung der Flächen auf herkömmliche Art und Weise wird somit ausgeschlossen.“ Ein Wechsel auf ökologische Wirtschaftsweise sei kurzfristig schwer umzusetzen.

Die BFS schlägt vor, einige Grundstücke unweit des Wiesenwegs nach Ablauf der Pachtverträge nicht wieder für eine landwirtschaftliche Nutzung zur Verfügung zu stellen, sondern als eine Fläche auszuweisen, auf der durch eine Renaturierung ein Eingriff in die Natur an einer anderen Stelle ausgeglichen wird. Sinnvoll wäre das nach Udo Gutschkes Ansicht „für spätere Wohngebiete und andere Dinge, für die wir als Gemeinde Ausgleich schaffen müssen.“ Kleine Wohngebiete seien in Selmsdorf noch möglich und auch sinnvoll, denn: „Wir müssen auch an die Zukunft denken. Wir brauchen weitere junge Familien, die nach Selmsdorf ziehen.“ Sie würden zum Erhalt der Schule und der Kindergärten im Ort beitragen.

Anzeige

Südlich des Wiesenwegs lässt die Gemeinde Selmsdorf das Wohngebiet „Am Mühlenbruch“ erweitern. Udo Gutschke sagt: „Wir wollen das Wohngebiet, das ja schon hochwertig ist, noch attraktiver machen.“

Ein Schandfleck: verlotterte Garagen in Selmsdorf. Nach einem Umlegungsverfahren werden sie abgerissen. Quelle: Jürgen Lenz

Gutschke sagt, um das Ziel zu erreichen, Äcker nördlich des Wiesenwegs zu renaturieren, sei auch eine teilweise Neuregelung der Eigentumsverhältnisse sinnvoll. Der Fraktionsvorsitzende erklärt: „Wir haben die Möglichkeit, mit vier Eigentümern eventuell Fläche zu tauschen – über ein Umlegungsverfahren.“ Dieses Instrument setzt die Gemeinde bereits ein, um andere Grundstücke unweit des Wiesenwegs in ihr Eigentum zu bekommen. Wie berichtet, kündigte Bürgermeister Marcus Kreft (SPD) an, dass ein Grundstück mit teils verfallenen Garagen nach einem erfolgreichen Umlegungsverfahren beräumt wird. Mit dem Verfahren verfolgt die Gemeinde aber noch zwei weitere Ziele: Anlage eines Weges zum Netto-Markt und Anpassen von Grundstücksgrenzen an die tatsächliche Wegeführung.

Unabhängig von diesem Umlegungsverfahren würde es die BFS gerne sehen, wenn auf einem naturnahen Grundstück ein Weg geschaffen wird, der den Wiesenweg mit einem Weg verbindet, der in Richtung Sülsdorf führt. Eine Verbindung in diese Richtung will auch die SPD – allerdings mithilfe einer Verlängerung des Wiesenwegs. Der Fraktionsvorsitzende Bernhard Stoeter erläutert: „Mittelfristig halten wir dieses Ziel grundsätzlich für sinnvoll.“ Die BFS argumentiert, diese Variante der Wegeführung betreffe mehr private Grundstückseigentümer und teilweise handele es sich um Flächen, auf denen gejagt werde. Bernhard Stoeter sagt, mit den Eigentümern müsse ein Übereinkommen getroffen werden. Mögliche Konflikte mit der Jagd gebe es – aber nicht nur an dieser Stelle, sondern auch anderswo in der Natur.

Jürgen Lenz