Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Schiefertafel versus Tablet: Wie digital werden Nordwestmecklenburgs Schulen?
Lokales Nordwestmecklenburg Schiefertafel versus Tablet: Wie digital werden Nordwestmecklenburgs Schulen?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:56 22.11.2019
Der Trend soll zur digitalen Schule gehen – arbeiten am Tablet statt im Heft(er). Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Grevesmühlen

Medienentwicklungsplan: 22 Buchstaben, die das Lernen an Schulen im Landkreis Nordwestmecklenburg revolutionieren, die mobile Endgeräte – ob Tablet oder Handy – zum ständigen Begleiter machen sollen.

Schulbuch und Hefter ade und alles per Tablet erledigen – von Tafelbildern über anschauliche Videos bis hin zu Präsentationen? Klingt alles spannend, aber mit Blick auf Nachbarländer keinesfalls revolutionär.

Deutschland ist längst abgehängt. Während hier über Medienentwicklungspläne diskutiert wird – zuletzt in Grevesmühlen unter anderem im Bildungsausschuss des Landkreises –, sind die Niederlande, Dänemark und praktisch alle Industrienationen der Welt, bei der Digitalisierung der Bildung schon wesentlich weiter. Zum Vergleich: In Deutschland lernen vier Prozent der Schüler via Tablet & Co. In Dänemark 91 Prozent.

Landkreis für 15 Schulen zuständig

Heruntergebrochen auf den Landkreis Nordwestmecklenburg, der für 15 Schulen an 17 Standorten – Gymnasien, Berufs-, Gesamt- und Förderschulen – zuständig ist, zeigt eine Ermittlung des Kreismedienzentrums: Gerade einmal 14 Prozent der Unterrichtsräume entsprechen dem Standard eines digitalen Klassenzimmers mit Präsentationsgeräten und stationären Arbeitsplätzen wie Laptops. Zu den führenden Schulen gehört das Ernst-Barlach-Gymnasium in Schönberg mit 15 Geräten wie Smartboards und Co. Neu ist allerdings auch anders – ein Großteil ist aus dem Jahr 2013.

Mit sechs Geräten reihen sich das Gymnasium „Am Tannenberg“ in Grevesmühlen und das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Wismar auf dem zweiten Platz ein. Einige Einrichtungen haben nur ein Board für eine Vielzahl von Schülern, darunter die Berufsschulen in Wismar und Zierow.

Digitales Vorzeigeobjekt in Wismar

Das digitale Vorzeigeobjekt im Kreis ist das Geschwister-Scholl-Gymnasium in Wismar. Insgesamt drei sogenannte Tablet-Klassen gibt es dort und WLAN im gesamten Gebäude. Das kann nicht jede Einrichtung von sich behaupten: Mit 100 Prozent WLAN ausgestattet sind derzeit nur sechs der 17 Standorte. Kurzum: Die bisher an den Schulen vorhandene Vernetzung entspricht nicht den Anforderungen an den zu erreichenden Standard für Anzeigegeräte und den Einsatz mobiler Endgeräte. Unbefriedigend für die 347 Lehrer und etwa 4700 Schüler.

Mit Ausnahme des Stadtgebiets Wismar (sechs Standorte) werden alle dem Kreis zugehörigen Schulen bis Ende 2020 mit Glasfaseranschluss mit mindestens 1 Gbit/s ausgestattet. Das ist für die Digitalisierung an Schulen zwingend notwendig. Wobei der stellvertretende Schulleiter des Gadebuscher Gymnasiums, Heiko Helms, ungern von Digitalisierung spricht. „Ich sehe es als zeitgemäße Bildung.“

Kosten in Millionenhöhe

Die kostet Geld und ist nicht ohne Probleme und Steine im Weg umzusetzen. An allen Schulen sollen bis 2024 gleiche Bedingungen vorzufinden sein – egal, welche Schulform, ob Gymnasium oder Förderschule. Die Investitionssumme dafür liegt bei fast 3,7 Millionen Euro, inbegriffen Kosten für mobile Endgeräte für Lehrer.

2,6 Millionen Euro Fördermittel aus dem Digitalpakt Schule könnten insgesamt eingeworben werden. Für jede Schule muss ein gesonderter Antrag gestellt werden. Bleiben für den Landkreis Eigenkosten von etwas mehr als einer Million Euro. Hinzu kommen jährlich laufende Kosten im sechsstelligen Bereich (fast 153 000 Euro) durch Software, Ersatzbeschaffungen und Erhaltungsmaßnahmen.

Alle Lehrer, die an Schulen in Trägerschaft des Landkreises tätig sind, sollen mit einem mobilen Endgerät ausgestattet werden. Bei Schülern gilt das sogenannte „bring your own device“ – sprich elternfinanzierte und durch den Schulträger definierte Geräte. Die Tablets einer Klasse im Scholl-Gymnasium sind vom Landkreis finanziert. In den anderen beiden Klassen übernahmen die Eltern die Kosten für den Computer: 300 Euro für das Tablet, 100 Euro für einen Eingabestift sowie 50 bis 80 Euro für die Versicherung, falls ein Gerät kaputt geht.

Wer zahlt die Tablets?

Die Bereitschaft wäre auch in Grevesmühlen da, weiß Dr. Torsten Fischer, stellvertretender Schulleiter des Gymnasiums „Am Tannenberg“. „Nach Gesprächen mit Eltern zeigt sich, dass sie durchaus bereit sind, dafür Geld auszugeben“, berichtet er.

Dass hier eine 1:1-Ausstattung möglich ist, bezweifelt Simone Oldenburg. „Ich bin gegen eine Beteiligung der Eltern. Die einen können zahlen, die anderen nicht und dann bilden sich Schüler erster, zweiter und dritter Klasse“, sagt die Vorsitzende des Bildungsausschusses des Kreises. „Bildung muss kostenlos sein.“

Medienentwicklungsplan – 22 Buchstaben, die die Ausschüsse noch mehrfach beschäftigen werden. Erläuterungen soll es auch persönlich von Bildungsministerin Bettina Martin geben. Die Einladung von Simone Oldenburg nach Grevesmühlen oder Wismar ist raus.

Von Jana Franke

Urnenbestattungen werden immer beliebter: Dieser Trend ist auf dem Friedhof in Schönberg zu beobachten. Die Kirchengemeinde pflegt am Ewigkeitssonntag und dem Vorabend besondere Traditionen.

21.11.2019

Die Sozialdemokraten in Selmsdorf haben Kathi Kreinath und Bernhard Stoeter zu gleichberechtigten ersten Vorsitzenden gewählt. Das macht ein Pilotprojekt der Bundes-SPD möglich.

21.11.2019

Mit Werken von Bach, Schubert und Brahms gestalten der Dönkendorfer Chor und der Chor der Hochschule Wismar ein Konzert zum Totensonntag in der Kalkhorster Kirche. Das Programm am 23. November beginnt um 17 Uhr.

21.11.2019