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Nordwestmecklenburg Supermärkte – wie regional ist das Angebot?
Lokales Nordwestmecklenburg Supermärkte – wie regional ist das Angebot?
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15:50 09.01.2019
Aus der Region oder nicht? Viele Kunden achten darauf, was in ihren Einkaufskorb kommt. Quelle: PEXELS
Grevesmühlen

Die Fernseh-Werbung von Edeka kennt fast jeder: Da kommt der Schäfer Bruno mit seinen Tieren in den Markt und der leicht genervte, wenn auch immer noch sehr freundliche Marktleiter sagt zu ihm – und er spricht zum Schäfer, als sei er ein Kind –, dass Bruno das nicht dürfe, mit den Schafen in den Markt kommen. Der Schäfer, der mindestens doppelt so alt ist wie der Marktleiter, spreizt seine Hände auf etwas seltsam wirkende Weise und sagt in der Tat dabei etwas blöde kindlich wirkend: „Aber die anderen Bauern bringen doch auch ihre Produkte vorbei.“

Regionalität scheint derzeit, jedenfalls der Werbung nach, angesagt zu sein. Wie also sieht es aus in den Supermärkten in Grevesmühlen? Die OSTSEE-ZEITUNG hat nachgefragt und nachgeschaut. Und ist es tatsächlich so einfach, wie der Edeka-Marktleiter im Werbeclip behauptet, dass Bauern aus der Region ihr Obst oder Gemüse mal eben so in den Märkten vorbeibringen könnten?

Honig aus Mecklenburg, Senf aus Bautzen

Zwar keine Bauern, aber Kleingärtner kommen öfter in die Edeka-Filiale am Marktplatz, um Rhabarber oder anderes Obst zum Verkauf anzubieten. Theoretisch könnten sie das tun, sagt Marktleiterin Anke Boost. „Aber praktisch ist das nicht möglich. Ich brauche einen genauen Nachweis der Herkunft, wie es produziert wurde. Wenn es kein Zertifikat gibt und irgendetwas mit der Ware ist, jemand krank wird, dann bin ich dran“, umschreibt sie.

Anke Boost hat den Honig aus Mecklenburg-Vorpommern ins Sortiment aufgenommen. Quelle: ANNETT MEINKE

Regional bedeutet für sie nicht nur Nordwestmecklenburg. „Im Grunde ist für meine Kunden alles regional, was aus dem Gebiet der ehemaligen DDR kommt; was entweder noch denselben Namen trägt wie früher – so wie Senf aus Bautzen, Gurken aus dem Spreewald oder Tomatenketchup aus Werder – oder zumindest irgendwie aus ehemaligen ostdeutschen Gebieten kommt.“ Was Obst und Gemüse in ihrem Markt angeht, erzählt Boost, stammt es oft aus Mecklenburg. Beliefert wird sie aus einem Lager in Malchow, das Produkte führt, die für Edeka gelistet sind. Tomaten, die aus diesem Lager kommen, können zum Beispiel aus Barth stammen, Erdbeeren vom Erdbeerhof Glanz, Spargel aus Berlitz, Äpfel aus der Rostocker Gegend.

Kaum regionale Produkte bei Aldi Nord

Wer im Aldi in Grevesmühlen einkaufen will und sich vornimmt, nur regionale Produkte zu kaufen, wird mit nicht allzu viel im Wagen aus dem Laden gehen. Aldi setzt, wie weidlich bekannt, vor allen Dingen auf Eigenmarken, ebenso seit einiger Zeit auf Aktionen, die mit dem Image der Nachhaltigkeit werben – zum Beispiel der auf allen möglichen Produkten prangende Hinweis „ohne Konservierungsstoffe“ oder die Aktion „Tierwohl“. Was der Kunde im Wagen haben könnte, wenn er auf Produkte aus Mecklenburg-Vorpommern besteht, wäre Bier aus Lübz, Bockwurst aus Anklam, Käse aus Wismar und veganes Eis aus Grimmen.

Auf Anfrage in der Konzernzentrale in Essen, was es denn noch an ehemaligen Ost-Produkten gäbe und wie man als regionaler Erzeuger von Produkten in Geschäftsbeziehungen zu Aldi Nord treten könne, erhielt die OZ folgende Antwort: „Bezug nehmend auf Ihre Frage nach Produkten aus dem ehemaligen Osten können wir Ihnen beispielsweise Bautzner Senf oder f6-Zigaretten nennen (...) Wir bitten um Verständnis, dass wir zu Lieferantenbeziehungen beziehungsweise - verträgen aus grundsätzlichen Erwägungen keine Auskunft geben.“

Sekt aus Schwerin

Heike Fraß leitet die Rewe-Filiale in Grevesmühlen (ehemals Sky). Säfte aus Satow sind bei den Kunden sehr beliebt, sagt sie. Quelle: ANNETT MEINKE

Rewe-Marktleiterin Heike Fraß stellt immer wieder fest, dass die Kunden in Grevesmühlen in jedem Fall lieber etwas aus Thüringen kaufen, als etwas aus Schleswig-Holstein oder Niedersachsen – obwohl das „theoretisch doch zum Norden und damit eigentlich eher zur Region dazugehört. Wobei wir hier, weil wir aus dem Lager in Oranienburg beliefert werden, Glück haben. Wir bekommen unser Obst oft aus der Brandenburger Gegend“, erläutert sie. Beliebt sind auch Sekt aus Schwerin, Saft aus Satow sowie Limonaden und Bier aus Vielank. Fleisch- und Wurstwaren aus Rostock, Ludwigslust, Anklam und Schwerin – auch das, sagt Heike Fraß, gibt es im Markt. Spargel kam im vergangenen Jahr zum ersten Mal ganz frisch von einem Lieferanten aus der Nähe von Zarrentin.

Eier- und Kartoffel-Lieferanten gesucht

Cornelia Heine leitet den Markant-Markt in Grevesmühlen. „Wenn ich etwas Regionales ins Sortiment nehmen möchte, kann ich das ohne Problem mit der Firmenzentrale in Kiel absprechen.“ Schon eine Weile suche sie nach Eier- und Kartoffel-Lieferanten aus der Region. „Wer da etwas weiß, kann sich gerne bei uns im Markt melden. Wir können besprechen, ob und wie es funktionieren kann“, sagt sie. Denn tatsächlich geht es, wenn regionale Kartoffel- und Eierlieferanten mit Markant ins Geschäft kommen wollen, auch um Zertifikate, Herkunftsnachweise und Mindestliefermengen.

Cornelia Heine, Leiterin der Markant-Filiale in Grevesmühlen. Quelle: JANA FRANKE

Der Einkaufsmarkt hat viele Produkte im Angebot, die als regional gelten können. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Säfte aus Satow, Honig aus Hilgendorf, Weine und Konfitüren aus Aschau in der Nähe von Eckernförde, Tee aus Wismar, Fleischwaren aus Mecklenburg, Gurken und Tomaten aus Wöbbelin. Einer der Verkaufsschlager bei Markant sei ein Frischkäse, den es schon in der DDR gab – von Goldschmidt.

Wurst aus dem Klützer Winkel

Marktkauf-Leiter Norbert Korzak setzt ganz klar auf echte Regionalität. „Ich bin immer wieder auf den Regionalmessen in Nordwestmecklenburg unterwegs und versuche, neue Produzenten und Lieferanten zu gewinnen.“ Er hat zum Beispiel auch den Hilgendorfer Imker Andreas Gerber mit ins Marktkauf-Boot geholt und bietet seinen Honig an. Und: Es gibt einen Stand im Markt, an dem leckere Würste aus der Klützer Landschlachterei hängen. Aus Wismar sind Fischfeinkost, Heringssalate und Fleischwaren zu finden. Letztgenannte ebenso aus Rostock, Ludwigslust und Pasewalk. Es gibt Fisch von Rügen, Produkte der Mecklenburger Kartoffelveredlung, Eis aus Rostock und Tee aus Wismar – um nur mal ein paar Beispiele herauszugreifen. Auch für Norbert Korzak, seine Tochter Katrin Sonnenberg und seinen Sohn Matthias Korzak, die gemeinsam den Markt leiten, zählen nicht nur Nordwestmecklenburger Erzeugnisse zu den regionalen Produkten, sondern ebenso alles, was an „DDR-Traditionsmarken“ im ehemaligen ostdeutschen Gebiet noch heute erzeugt wird. „Bei uns gibt es sogar noch ,Badosan’“, sagt Norbert Korzak lachend.

Kathrin Sonnenberg, Tochter und Mitarbeiterin des Marktkauf-Inhabers Norbert Korzak, vor einem Regal mit Schlachterzeugnissen der Klützer Landfleischerei im Grevesmühlener Markt. Quelle: ANNETT MEINKE

Dennoch: Für junge Bauern, zum Beispiel die Junglandwirte aus Boienhagen, die mit dem Modell „Solidarische Landwirtschaft“ gestartet sind, sei es nicht einfach, von ihren Erzeugnissen vor Ort etwas vorbeizubringen. „Die jungen Leute waren schon hier“, erzählt Norbert Korzak. Eier hätten sie angeboten. „Doch ich brauche eine garantierte Anzahl und die Eier müssen zertifiziert sein“, erläutert er die Hürden. Als Marktbetreiber, ergänzt er, „steht man doch immer mit einem Bein im Knast.“ Seit Jahren werde alles komplizierter, was die Beschriftung der Etiketten betreffe. „Kein Marktbetreiber kann es sich heute noch leisten, mal einfach so, so wie wir es auch gern taten, Gemüse von irgendjemandem anzunehmen und zu verkaufen, selbst, wenn er den betreffenden Bauern oder Kleingärtner gut kennt.“

Fazit

Wer in und um Grevesmühlen nach Produkten aus Nordwestmecklenburg und Mecklenburg-Vorpommern sucht, wird fündig. Für Produzenten vor Ort ist es insgesamt nicht einfach, als Lieferant gelistet zu werden. Selbst dort, wo Markt-Inhaber oder Marktleiter offen sind, gibt es Bestimmungen und Auflagen, nicht zuletzt EU-Vorschriften, die einzuhalten sind. Wer selbst in kleinen Mengen Obst und Gemüse oder Eier zum Beispiel produziert, ist wohl besser beraten, einen kleinen Hofladen zu betreiben oder seine Produkte privat – auf Märkten zum Beispiel – anzubieten.

Annett Meinke

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