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Nordwestmecklenburg Wegen fünf Arbeitsstunden: Wismarern wird nach fast 50 Jahren der Garten gekündigt
Lokales Nordwestmecklenburg Wegen fünf Arbeitsstunden: Wismarern wird nach fast 50 Jahren der Garten gekündigt
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20:10 17.07.2019
Die Wismarer Kleingärtner Ramona und Roland Marschner in ihrem Garten. Im November müssen sie nach fast 50 Jahren alles abreißen. Quelle: Nicole Hollatz
Wismar

Ramona und Roland Marschner sind mit den Nerven am Ende. Im November müssen sie ihren Garten räumen. „Die Kinder sind hier aufgewachsen, die Enkel kommen gerne“, kämpft Ramona Marschner mit den Tränen.

Seit 49 Jahren hat Familie Marschner den Garten in der Anlage am Dorstein in Dargetzow gepachtet. Roland Marschner hat ihn von seinen Eltern übernommen. Es fällt ihm sichtlich schwer, über das Thema zu sprechen. Der Handwerker ist innerhalb der Woche in Hamburg und Schleswig-Holstein unterwegs, der Garten ist sein Rückzugsort am Wochenende. Er ist noch ein Kind gewesen, als seine Eltern den Garten angelegt und das Häuschen gebaut haben.

Das Häuschen, die windgeschützte Terrasse, die Beete mit Kartoffeln, Erbsen, Bohnen, das Gewächshaus und die Hochbeete, die Obstbäume, alles soll weg.

Streit um Ehrenamtsstunden

„2015 fing es an, da war ich zeitweise Bereichsleiterin hier in der Anlage“, berichtet sie. Die vom Vorstand festgelegten Bereichsleiter teilen die Aufbaustunden ein, Gartenpächter und Vereinsmitglieder müssen diese Ehrenamtsstunden zur Pflege der Gesamtanlage leisten, sich beispielsweise um die Hecken und Rasenflächen leer stehender Gärten kümmern. Das tut auch Roland Marschner. Er sagt, er hat seit gut 15 Jahren seine festen Aufgaben in der Anlage, nutzt für die Ehrenamtsstunden eigene Geräte und eigenen Strom zum Rasenmähen und ähnliches.

„Bei der Abschlussrechnung im Januar 2016 fiel mir auf, dass man uns nur fünf von zehn Arbeitsstunden anerkannt hat, obwohl wir alle geleistet haben“, erzählt Ramona Marschner. Fünf Stunden sind in Rechnung gestellt worden.

Aussage gegen Aussage

Marschners haben die Gesamtrechnung bezahlt, auf den Irrtum aufmerksam gemacht und gedacht, sie könnten die strittigen 50 Euro von der nächsten Jahresrechnung abziehen. „Wir haben keine Antwort bekommen, aber 2016 haben wir unsere Stunden per Mail eingereicht und die wurden auch anerkannt“, erzählt die Kleingärtnerin weiter.

Dann der Schock: „2017 wurde im Vorstand festgelegt, dass uns nur noch fünf Arbeitsstunden anerkannt werden, weil die Fläche, um die sie sich kümmern, zu klein ist.“ Marschners sehen das anders, so führt der Streit zur Kündigung und anschließend in ein Gerichtsverfahren.

Die Gegenseite argumentiert, dass Familie Marschner Arbeitsstunden ohne Absprache mit dem jetzigen Bereichsleiter erledige. In einem Anwaltsbrief der Gegenseite heißt es: „In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass die von den Beklagten durchgeführten Arbeiten für den Verein als solches keinen Gewinn bringen und sich daher als gemeinnützige Arbeit schlicht nicht eignen.“

Die Fronten sind verhärtet

Zeugen für die jeweilige Aussage benennt jede Seite, es steht Aussage gegen Aussage. Die Fronten sind verhärtet. Ramona Marschner glaubt, der Vorstand wolle sie einfach loswerden, weil sie auf Missstände aufmerksam machen würde.

„In der Anlage wohnt ein Obdachloser, das geht so nicht“, sagt sie. Sie arbeitet in der Wismarer Obdachlosenunterkunft, würde den Betroffenen dort lieber helfen, wieder auf eigene Beine zu kommen. Einige ihrer Vorwürfe: Die Kosten für diesen Garten trage der Verein und damit die Gemeinschaft, dazu fahren Autos ohne Versicherungsschutz in der Anlage und leer stehende Gärten werden für Gartenabfälle genutzt. Andere Vorwürfe richten sich direkt gegen Vorstandsmitglieder.

Andere Kleingärtner der Anlage bestätigen die Vorwürfe, wollen sich aber nicht namentlich äußern. „Sonst wird mir auch gekündigt“, sagen sie gegenüber der OSTSEE-ZEITUNG. Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins sind diese Kritikpunkte nicht angesprochen worden, die Beteiligung ist wie bei anderen Gartenvereinen bei solchen Veranstaltungen gering. Auch Familie Marschner ist nicht dabei gewesen.

Keine Stellungnahme des Vereins

Der Versuch, Andreas Schwirath als Vorsitzenden des Kleingartenvereins „Dorstein e. V.“ zur Kündigung und zu den Vorwürfen zu befragen, wird abgeblockt: „Ich kann keine Auskunft geben, es ist immer noch ein laufendes Verfahren.“ Und: „Und ich beende das Gespräch.“

Urteil und Beschwerde

Das Wismarer Amtsgericht hat dem Gartenverein Recht gegeben. Grund: Die Gegendarstellung von Familie Marschner ist nach Ablauf der Frist eingegangen und konnte nicht berücksichtigt werden, die Kündigung ist rechtens. Der Streitwert ist auf 600 Euro festgelegt und sogar noch nach unten korrigiert worden, sodass eine Berufung in nächster Instanz nicht möglich ist.

Gegen die Festlegung des Streitwerts hat der Anwalt der Familie nun Beschwerde eingelegt, alleine der Abriss des Gartenhäuschens wäre teurer. Familie Marschner hofft, in nächster Instanz Recht zu bekommen. Den Garten wollen sie nicht aufgeben.

Nicole Hollatz

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