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Nordwestmecklenburg Wo sollen die Jugendlichen in Schönberg hin?
Lokales Nordwestmecklenburg Wo sollen die Jugendlichen in Schönberg hin?
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17:22 20.11.2019
Laub in allen Herbstfarben bedeckt die Freilichtbühne in Schönberg. Ein kleines Gebäude gehört zur Anlage. Quelle: Jürgen Lenz
Schönberg

Heranwachsende in Schönberg wollen einen Raum, in dem sie sich treffen können. Im städtischen Jugendklub haben sie aber nur 15 Quadratmeter Platz. Gegen den Klub spricht auch, dass viele Heranwachsende nicht ständig unter Aufsicht sein wollen. Eine Gruppe Jugendlicher gestaltete im September unter freiem Himmel einen Treffpunkt mit selbst gebauten Möbeln. Es kam zu Konflikten mit Anwohnern. Nach wenigen Wochen wurde der Treffpunkt von Unbekannten zerstört. Jetzt gibt es neue Vorschläge von Bürgern, Kommunalpolitikern und Jugendsozialarbeiterinnen.

Welche Ideen für Jugendtreffs existieren?

Schönberg plant seit Jahren einen neuen Jugendklub. 2015 kaufte die Stadt das Haus Amtsstraße 8, um es zu sanieren, teilweise umzubauen und neben der städtischen Bücherei auch den Jugendklub unterzubringen. Die Stadtvertretung verwarf das Projekt später aus Kostengründen. Der neue Plan: Abriss der Amtsstraße 8 und Neubau für Jugendklub und Bücherei an gleicher Stelle. Baubeginn: ungewiss. Ein neuerer Vorschlag aus den Reihen der Stadtvertreter: Einzug des Jugendklubs ins ehemalige Museum am Kirchplatz. Eine weitere Idee: eine Containeranlage als Übergangslösung. Als Standort war zunächst ein Grundstück unweit der Palmberghalle im Gespräch. An dieser Stelle gibt es aber Schwierigkeiten mit dem Baurecht. Derzeitiger Favorit ist der Kinoplatz. Parallel zu diesen Ideen für den Jugendklub gibt es den Vorschlag, den Heranwachsenden zusätzlich etwas zur Verfügung zu stellen, das sie selbst verwalten.

In Schönberg liegt neben dem Stadtpark der Kinoplatz – ein guter Standort für Container als städtischer Jugendtreff? Quelle: Jürgen Lenz

Wer setzt sich für Treffpunkte ein?

Kommunalpolitiker in Schönberg verstärken derzeit ihre Bemühungen, Kindern und Jugendlichen einen geeigneten Treffpunkt anzubieten. Kati Eggert (Kommunale Wählergemeinschaft KWG), neue Vorsitzende des Ausschusses für Schule, Kultur, Sport, Jugend, Senioren und Soziales sagt: „Wir sind bemüht, etwas für die Kids zu schaffen.“ Ziel solle sein, allen Kindern und Jugendlichen etwas zu bieten. Bürgermeister Stephan Korn (KWG) erklärte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses, er finde die Idee, eine Containeranlage auf dem Kinoplatz aufzustellen, „gar nicht schlecht.“ Jörn Callies (SPD) sagte: „Es ist eine Option mit dem Kinoplatz.“ Vielleicht kämen aber auch andere Standorte infrage. Annette Behr (CDU) erläuterte, durch Container müsse das Platzangebot des Jugendklubs vergrößert werden, damit dort eine bessere Arbeit möglich sei. Unabhängig von den Plänen für den städtischen Jugendklub schlagen Bürger und Mitarbeiterinnen der mobilen Jugendarbeit des Internationalen Bunds einen selbstverwalteten Treffpunkt vor – für eine teilweise andere Zielgruppe. Ein geeigneter Ort sei die Freilichtbühne im Stadtpark mit dem dazugehörigen Häuschen. Die Freilichtbühne könne von engagierten Bürgern zusammen mit Jugendlichen instand gesetzt werden. Annemarie Schoodt (SPD) sagt: „Ich finde die Idee total genial. Es ist ein wunderbarer Fleck Erde.“ Der Schönberger Uwe Becker berichtet: „Es gibt dafür vonseiten von Bürgern und Firmen Unterstützung.“ Er würde eine Anschubfinanzierung von 1000 Euro leisten. Als Geldgeber kommen nach Auskunft der mobilen Jugendarbeit vielleicht auch Stiftungen infrage. Ebenso einbezogen werden sollten der Landkreis Nordwestmecklenburg und die Jugendhilfe. Uwe Becker sieht in jedem Fall die Stadtvertreter in der Pflicht, ernsthafte Bemühungen für die jungen Bürger von Schönberg zu ergreifen. Er sagt: „Man muss in die Puschen kommen und für die Kinder und Jugendlichen etwas tun.“

Die Geschichte des Stadtparks in Schönberg

Ab 1907 pflanzten Arbeiter Bäume am Rupensdorfer Weg in Schönberg. Ein Stadtpark entstand. Historische Ansichtskarten zeigen ihn als gepflegte Anlage mit Sitzbänken und lauschigen Plätzchen. 1911 pflanzte der Schönberger Turnerbund eine Jahn-Eiche in Erinnerung an „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn, der 1811 erste deutsche Turnfeste organisierte und im Lützower Freikorps gegen die napoleonischen Truppen kämpfte. 1913 legten Schönberger einen Gedenkstein in den Stadtpark. Die Inschrift lautet „1813, 18. Oktober, 1913“. Anlass war die Jahrhundertfeier der Völkerschlacht bei Leipzig, der mit 90 000 Toten und Verletzten die bis dahin folgenschwerste Schlacht in der Geschichte Europas. 1937 bauten Arbeiter im Stadtpark eine Freilichtbühne. Sie verfiel nach der Wende zusehends. Mehrere Versuche, sie instand zu setzen und wieder zu bespielen, waren nur von kurzer Dauer.

Welche Bedenken und Befürchtungen gibt es?

Mehrere Mitglieder des Sozialausschusses bedauerten in der jüngsten Sitzung, dass einige Jugendliche in Schönberg Vandalismus betreiben – so wie es vor Jahren bei einer Skateranlage und einem Ballspielplatz am Stadtpark der Fall war. Annemarie Schoodt berichtet: „Es musste alles wieder abgebaut werden, weil es kaputt gemacht wurde.“ Von einem selbstverwalteten Treffpunkt in der Freilichtbühne könnten nach Ansicht von Mitgliedern des Sozialausschusses nicht nur Lärmbelästigungen ausgehen, sondern vielleicht auch eine Gefahr – ein Feuer beispielsweise. Außerdem dürfe nicht nur auf Bedürfnisse von Jugendlichen Rücksicht genommen werden, sondern ebenso auf Rechte und Wünsche von Anwohnern. Kati Eggert sagte, dass die Jugendlichen auch in einem selbstverwalteten Treffpunkt Regeln brauchen. Laura Thalmann von der mobilen Jugendarbeit antwortete: „Natürlich soll es Regeln geben. Sie funktionieren aber besser, wenn sie zusammen mit den Jugendlichen erarbeitet werden.“ Laura Thalmanns Kollegin Carlett Bosten erläutert, Kontakte zwischen den Jugendlichen und Anwohnern seien wichtig, um die Bedürfnisse aller kennenzulernen. Es gebe Jugendliche, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. Sie hätten gezeigt, dass sie durchaus zuverlässig sind. Die Jugendlichen seien in einem selbstverwalteten Treffpunkt nicht auf sich allein gestellt, erläutert Carlett Bosten. Das Projekt könne von der mobilen Jugendarbeit und ehrenamtlich engagierten Bürgern begleitet werden.

Über den Autor

Von Jürgen Lenz

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