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Nordwestmecklenburg Wochenlange Bauarbeiten: Herrnburger warten auf Ende der Straßensperrung
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Wochenlange Bauarbeiten: Herrnburger warten auf Ende der Straßensperrung

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15:12 14.07.2020
Voll gesperrt ist die Landesstraße in Herrnburg zwischen der Einmündung der Straße in Richtung Schattin und dem Ortsausgang Richtung Lüdersdorf. Quelle: Jürgen Lenz
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Herrnburg

17 Uhr in Herrnburg: Wo sonst der Feierabendverkehr nach Lübeck und zur A 20 rollt, herrscht jetzt Stille. Vögel zwitschern, Blätter rauschen. Nur ab und zu kommt ein Auto. Die Landesstraße ist gesperrt. Wegen Bauarbeiten. Anlieger hoffen, dass sie bald wieder freigegeben wird, denn die Sperrung bringt nicht nur ungewohnte Stille, sondern auch Nachteile für die Herrnburger. Umleitungen innerhalb des Ortes gibt es nämlich nicht – nur weiträumige über die B 104 und Lübeck. Und auch dort behindern Bauarbeiten den Verkehr – zum Verdruss vieler Autofahrer.

Im Juni kündigte das Straßenbauamt Schwerin an: Um die Fahrbahn zu erneuern, wird die L 02 in Herrnburg zwischen dem Bahnübergang und dem Ortsausgang in Richtung Lübeck vom 22. Juni bis voraussichtlich 31. Juli voll gesperrt. Zunächst werde der Teil zwischen der Einmündung der Bahnhofstraße und dem Abzweig Richtung Schattin saniert, dann weiter bis zum Ortsausgang.

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Straßenbauer: „Wir sind voll am Arbeiten.“

Der erste Bauabschnitt ist fertig. Doch wie sieht's mit dem zweiten aus? „Wir sind voll am Arbeiten“, erklärt das Straßenbauamt Schwerin auf Anfrage. In der vorigen Woche sei es wegen des Regenwetters aber nicht möglich gewesen, die Landesstraße auch im zweiten Bauabschnitt zu asphaltieren. Die Firma wolle in dieser Woche die Asphaltdecke aufbringen – vorausgesetzt, das Wetter lässt das zu.

„Die Sperrung macht sich bemerkbar. Ich habe deutlich weniger Kunden“, sagt Kristin Barten. Die 43-jährige Herrnburgerin betreibt in der Hauptstraße 118 den beliebten Blumenladen „Blüten-Zauber“. Das 1999 eröffnete Geschäft liegt zwar nicht an dem Teil der L 02, der jetzt erneuert wird, und viele Kunden kommen weiterhin, aber es fehlen nun etliche, die auf der Fahrt durch Herrnburg bei Kristin Barten anhalten, um Blumen, Dekorations- und Geschenkartikel zu kaufen.

Die Zeit der Straßensperrung ist eine Herausforderung für die Herrnburgerin Kristin Barten (44). Sie führt den beliebten Blumenladen „Blüten-Träume“. Quelle: Jürgen Lenz

Die Herrnburgerin hofft, dass die Durchfahrtsstraße bald freigegeben wird. Sie ist zuversichtlich: „Es dauert nicht mehr lange.“ Sie habe Verständnis dafür, dass die L 02 wegen des Regenwetters in der vorigen Woche noch nicht fertig ist.

Neuer Straßenbelag bringt mehr Ruhe für die Anlieger

Gegen die Erneuerung ist Kristin Barten nicht. Sie sagt: „Es muss sein.“ Im vorigen Jahr erneuerte das Straßenbauamt den Teil der L 02, an dem der Blumenladen liegt. Kristin Barten berichtet: „Es ist jetzt wesentlich ruhiger als vorher.“ Der Nachteil der neuen Fahrbahndecke: „Jetzt fahren viele schneller.“

Der Herrnburger Wehrführer Oliver Boest ist froh, dass die Straße zwischen dem Bahnübergang und dem Abzweig Richtung Schattin jetzt fertig ist. Die Zufahrt zum Gerätehaus liegt nämlich dort. Die Feuerwehrleute hätten nicht ausrücken können. Deshalb zogen sie zu Beginn der unterrichtsfreien Zeit an die Grundschule. Dort stationierten sie einen Einsatzwagen mit Drehleiter und ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug.

Ein Schleichweg führt durch einen Wald unweit von Herrnburg. Mittlerweile ist er zerfahren und mit Schlaglöchern übersät. Quelle: Jürgen Lenz

Oliver Boest berichtet: „Wir hatten alle Möglichkeiten geprüft und uns für diese entschieden.“ Auch Absprachen mit den Nachbarfeuerwehren Selmsdorf und Schönberg habe es gegeben. Der Herrnburger Wehrführer erläutert: „Sie wären bei jeder Alarmierung mit ausgerückt.“

In der vorigen Woche konnte die Feuerwehr wieder zurück ins Gerätehaus. „Das Ganze war eine Menge Arbeit für die Feuerwehr“, sagt Oliver Boest. Er erklärt: „Ich bin den Kameraden sehr dankbar dafür, dass sie ihre Freizeit geopfert haben. Sie haben alles ehrenamtlich gemacht.“

„Aktuell haben wir keine Zufahrt nach Lüdersdorf", bedauert Oliver Boest, Wehrführer in Herrnburg. Quelle: Jürgen Lenz

Die Herrnburger Feuerwehrleute setzten weiterhin darauf, dass ihnen im Ernstfall die Selmsdorfer und Schönberger helfen. „Aktuell haben wir keine Zufahrt nach Lüdersdorf“, bedauert Oliver Boest. Ausrücken können die Herrnburger derzeit nur in den größten Teil ihres Ortes und in Richtung Schattin. Auch Palingen können sie nur über große Umwege erreichen.

Was viele Herrnburger ärgert: Zwar könnte eine relativ kurze Umleitung über die Straße „An den Schießständen“ in Lübeck führen, aber ausgerechnet in der Zeit der Bauarbeiten in Herrnburg ist auch dort gesperrt – ebenfalls wegen Bauarbeiten. Was ebenfalls für Verdruss sorgt: Lübeck saniert seit 29. Juni auch die Walderseestraße. Sie kann bis Anfang September nur stadtauswärts befahren werden. Einige Autofahrer benutzen wegen der Straßensperrungen Schleichwege. Einer führt durch einen Wald unweit von Herrnburg.

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Von Jürgen Lenz