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Nordwestmecklenburg Kurz nach dem Start – Ferien im Jugendklub
Lokales Nordwestmecklenburg Kurz nach dem Start – Ferien im Jugendklub
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16:22 23.08.2019
Zum 1. September 2018 übernahm das Diakoniewerk im nördlichen Mecklenburg die Trägerschaft für den Jugendklub der Stadt Grevesmühlen im Bürgerbahnhof. Quelle: Annett Meinke
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Grevesmühlen

Die Jugendtreffs in den Städten und Gemeinden sind vor allem in den Ferien eine beliebte Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche. In Grevesmühlen allerdings standen die Kids zwei Wochen lang vor verschlossenen Türen. Obwohl die Diakonie, seit Ende 2018 Träger der Einrichtung im Jugendbahnhof, seit dem 1. Juni den Treff wieder geöffnet hatte, wurden nach zwei Wochen die Türen wieder geschlossen. Inzwischen hat die Einrichtung wieder geöffnet. Doch Fragen bleiben: Warum wird der

Pädagogin Pia Jung war seit Anfang November Sozialarbeiterin im Jugendzentrum im Grevesmühlener Bürgerbahnhof. Wenig später kündigte sie. Lutz Regenberg verantwortet die Arbeit des Jugendtreffs und koordiniert das Personal. Quelle: GVM

Jugendtreff in den Ferien geschlossen? „Weil Mitarbeiter ein gesetzliches Anrecht auf Urlaub haben“, sagt Lutz Regenberg vom Diakoniewerk auf Anfrage. Die Schließung betraf den Zeitraum vom 15. bis zum 26. Juli. Grundsätzlich, so betonte er, werde der Jugendtreff seit der Eröffnung gut angenommen. Daran hätten auch die zwei Wochen Schließung nichts geändert. „Aber es gab leider keine andere Möglichkeit.“ Wie Lutz Regenberg weiterhin betont, seien die Öffnungszeiten mit den anderen Jugendtreffs der Umgebung abgestimmt gewesen, so dass die dortigen Ferienangebote genutzt werden konnten. Nur – allzu viele Jugendtreffs gibt es in der Umgebung nicht mehr.

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Stellungnahme im Kultur- und Sozialausschuss

In der kommenden Woche wird die Diakonie den Jugendtreff und das Thema Öffnungszeiten auf der Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses vorstellen. Dann will Lutz Regenberg den Fraktionen erklären, wie die künftige Jugendarbeit aussehen soll. Und wann die geforderte Personalstärke erreicht würde. Denn laut Ausschreibung sollen dort zwei Mitarbeiter tätig sein. Die Schließung des Jugendzentrums während der Ferien war bereits Thema in der Einwohnerfragestunde der Stadtvertretung. Claus Adamoschek forderte die Stadtverwaltung auf, ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen, um das Angebot zu realisieren. Aufgrund der Probleme in den vergangenen Monaten regte er zudem an, dass die Stadt sich mit der Vergabe der Betreuung durchaus noch einmal beschäftigen möge. „Denn wenn der eine Anbieter, der jetzt den Zuschlag erhalten hat, es nicht schafft, dann sollte man vielleicht darüber nachdenken, den anderen Bewerber wieder ins Boot zu holen.“ Grevesmühlens Bürgermeister Lars Prahler hatte zugesichert, dass die Verantwortlichen auf der kommenden Sitzung des Kultur- und Sozialausschusses (Mittwoch, 21. August, 18.30 Uhr im Beratungsraum des Rathauses) Stellung beziehen werden. „Dann haben wir einen genauen Überblick über die Lage und die Aussichten.“

Die Geschichte der Jugendklubs in Grevesmühlen

Bereits vor der Wende war die Baracke an der Wismarschen Straße die Heimat des Jugendzentrums Grevesmühlen, doch mit der Insolvenz des Trägervereins

endete 2003 die langjährige Geschichte des Hauses, in dem sich neben einer Diskothek Fitness-, Aufenthalts- und Büroräume befanden. Das Gebäude wurde inzwischen abgerissen, an dem Standort befinden sich heute die Wohncontainer für Obdachlose.

Als die damalige Stadtjugendpflegerin Doris Lobatz Ende 2003 das

Erdgeschoss des ehemaligen Hortgebäudes der Fritz-Reuter-Schule mit dem Jugendzentrum bezog, hagelte es Kritik. Jugendliche im Stadtzentrum, das könne nur Probleme bedeuten. Das Gegenteil war der Fall, doch eine Dauerlösung war die Unterbringung dort nicht, zumal das Gebäude demnächst abgerissen und durch einen neuen Hort ersetzt werden soll.

Mit der Fertigstellung der Sanierung des Bürgerbahnhofs, der von Beginn an als sogenannter Jugendbahnhof deklariert wurde, zog das Jugendzentrum 2017 erneut um. Doch personelle Veränderungen sorgten dafür, dass 2018 die Trägerschaft in neue Hände gelegt werden musste. Am Ende bewarben sich die Diakonie und das DRK um den Jugendklub im Bürgerbahnhof.

Diakonie setzte sich gegen das DRK durch

Nachdem die Stadt Grevesmühlen als Träger des Jugendzentrums, das sich etliche Jahre in der Hortbaracke an der Fritz-Reuter-Grundschule befand, die Verantwortung an externe Träger abgegeben hatte, hatte sich neben der Diakonie auch der DRK Kreisverband Nordwestmecklenburg um die Einrichtung im Grevesmühlener Bürgerbahnhof beworben. Etwas überraschend ging Ende 2018 der Zuschlag an die Diakonie, die bis dato im Gegensatz zum DRK keine solche Einrichtung betreut hatte. Wenig später präsentierte der neue Betreiber zwei Mitarbeiterinnen, die sich fortan um die Betreuung der Kinder und Jugendlichen im Obergeschoss des sanierten Bahnhofsgebäudes kümmerten. Doch Anfang 2019 war Schluss, beide Frauen kündigten noch in der Probezeit, die Diakonie musste die Einrichtung schließen, da kein Personal mehr vorhanden war. Die Suche dauerte schließlich bis zum Juni, dann übernahm Daniel Tilse den Posten zum 1. Juli.

So berichtete die OZ im Februar über den Zustand im Jugendtreff.

Über den Autor

Von Michael Prochnow

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