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Nordwestmecklenburg Andreaskreuze gegen Pestizide
Lokales Nordwestmecklenburg Andreaskreuze gegen Pestizide
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16:04 21.06.2019
Der Biohof „Hoher Schönberg“ nimmt an einer Aktion für eine pesitizidfreie Landwirtschaft teil. Symbol ist das orangefarbene Kreuz an der Fassade über dem Hofladen. Quelle: Annett Meinke
Hohen Schönberg

 Das Andreaskreuz wird häufig als Warnsymbol eingesetzt. Es steht an Bahnübergängen, warnt vor gesundheitsgefährdenden Stoffen im Bereich der Chemie zum Beispiel – auch die Atomkraftgegner haben es vor vielen Jahren in gelber Ausführung als ihr Symbol gewählt. Neuerdings ist es in der Farbe Orange an der Fassade des Biohofes in Hohen Schönberg zu sehen. Neben der Bekanntgabe eines Flohmarktes, der am Wochenende auf dem Hof stattfindet, steht unter den beiden Kreuzen der Schriftzug: „Für eine pestizidfreie Landwirtschaft“.

Worum es geht, ist damit klar. Die Frage ist, handelt es sich hier um eine Einzelaktion der Biohofbauern in Hohen Schönberg – oder sind die Kreuze Teil einer Kampagne?

„Es ist schon eine Art Kampagne, die sich nach und nach ausweitet“, erklärt Biohofbauer Jörg Altmann. „Man sieht die orangen Kreuze als Aufkleber auf Autos, immer öfter sogar an Gartenzäunen hängen.“ Gemeinsam mit seinem „Compagnon“ Moritz Ahlhorn, wie Altmann den Mitbetreiber des Hofes nennt, und um die 15 Angestellten bewirtschaftet er den Bio-Hof.

Auf die Frage, ob sich die konventionell wirtschaftenden Bauern in seiner Nachbarschaft dadurch nicht an den Pranger gestellt fühlen könnten, sagt Altmann: „Es geht uns nicht um eine Ächtung der konventionell wirtschaftenden Bauern. Auch wenn sie es natürlich sind, die Pestizide nach wie vor einsetzen.“

Jörg Altmann vom Biohof „Hoher Schönberg“ Quelle: Annett Meinke

Worum es ihm und seinen Biohof-Mitstreitern geht, erklärt Altmann, „ist vor allen Dingen, ein deutliches, weit sichtbares Zeichen in Richtung Politik und Wirtschaft zu setzen. Pestizide gehören verboten. Es gibt genügend, das darauf hinweist, dass ihr Ausbringen nicht nur der Natur schadet, sondern auch nachhaltig gesundheitsschädigend für Menschen ist. Es ist ein schleichender Prozess, und wenn so weitergemacht wird wie bisher, wird es in ein paar Jahren sicherlich mehr als reichlich Fakten geben.“

Was seine konventionell wirtschaftenden Kollegen in der Nachbarschaft betrifft, sagt Altmann, weiß er von einigen, dass sie schon länger darüber nachdenken, ob der Weg, den sie beschritten haben, noch der richtige ist. „Doch sie kommen einfach nicht aus dem Wirtschaftskreislauf raus, in dem sie sich befinden.“

Die Politik, stellt Altmann fest, „lässt die konventionell wirtschaftenden Bauern hängen. Es wurde viel zu lange in die falsche Richtung gefördert, und das ist nach wie vor so. Da reicht es auch nicht, nun ein paar Blühstreifen an den Feldern zu fördern.“

Altmann, der auch Führungen über den Bio-Hof anbietet, erklärt, warum er und seine Kollegen kein Problem mit dem Wetter oder Ernteausfällen haben. Egal ob das Jahr nun perfekt liefe oder extremer ausfiele. „Bei unserer Fruchtvielfalt, die wir anbauen, gibt es immer von irgendetwas ausreichend, das wir in unserem Hofladen verkaufen können, auf Märkten und auch selbst nutzen. Diese Vielfalt ist gleichzeitig auch der Vielfalt an Insekten förderlich, weil bei uns immer irgendetwas blüht.“

Besucher des Biohofes Hoher Schönberg: Sylvia Strehl aus Dassow (l.) mit ihrer Schwester Beate Kittel aus Frankenblick in Thüringen. Beate Kittel ist bei den Grünen aktiv. Quelle: Annett Meinke

Dass das Konzept der konventionell wirtschaftenden Bauern, die Orientierung an Weltmarktpreisen, Lieferungen an Großabnehmer nicht mit dem Konzept eines Biohofes zu vergleichen ist, räumt Jörg Altmann ein.

Doch das Konzept des Weltmarktes, merkt er an, sei auch generell zu überdenken. „Billigstpreise auf der einen Seite und Massenvernichtung von Lebensmitteln auf der anderen. Das funktioniert doch alles längst nicht mehr. Vom Umgang mit Natur und Tier an diesem Punkt mal ganz zu schweigen.“

Annett Meinke

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