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Nordwestmecklenburg Der Taxifahrer aus Klein Neuleben
Lokales Nordwestmecklenburg Der Taxifahrer aus Klein Neuleben
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10:15 05.07.2019
Petra und Hartmut Käßler aus Klein Neuleben (Gemeinde Lüdersdorf) – ein Team seit 37 Jahren. Als er sich nach der Wende entschloss, einen Ein-Mann-Taxibetrieb aufzuziehen, unterstützte sie ihn. Am 1. Juli 2019 feierte Käßler 20-jähriges Betriebsjubiläum. Quelle: Annett Meinke
Klein Neuleben

Taxifahrer haben es heute nicht so einfach, die Konkurrenz wächst und wächst, – nicht erst seit es das amerikanische Unternehmen Uber gibt, ein weltweit agierender Onlinedienst, der Fahrgäste an Mietwagen mit Fahrern vermittelt.

In Klein Neuleben, unweit von Schönberg und Lübeck, gibt es seit 20 Jahren das Ein-Mann-Taxiunternehmen von Hartmut Kessler (62). Er hat bisher mit Uber noch kein Problem, wie er erzählt. Jedoch sagt er dann: „Das Geschäft hat sich verändert mit den Jahren. In unserer Region, hier an der Grenze zu Schleswig-Holstein tauchen immer mehr Taxiunternehmen auf. Von einen auf den anderen Tag sind sie da.“ Was auch mit der Nähe zu Lübeck zu tun hat. Klein Neuleben gehört zur Gemeinde Lüdersdorf.

In Klein Neuleben ist das kleine Taxiunternehmen von Hartmut Käßler ansässig. Quelle: Annett Meinke

Vom Schiffsbauer zum Taxifahrer

Am 1. Juli dieses Jahres hat Hartmut Käßler mit seiner Familie auf das 20-jährige Firmenjubiläum angestoßen, – mit seiner Frau Petra (60), er ist seit fast vierzig Jahren mir ihr verheiratet, mit Kindern und Enkeln. „Ich bin ein Familienmensch“, sagt der Taxifahrer, der vor der Wende in Wismar auf der Werft als Lehrausbilder für Schiffsbauer arbeitete.

Rund um den Hof der Käßlers befinden sich die Höfe der Brüder von Hartmut Käßler, und auch das Haus der Mutter ist nicht weit weg. „Meine Mutter“, sagt er und dabei merkt man ihm an, wie froh ihn das macht, „ist fit wie ein Turnschuh.“ Sie ist 80 Jahre alt, „nur 17 Jahre älter als ich“, wie Käßler lachend sagt und wird, wie er hofft, „mal 102.“

Dass er sich damals entschloss, ein eigenes Taxiunternehmen aufzuziehen, berichtet er dann, hatte mit der Arbeitslosigkeit zu tun, die nach der Wende auch auf ihn zukam. „Alles veränderte sich damals, also musste ich mir etwas überlegen.“

Hartmut Käßler gehört nicht zu den Menschen, die bei Problemen den Kopf in den Sand stecken. Er machte eine Ausbildung an der IHK in Rostock, um ein eigenes Unternehmen führen zu können. Schließlich ging es dabei noch um weit mehr als ums Taxifahren. Buchhaltung war zum Beispiel etwas, das auch gelernt werden musste. Dann noch der Taxischein, um die Erlaubnis zu erhalten, Personen befördern zu können, wobei es auch darum geht, Ortskenntnis nachzuweisen. Auch seine Frau machte den Taxischein und unterstützte ihn anfangs auch noch, indem auch sie Taxi fuhr.

„Inzwischen kümmert sie sich mehr um die Buchhaltung“, erzählt Hartmut Käßler und erinnert sich: „Damals, ein paar Wochen, nachdem ich mein eigenes Unternehmen hatte, bekam ich doch noch einmal kalte Füße. Die Aufträge kamen nicht so rein, wie gedacht. Es musste sich erst herumsprechen. Meine Frau ist so ein Typ: Für sie ist das Glas immer halb voll. Als ich anfing zu grübeln, ob das wirklich die richtige Entscheidung war, stärkte sie mir den Rücken.“

Taxifahrer sind auch „Beichtväter

Käßlers Hauptgeschäft ist inzwischen, als Subunternehmer für die Busbetriebe Kinder zur Schule zu fahren. Auf manch kleines Dorf am Rande Nordwestmecklenburg fährt kein Schulbus mehr. Hartmut Käßler holt die Kids ab – „von Grundschule bis Oberstufe“ – fährt sie in die Schule und bringt sie nachmittags wieder nach Hause.

Mit Kindern und Jugendlichen kommt er klar, von seiner Zeit als Lehrausbilder noch. Respekt im Umgang mit ihm verlangt er. „Ich behandele meine Fahrgäste auch mit Respekt“, sagt er. Meist klappt das ganz gut, wenn nicht, dann macht er schon mal eine deutliche Ansage.

Hartmut Käßler fährt auch andere Menschen, die zum Arzt oder zum Einkaufen wollen, eine Zeit lang viele Asylbewerber, auch mit ihnen kam er gut zurande. „Ich habe nur freundliche Ausländer getroffen, die mich und meine Frau auch manchmal zu Feiern einluden.“ Käßler sagt, dass er mit der einfachen Wahrheit: „Wie man in den Wald hineinruft, schallt es heraus“, immer gut gefahren ist.

Dass ein Taxifahrer auch so etwas wie eine Art „Beichtvater“ oder auch „Vertrauter“ ist, sagt er, habe er ziemlich schnell erstaunt festgestellt. Die Leute erzählen viel im Taxi, von Familienproblemen, Krankheitsgeschichten, teilen aber auch freudige Erlebnisse. Sein prominentester Fahrgast war Björn Engholm. Der stieg bei ihm ein, als er in Lübeck unterwegs war.

Mit einigen Taxifahrern aus Schönberg verbindet Hartmut Käßler Freundschaft oder zumindest ein guter kollegialer Umgang. „Wir helfen uns gegenseitig. Hat der eine mehr Fahrten, als er bewältigen kann, gibt er weiter an den anderen, falls bei es bei dem gerade ruhiger zugeht.“ Nur so kommt man doch auch vernünftig durch das Leben, findet er.

Wie lange genau er noch weiter fahren wird, steht bislang nicht ganz genau fest. Doch langsam, sagt Hartmut Käßler, denke er schon an Rente. „Ich habe meine Beitragsjahre voll, vielleicht fahre ich noch ein, zwei Jahre.“ Worauf er sich dann freut, sagt er, ist die Zeit mit seiner Frau, der Familie. Auf dem Hof in Klein Neuleben „gibt es schließlich auch immer genug zu tun.“

Und da ist ja auch noch die alte Jawa, sein altes Motorrad, ein Hobby von ihm. Mit der, erzählt er, fährt er im Sommer gern „die Landstraßen entlang“.

Annett Meinke

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