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Nordwestmecklenburg Gott und die Welt in Carlow
Lokales Nordwestmecklenburg Gott und die Welt in Carlow
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16:43 18.12.2018
Ulrike Kurzweg kam aus Hamburg nach Nordwestmecklenburg. Seit 2015 ist sie Pastorin in Carlow und Demern und wohnt im Pfarrhaus in Carlow. Quelle: Annett Meinke
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Carlow

Ulrike Kurzweg (51) hat sich gezielt um die Pastorenstelle in Carlow beworben. Die gebürtige Niedersächsin wohnte zuletzt in Hamburg. Das westliche Mecklenburg lernte sie während der Vertretung von Pastoren in Boizenburg und Wittenburg näher kennen. „Ich mochte die Landschaft, die Ruhe und Weite. An Carlow hat mich insbesondere das ausgesprochen rege kulturelle Gemeinschaftsleben gereizt.“, sagt sie. Das nicht unbedingt mit kirchlichen Themen zu tun hat, Kirche als Institution aber dennoch nicht ausschließt – im Gegenteil. Die Mutter von zwei bereits eigenständigen Söhnen, die in Hamburg geblieben sind, sagt auch, dass sie es als privilegiert empfindet, in einer Gemeinde wie Carlow Pastorin sein zu dürfen.

Die Fußstapfen, in die Kurzweg vor drei Jahren trat, waren groß. Bernhard Kähler hieß ihr Vorgänger, der 2015 in den Ruhestand ging. Der Pastor war im Jahr 1990 nach Carlow gekommen – gemeinsam mit seiner Frau und den drei Söhnen –, nach einem Studium und Vikariat in Jena, Pfarrstellen in der Uckermark und in Schwerin. 25 Jahre bestimmte er das kirchliche und kulturelle Leben in der Gemeinde. „Es ist ihm sicher schwergefallen, in den Ruhestand zu gehen und Carlow zu verlassen“, sinniert Ulrike Kurzweg während eines Spaziergangs zur Kirche mit einem Blick auf das Pfarrhaus, in dem sie nun seit 2016 lebt.

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Das Pfarrhaus in Carlow. Quelle: Annett Meinke

Das Pfarrhaus wurde saniert, als sie das Amt in der Kirchengemeinde übernahm. „Es ist mir immer bewusst“, sagt sie, „dass ich in diesem Haus nicht für immer bleibe, nur bis zum Ruhestand.“ Doch zum einen ist es noch ein Weilchen hin, – zum anderen ist das, was gerade ist, zu spannend für die Pastorin, als länger über das „dann“ nachzugrübeln.

Auf gewisse Weise will sie fortführen, was Pastor Kähler so erfolgreich all die Jahre bereits tat: „das Dorf in die Kirche“ zu holen, wie es einmal so schön in der Zeitung stand. Weil Bernhard Kähler ohne Berührungsängste auch nach unkonventionellen Wegen suchte, Veranstaltungen initiierte und mitorganisierte, die gleichermaßen gläubige wie nicht gläubige Menschen ansprachen. Andererseits sagt Ulrike Kurzweg: „Will ich mich natürlich nicht auf dem ausruhen, was bereits geschafft wurde, sondern auch eigene Wege suchen.“

Weihnachtsstern im Pfarrhaus von Carlow. Quelle: Annett Meinke

Dass die Nordkirche, um mit den Menschen in die Zukunft zu gehen, immer wieder auch nach neuen Wegen suchen muss, ist der Pastorin, die in einer Lebensgemeinschaft lebt, gern Gitarre spielt, – auch das gemeinsame Singen beim Lebenden Adventskalender wird mit dem Instrument begleitet –, klar. „Zum Gottesdienst mit Krippenspiel an Heiligabend ist die Kirche in Carlow natürlich voll“, sagt sie. „Doch schon zur Christnacht werden wieder einige Plätze frei bleiben. Und an ’normalen’ Gottesdiensten über das Jahr freue ich mich schon, wenn um die 20 Menschen in die Carlower Kirche kommen, meist nur eine Handvoll nach Demern.“ Konfirmanden gibt es pro Jahr so um die vier oder fünf. „Wenn es mal neun sind, ist das schon ein gutes Jahr“, sagt sie nachdenklich.

Die Kirche in Carlow. Hier findet jährlich „Rock an der Kirche“, organisiert vom Kulturkreis und der Kirchengemeinde Carlow, statt. Pastorin Ulrike Kurzweg ist seit 2015 in Carlow. Quelle: Annett Meinke

Die Herausforderung ist, sagt Kurzweg dann, auf der einen Seite bestimmte Traditionen zu bewahren, andererseits die Horizonte immer wieder zu öffnen. So wie das alljährlich auch beim „Rock an der Kirche“ geschieht, einer Veranstaltung, die im Jahr 2019 zum zehnten Mal stattfinden wird. Die einst einer gewissen Anregung des Pastoren Kähler entsprang, sich im Laufe der Jahre immer weiter entwickelte und vom Kulturkreis Carlow in Zusammenarbeit mit der Kirchengemeinde und jeder Menge Unterstützung von vielen Menschen im Dorf veranstaltet wird.

Annett Meinke

18.12.2018