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Nordwestmecklenburg Jenseits von Ostafrika: Schloss Plüschow sandte Künstlerinnen nach Tansania
Lokales Nordwestmecklenburg Jenseits von Ostafrika: Schloss Plüschow sandte Künstlerinnen nach Tansania
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12:00 28.09.2019
Miro Zahra (r.) mit Schülern der Lutheran Secondary School in Morogoro Quelle: privat
Plüschow/Morogoro

Dass der Besuch eines afrikanischen Landes so faszinierend wie herausfordernd ablaufen kann, davon berichteten die Nordwestmecklenburger Künstlerin Miro Zahra und ihre Künstlerkolleginnen Takwe Kaenders und Kerstin Borchardt. Gemeinsam verbrachten sie von Ende August bis Mitte September drei Wochen in Morogoro, Tansania. Dort organisierten die Frauen unter anderem Kunstunterricht an einer Schule.

Tansania liegt in Ostafrika am Indischen Ozean, grenzt an Kenia und Uganda im Norden, an Ruanda, Burundi und die Demokratische Republik Kongo im Westen und im Süden an Sambia, Malawi und Mosambik.

Tansanias Landschaft erinnert ein wenig an die Bilder des Filmes „Jenseits von Afrika“: Morogoro heißt auch die Region um die Stadt Morogoro. Die Stadt befindet sich 200 Kilometer westlich von Daressalam und gehört zu den zehn größten Städten Tansanias. Quelle: privat

„Bis zu diesem Zeitpunkt erhielten die Kinder an dieser Schule keinerlei Kunstunterricht. Auch der Umstand, dass erwachsene Lehrer auf Augenhöhe mit Schülern umgehen, war ihnen fremd. Die meisten sprachen uns den gesamten Aufenthalt über mit ‚Madame‘ an. Was wiederum für uns ziemlich gewöhnungsbedürftig war“, berichtet Zahra.

Die ostafrikanische Natur ließ die Deutschen selbstverständlich auch nicht unberührt. „Beeindruckend waren auch die intensiven Farben in der Bekleidung vieler Menschen, unter anderem bei den Massai, denen wir auf einem Markt begegnet sind“, erzählt die Plüschower Künstlerin weiter.

Hintergrund der Reise

Kerstin Borchardts und Takwe Kaenders’ Reise wurde durch ein Stipendium des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow unterstützt. Miro Zahra reiste in ihrer Eigenschaft als Leiterin des Künstlerhauses Schloss Plüschow.

Geplant ist, dass zukünftig Künstler aus Tansania am internationalen Kunststipendiaten-Programm des Mecklenburgischen Künstlerhauses teilnehmen und Künstler aus Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig mit einem Reisestipendium zu einem Arbeitsaufenthalt nach Tansania reisen.

Improvisationstalent war gefragt

Bevor die Schüler der Schule in Morogoro (Lutheran Junior Seminary) im Fach Kunst unterrichtet werden konnten, mussten die deutschen Künstlerinnen gemeinsam mit den Kindern einen Klassenraum entrümpeln und säubern. Sie suchten sich kaputte Tische und Stühle auf dem Gelände der Schule zusammen und reparierten sie auf kreative Weise gemeinsam. „Wir haben zum Beispiel farbige Wäscheleinen besorgt und diese zu einer Sitzfläche oder Lehne verbunden oder auch Plastikmüll in der Verarbeitung genutzt“, erklärt Zahra.

Kaputte Stühle auf dem Gelände der Schule in Morogoro wurden zusammengesammelt, auf kreative Weise gemeinsam mit den Schülern repariert. Zum Beispiel mit Wäscheleinen, die zu einer Sitzfläche geflochten wurden. Quelle: privat

Takwe Kaenders, die ihr Atelier (Skulpturen aus Metall, Email, Installationen, Grafik) in Rothen bei Sternberg betreibt, hat die Erfahrungen an der Schule in Tansania in ihrem Reisebericht unter anderem so beschrieben: „Kinder werden in Tansania nicht individuell gefördert. Alle sollen gleich sein und keiner aus der Reihe tanzen. Es ist aber auch nicht verwunderlich, weil der Klassenraum durchschnittlich dreißig bis fünfzig Kinder beherbergt und nur ein Lehrer zur Verfügung steht.“ Weiter berichtet Kaenders: „Die Lehrer an der Schule haben seit Monaten kein Geld mehr erhalten. Einige halten durch, das ermöglicht nur ihr kleiner Garten, den sie sich hinter ihrem Haus eingerichtet haben.“

Kerstin Borchardt, die in Gotthun bei Röbel lebt und arbeitet (Malerei, Grafik, Plastik), wählt mit Bedacht das Wort „kontrastreich“, wenn sie über ihre Erfahrungen in Tansania spricht. „Oberflächlich und mit europäischen Augen betrachtet, können sich natürlich sehr leicht viele Klischees über Afrika bestätigen“, sagt sie. „Doch die Zusammenhänge sind komplex. Es geht auch in Tansania nicht nur um die Nachwirkungen der Kolonialzeit, sondern schon länger auch um das Finden einer wirklich eigenen Identität.“

Dass das, was in diesen drei Wochen im Kontakt mit den Schülern in Morogoro schließlich entstand – unter anderem eine kleine „East Side Gallery“ an den Wänden der Schule –, „nur ein Anfang sein kann“, wissen Borchardt, Kaenders und Zahra. Ob diesem Anfang mehr folgt, wird von beiden Seiten abhängig sein – sowohl von deutscher als auch von tansanischer.

Takwe Kaenders repariert mit Schülern des Lutheran Junior Seminary Stühle und Tische, um überhaupt Kunstunterricht vor Ort durchführen zu können. Quelle: privat

Borchardts und Kaenders Reise wurde durch ein Stipendium des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow unterstützt, Zahra reiste in ihrer Eigenschaft als Leiterin des Künstlerhauses Schloss Plüschow. Geplant ist, dass zukünftig Künstler aus Tansania am internationalen Kunststipendiaten-Programm des Künstlerhauses teilnehmen und Künstler aus MV regelmäßig mit einem Reisestipendium zu einem Arbeitsaufenthalt in das ostafrikanische Land reisen.

Künstler aus MV geben Kunstunterricht an Schule in Morogoro, Tansania (September 2019)

Der Kontakt zwischen den Mecklenburger Künstlern und der Schule in Morogoro ist über das Johanneum in Lübeck zustande gekommen. Seit vier Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen den Schulen.

Von Annett Meinke

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