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Nordwestmecklenburg Thema Depression: Tandem fahren für Betroffene
Lokales Nordwestmecklenburg Thema Depression: Tandem fahren für Betroffene
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21:52 05.08.2019
Station in Grevesmühlen: Auf den Tandems unterwegs durch Nordwestmecklenburg, um auf das Thema Depression hinzuweisen: v.l. Peter Kraus (53) aus Frankfurt/Main, Tanja Kolbeck-Hörber (48) aus Rothenburg ob der Tauber, Swantje Sagcob (57) aus Oldenburg, Dietmar Reinberger (66) aus Duisburg, Lina Kirsch (Smiley vor dem Gesicht, 34) aus Berlin und Mark Allmann (47) aus Bremen. Quelle: Annett Meinke
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Grevesmühlen

Tanja Kolbeck-Hörber (48) macht zum ersten Mal bei der Mut-Tour mit, die der Bremer Künstler Sebastian Burger im Jahr 2012 ins Leben rief, um die Öffentlichkeit für das Thema Depression zu sensibilisieren. Wenn sie vorbei sein wird, werden alle, die daran teilnehmen, insgesamt um die 4000 Kilometer zurückgelegt haben. Tanja Kolbeck-Hörber fährt von Lübeck bis nach Berlin, gemeinsam mit ihren Mitfahrern.

Nicht nur Menschen, die Erfahrung mit der Erkrankung haben, fahren mit, auch Nichtbetroffene. Tanja Kolbeck-Hörber gehört zu den Betroffenen. „2017 landete ich auf einmal in einer Depression. Von jetzt auf gleich.“, sagt sie. Zumindest kam es ihr so vor. Dass die Frau, die aus Rothenburg ob der Tauber kommt, auch schon in den Jahren zuvor Symptome gezeigt hatte, sagt sie, begriff sie erst in der Therapie. Dass sie nicht schlafen können, davon berichten viele Betroffene. So war es auch bei der Büroangestellten, die neun Monate brauchte, bis es ihr wieder besser ging. Heute, auch mit der Hilfe von Antidepressiva, kann sie wieder arbeiten.

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Auslöser, sagt Kolbeck-Hörber, war der Schlaganfall ihres Mannes. Nur ein leichter, inzwischen ist alles wieder gut. „Doch plötzlich schlug das Thema Tod voll ein“, sagt sie. Sich einzugestehen, dass sie eine Depression entwickelt hatte, sagt sie dann, dauerte eine Weile. Was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass das Thema von weiten Teilen der Bevölkerung immer noch tabuisiert wird.

Das spüren die Mut-Tour-Teilnehmer manchmal auch an Orten, an denen sie Station machen. Zunächst bewegen sich Menschen offen auf sie zu und scheuen sich dann doch, wenn sie bemerken, worum es geht, erzählt Dietmar Reinberger (66) aus Duisburg. Er ist bereits zum dritten Mal bei der Mut-Tour dabei. Der ehemalige Sozialarbeiter, der vor seiner Erkrankung selbst lange in der Psychiatrie gearbeitet hat, inzwischen ist er berentet, ist heute Vorsitzender des Vereins „Duisburg gegen Depression“.

Annett Meinke