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Nordwestmecklenburg Wie man Spinat selbst kocht
Lokales Nordwestmecklenburg Wie man Spinat selbst kocht
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14:55 05.06.2019
Laura Koch und Johannes Walzer auf ihrem Bauernhof in Boienhagen, von dem aus ihre Gemüse-Abonnenten ihre wöchentliche Lieferung direkt abholen können Quelle: Annett Meinke
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Boienhagen

Nun läuft also mein Selbstexperiment „Solidarische Landwirtschaft“ schon ein paar Wochen. Monatlich zahle ich meine Rate und fahre an jedem Freitagnachmittag auf den Hof der Jungbauern Koch, Walzer und Berger nach Boienhagen, die dort auf einem Kirchenpachthof ökologischen Landbau betreiben, um direkt Eier, Gemüse und Obst, das frisch geerntet wurde, abzuholen.

Annett Meinke Quelle: Annett Meinke

Die ersten Hürden – locker überwunden. Liste checken, was mir anteilsmäßig zusteht – kein Problem. Abwiegen, umpacken, sozial denken, auch mal Besseres für die anderen lassen, auch kein Ding. Sich extrem gut fühlen, weil für all das, was man da so wöchentlich mit nach Hause nimmt, kein Plastikmüll anfällt und nur sehr wenig Kohlendioxid in die Luft geblasen wurde, weil es ohne Chemie auf den Teller kommt und auch noch gut schmeckt, – logisch!

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Allerdings – es gibt auch Herausforderungen. Kürzlich zum Beispiel gab es den ersten frischen Spinat. Erschien mir wahnsinnig viel: Ein ganzes Kilogramm durfte ich mitnehmen.

In der Tauschkiste, – dort kann man platzieren, was man weniger mag und sich dafür etwas anderes mitnehmen –, war noch nichts drin an diesem Tag. Aber ich dachte – und dabei fühlte ich mich großzügig: Das ist too much, ich nehme nur 700 Gramm Spinat mit und schenke den anderen Mitabonnenten 300 Gramm. Die Hälfte der 700 Gramm – immerhin noch ein ganzer, großer Beutel voll –, sollten meine Eltern bekommen. Sie sollen schließlich ernährungsmäßig auch auf gutem Stand sein – wird ja immer wichtiger im Alter.

Auch wenn wir seit diesem Jahr ein kleines Gewächshaus auf dem Hof haben, aus dem vor allen Dingen meine Oldies sich nehmen können. Gebaut auf meine Anregung hin. Doch Spinat wächst da eben nicht drin.

Am Sonnabendmorgen jedoch wurde sehr schnell klar, was für ein Spinat-Super-Frischling ich doch tatsächlich bin. Kein Wunder, bisher habe ich ihn immer nur aus der Tiefkühltruhe im Supermarkt, entweder fertig zu bereitet oder schon vorgekocht zumindest, rausgeholt.

Meine Mutter sagte, als ich ihr so gut die Hälfte der zartgrünen, großen Blätter, die ich hatte, in ihrer Küche vorbeibrachte: „Das ist aber nicht viel, hast du nicht noch ein bisschen mehr. Spinat geht beim Kochen komplett zusammen.“ Mist, dachte ich an dem Punkt schon: Ich hätte doch die ganzen 1000 Gramm nehmen sollen.

Andere Sache, die ich meine Mutter bei dieser Gelegenheit fragte: Wie, bitte, kocht man Spinat komplett selbst? Hätte ich zwar leicht googeln können, ich wollte aber irgendwie etwas familiär Traditionelles. Meine Mutter, die auch schon ewig keinen Spinat mehr selbst gemacht hatte, erinnerte sich daran, wie ihre Mutter es gemacht hat: Zwiebeln in Butter anschwitzen, Spinatblätter kleingeschnitten dazu, mit wenig Wasser aufgießen, sanft dünsten – damit die Vitamine nicht verloren gehen –, mit saurer Sahne oder auch ein bisschen süßer abschmecken, Salz und Pfeffer dran, fertig.

Ich wandelte das Rezept meiner Altvorderen im Kochprozess in meiner Küche doch ein wenig in Richtung asiatische Küche ab: Zwiebeln und Spinat in Kräuterbutter angeschwitzt, gedünstet mit ein bisschen Hühnerbrühe, die ich noch hatte, mit jeder Menge Koriander drin und statt Sahne Joghurt plus Salz und Pfeffer – fertig.

Hat so gut geschmeckt, aber tatsächlich wirklich nur für eine Mahlzeit gereicht, jeweils, bei meinen Eltern und bei mir. Beim nächsten Mal werde ich wohl doch nicht mehr großzügig gegenüber meinen Mit-Abonnenten sein. Sorry, Leute!

Hoffest in Boienhagen am 15. Juni

Laura Koch, Johannes Walzer und Lennard Berger vom Hof in Boienhagen laden zum Sommerfest vor Ort ein.

Wann? Am Sonnabend, 15. Juni, ab 15 Uhr. Wer? Alle, die Lust haben – Abonnent oder nicht.

Was passiert? Führungen über den Hof, Leckeres zu Essen, vor Ort können Gemüse und Eier gekauft werden – für alle Nicht-Abonnenten oder Abonnenten, die noch mehr brauchen. Und am Abend gibt es vielleicht sogar noch Livemusik.

Mehr über das Jungbauernprojekt in Boienhagen hier und hier und hier.

Annett Meinke